Nicola Spirig ist Olympia-Siegerin und Juristin. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Im Juniorenalter gehörte Spirig zu den grössten Schweizer Leichtathletiktalenten. Bald wechselte sie zum Triathlon. 2012 wurde Spirig Olympiasiegerin in London. Vier Jahre später gewann Nicola Spirig in Rio die Silbermedaille.

Dazu ist sie siebenfache Europameisterin. 2013 gründete sie die Nicola Spirig Stiftung, die Kindern aus allen sozialen Schichten den Zugang zum Sport ermöglichen soll. Im Rahmen unserer Stay Healthy Kampagne führt sie regelmässig Lauftrainings mit unseren Mitarbeitenden durch. 


Nicola Spirig, wie überzeugen Sie Sportmuffel mit Joggen anzufangen?

Es kommt darauf an, warum sie Sportmuffel sind. Gewissen würde ich empfehlen, in einer Gruppe zu joggen, damit sie eine fixe Zeit und Trainingskollegen haben, welche die Überwindung einfacher und das Training kurzweiliger machen. Anderen würde ich erklären, dass Joggen für mich das absolut effizienteste und einfachste aller Trainings ist: man zieht die Schuhe an und läuft los, egal, ob von zu Hause, vom Arbeitsplatz oder auf Geschäftsreise. Nach 30min hat man schon ein gutes Training absolviert und für mich ist dies immer auch Zeit, den Kopf durchzulüften, an Problemen herumzustudieren und den Tag revue passieren zu lassen.

Joggen bringt also nicht nur etwas für Gesundheit und Fitness, es ist auch ein mentaler Ausgleich, kann eine soziale Komponente haben und macht einen wieder effizienter und aufnahmefähiger für Aufgaben danach. Es gibt also auch für Sportmuffel sehr viele Gründe, mit joggen anzufangen 

Was sollten Lauf-Neulinge beachten, bevor sie mit einem Lauftraining beginnen?

Wie bei allem braucht es Zeit, bis man wie ein Profi trainieren kann. Es lohnt sich also, zunächst sicher zu stellen, dass man gutes Schuhwerk hat und so Problemen vorbeugen kann. Und danach sollte man langsam beginnen, entweder mit einer sehr kurzen Joggingrunde in einem Tempo, bei dem man noch sprechen könnte, oder indem man jeweils abwechselnd zwei Minuten läuft und eine Minute spaziert. Nach und nach kann man Dauer und Intensität langsam steigern.

Fast von Anfang an kann man aber die Trainings interessant gestalten, z.B. indem man alle Hügel etwas intensiver läuft, es dann bergab wieder sehr gemütlich nimmt, oder indem man Intervalle wie vorher mit Laufen/Marschieren erwähnt, beibehält und z.B. fünf Minuten läuft, danach wieder zwei Minuten ganz locker. Solche Trainingseinheiten kann man fast auf jedem Niveau einbauen, da man das Tempo selbst bestimmen kann.

Bei allen Stärkeklassen gilt, dass es für Gesundheit und Fitness besser ist, mehrmals zu trainieren als einmal lange. Also lieber zwei- oder dreimal kurz als einmal lang.


Wie viele KPMGler haben Sie Jura studiert. Konnten Sie etwas aus dem Studium für Ihre Sportkarriere nutzen?

Ja definitiv. Zunächst konnte ich vom Sport für das Studium profitieren, weil ich im Sport gelernt habe, wie ich effizient auf ein Ziel hinarbeiten und meine Zeit einteilen muss und mir so das Lernen viel einfacher fiel. Zudem wusste ich aufgrund wichtiger Wettkämpfe auch mit Drucksituationen umzugehen, was mir meiner Meinung nach extrem dabei half, die Lizenziats-Prüfungen ohne Probleme zu bestehen. 

Danach habe ich im Sport von meinem Studium profitieren können, einerseits bezüglich meiner Sponsoringverträge und gewissen rechtlichen Situationen (der Schwedische Olympische Verband hat sich z.B. nach meinem knappen Sieg an den Olympischen Spielen in London ans Court of Arbitration for Sport gewandt und auf zwei Goldmedaillen plädiert, sowohl für die Schwedin Lisa Norden als auch für mich). Andererseits hat mir das abgeschlossene Studium auch generell die Sicherheit einer guten Ausbildung gegeben, so dass ich mich ein paar Jahre voll auf den Sport konzentrieren konnte mit dem Wissen, danach gute Chancen auf einen normalen Arbeitseinstieg zu haben. 

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Rückschläge sind nie das, was man sich auf dem Weg zu einem Ziel wünscht und sind oft schwierig zu akzeptieren. Ich versuche jedoch auch bei Rückschlägen positive Seiten zu finden. Manchmal gibt einem ein Rückschlag auch die nötige Zeit, innezuhalten und nachzudenken, neue Ansätze auszuprobieren und neue Sichtweisen einzunehmen.

Vor allem aber versuche ich mich in solchen Situationen immer darauf zu konzentrieren, wie ich trotzdem noch daran arbeiten kann, zu meinem Ziel zu kommen und nicht darauf, was alles nicht gut läuft oder in jenem Moment nicht geht. Auch kleine Schritte oder Umwege können zum Ziel führen, es braucht einfach Geduld und Durchhaltevermögen. 


Welches ist Ihr nächstes (sportliches oder persönliches) Ziel und was tun Sie, um dieses zu erreichen?

Mein grosses Ziel in dieser Saison war das «Sub8-Projekt» - der Versuch, einen Ironman unter idealen Bedingungen und mit Pacemakern in einer Rekordzeit unter acht Stunden zu absolvieren. Es war ein extrem spannendes Projekt mit neuen Komponenten wie der, ein Team aus Pacemakern zu suchen und mit ihnen eine perfekte Zusammenarbeit zusammenzustellen. Andrerseits war dies erst mein zweiter Ironman und daher auch bezüglich Ernährung während des Wettkampfs, Pacing etc. eine Herausforderung!

Die Vorbereitung war aufgrund eines Sturzes im Februar mit gebrochenem Schlüsselbein, gebrochenen Rippen und einem Loch in der Lunge alles andere als ideal. Wir haben aber wie immer akribisch geplant und alles dafür getan, dass ich anfangs Juni fit am Start stehen konnte.

Mit oftmals drei Trainingseinheiten pro Tag war der Aufwand wie immer sehr gross und die Vorbereitung intensiv, die Trainings dabei etwas anders als üblich auf den Ironman ausgerichtet. Wir haben auch spezifisch für diesen Event mit meinen Sponsoren neue Laufschuhe konzipiert, nach Tests einen neuen Schwimmanzug hergestellt und ein Ernährungskonzept erstellt. Mit einer Zeit von 7:34:22 Stunden waren wir erfolgreich und ich sehr zufrieden. Nun kommen einige weitere Rennen, bevor ich im Herbst meine Karriere beende und mich auf mehr Zeit mit der Familie freue. 

Haben Sie eine Lieblings Jogging-Route? Falls ja, was ist besonders daran?

Ich laufe am liebsten im Engadin, die Natur dort ist atemberaubend auf den vielen Naturwegen mit Blick auf Seen und Berge! Aber auch im Wald bei mir zu Hause gefällt es mir sehr gut. Ich geniesse es sehr, in der Natur zu laufen. 

Vielen Dank für das Gespräch – wir freuen uns auf Ihr nächstes KPMG-Lauftraining und wünschen Ihnen bis dann einen schönen und sportlichen Sommer und viel Erfolg für Ihre kommenden Rennen!


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