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«Die Pandemie war ein vorhersehbares, medizinisches Ereignis, auf das die Wirtschaft schlicht nicht vorbereitet war»

Interview mit Prof. Thomas Szucs

Im Interview beschreibt Prof. Thomas Szucs, Verwaltungsratspräsident der Helsana-Gruppe, die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung während der letzten Monate sowie die Folgen der Coronakrise auf die Entwicklung der Digitalisierung innerhalb des Unternehmens.

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Prof. Thomas Szucs

Prof. Dr. med. Thomas D. Szucs, Verwaltungsratspräsident Helsana

Herr Professor Szucs, wann haben Sie erstmals gemerkt, dass mit dem Corona-Virus ein Problem von globaler Tragweite auf uns zukommt?

Bereits Anfang dieses Jahres, unmittelbar nach der Meldung Chinas an die WHO, war mir klar, dass sich im Reich der Mitte etwas Sonderbares abspielt. Ich bin oft in China und befasse mich seit über 30 Jahren mit der Influenza. Es war für mich immer lediglich eine Frage der Zeit, bis eine Pandemie kommen würde. Dass mit dem Corona-Virus ein anderer Virustypus gekommen ist, als vermutet, hat mich hingegen überrascht. Und ich hätte es kaum für möglich gehalten, dass ich eine Pandemie in einer derartigen Wucht miterleben würde.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit während der letzten Monate mit Ihrem Management?

Die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung hat hervorragend funktioniert. Auf dem Höhepunkt des Lockdown tauschten wir uns regelmässig mittels Telefon- und Videokonferenzen aus – teils im Beisein eingeladener externer Spezialisten aus Forschung, Medizin und IT, die uns jeweils eine neue Sicht auf die Entwicklungen erlaubten. Die ganze Koordination bei Helsana übernahm unsere Task Force, die rückblickend einen fantastischen Job gemacht und den Betrieb während der Pandemie gemeinsam mit IT und Beschaffungsmanagement aufrechterhalten hat. Bereits ab dem 13. Mai traf sich der Verwaltungsrat wieder physisch – unter Einhaltung eines ausgeklügelten Schutzkonzeptes. Es galt, damit auch ein Zeichen zu setzen, wieder zügig den Weg zurück in die neue Normalität zu finden.

Hat die Pandemie den Lackmus-Test für die Digitalisierung unserer Wirtschaft bestanden?

Dass die Pandemie einen merklichen Digitalisierungsschub auslösen wird, war zu erwarten. Unsere Agilität kam wohl erstmals wirklich auf den Prüfstand. Das Management der Helsana-Gruppe hat hier ausgezeichnete Arbeit geleistet. Dass phasenweise fast 3‘000 Mitarbeitende im Home-Office gearbeitet haben, blieb von Kunden praktisch unbemerkt – abgesehen von den geschlossenen Verkaufsstellen und Generalagenturen. Unsere Erreichbarkeit betrug während des Lockdown durchschnittlich etwas über 95%. Ein sensationeller Wert. Die Arbeit der Zukunft wird digitaler und mit weniger Reisen verbunden sein.

Inwiefern manifestiert sich die vorherrschende Verunsicherung in Wirtschaft und Gesellschaft bereits in Ihrem Tagesgeschäft?

Die Pandemie war ein vorhersehbares, medizinisches Ereignis, auf das die Wirtschaft schlicht nicht vorbereitet war. Pandemiepläne und Schutzkonzepte wurden in Unternehmen wie auch im öffentlichen Gesundheitsbereich stets nur halbherzig angegangen. Über das Herunterspielen der Wichtigkeit der Grippe-Durchimpfung müssen wir gar nicht erst sprechen. Bei Helsana konnten wir den Pandemie-Schock sehr gut abfedern und uns rasch mit der neuen Welt arrangieren. Bis nach den offiziellen Sommerferien streben wir die Rückkehr in den Normalbetrieb an.

Welche Lehren müssen Wirtschaft und Gesellschaft aus der Coronakrise ziehen?

Wir müssen die Risiken auf dem Radar halten und möglichst rasch explizite Handlungsmassnahmen bereithalten. Die Pandemie dürfte die persönlichen, nicht übertragbaren Pflichten und Verantwortlichkeiten von Verwaltungsräten in fast allen Unternehmen erheblich herausfordern. Als Verwaltungsrat müssen wir unsere Kernaufgaben besonders im Bereich der Aufsicht und des Risikomanagements konsequent wahrnehmen. Wir müssen sicherstellen, dass die Geschäftsleitung vorausschaut, kurz- und langfristige Risiken sowie Chancen bewertet, geeignete Massnahmen zur Gewährleistung der Geschäftskontinuität und zur Aktivierung von Notfallplänen ergreift sowie hinsichtlich Zeit und Inhalt angemessen kommuniziert. Ebenso wichtig ist, dass die Gesellschaft hinsichtlich Hygiene ein deutlich stärkeres Bewusstsein entwickelt hat. Die Reaktionen auf die jüngsten Entwicklungen in der fleischverarbeitenden Industrie belegen das. Mit dieser «Awareness» dürften in Zukunft hoffentlich auch die klassischen Spitalinfektionen zurückgehen.

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