• Julia Kaub, Partner |

Der Themenbereich Nachhaltigkeit ist aus der öffentlichen und auch organisationsspezifischen Diskussion nicht mehr wegzudenken. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit im Kontext der Unternehmensberichterstattung genau – was steht schon fest, was ist noch zu regeln und welche Fristen gibt es? Die nachfolgenden Ausführungen sollen einen ersten Überblick geben.

Mit dem europäischen „Green Deal“ strebt die Europäische Kommission den Übergang zu einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft an. Damit einher geht das gesetzte Ziel, die Europäische Union bis zum Jahr 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu entwickeln. Für diesen Wandel sollen im Sinne einer nachhaltigen Kapitalallokation private Kapitalflüsse gezielt in umweltfreundliche Wirtschaftsaktivitäten gelenkt werden. Hierzu bedarf es einer vergleichbaren und transparenten Berichterstattung über Nachhaltigkeitsaspekte auf Unternehmensseite.

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) vom 21. April 2021 hat die Europäische Kommission einen Richtlinienentwurf vorgelegt, der die bisherige CSR-Berichterstattung (Richtlinie 2014/95/EU) weiterentwickelt.

Anwendungsbereich

Der Vorschlag der Europäischen Kommission sieht im Hinblick auf die berichtspflichtigen Unternehmen eine deutliche und stufenweise Ausweitung des Anwendungsbereiches ab dem Jahr 2024 vor, der unabhängig von einer etwaigen Kapitalmarktorientierung nun alle großen Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkten Personenhandelsgesellschaften in Deutschland umfasst. Ferner schließt der Anwendungsbereich der CSRD rechtsformunabhängig Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen mit ein. 

Nach Schätzung des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee e.V., Berlin (DRSC) erhöht sich die Anzahl der berichtspflichtigen Unternehmen in Deutschland von derzeit 500 auf ca. 15.000 Unternehmen. Nach ersten Erkenntnissen sind davon ca. 3.000 Unternehmen dem öffentlichen Sektor zuzuordnen.

Der Anwendungsbereich der CSRD kann sich unter Umständen jedoch auch auf jene öffentlichen Unternehmen erstrecken, die unabhängig von ihrer Rechtsform (z.B. Körperschaften des öffentlichen Rechts, Anstalten öffentlichen Rechts, Stiftungen, Vereine etc.) oder Größe nicht „unmittelbar“ in den Anwendungsbereich fallen, jedoch aufgrund von Regelungen in den Gesellschaftsverträgen bzw. Satzungen schon heute wie große Kapitalgesellschaften bilanzieren.

Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit

Die Anforderungen an die berichtspflichtigen Nachhaltigkeitsaspekte werden in der CSRD deutlich ausgeweitet und präzisiert. So sind im sog. Sustainability Statement (Nachhaltigkeitserklärung) sämtliche Informationen aufzuführen, die für das Verständnis der nachhaltigkeitsrelevanten Auswirkungen der Tätigkeiten des Unternehmens sowie der Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaspekten auf den Geschäftsverlauf, das Geschäftsergebnis und die Lage des Unternehmens erforderlich sind. Dies umfasst u.a. Informationen zur Widerstandsfähigkeit von Geschäftsmodell und Strategie des Unternehmens im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte sowie eine Beschreibung, wie das Geschäftsmodell und die Strategie den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft und der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Einklang mit dem Pariser Klimaziel beitragen. 

Neben den Environment (E), Social (S) und Governance (G) Faktoren sind zukünftig auch Aspekte der „Corporate Governance“ offenzulegen, beispielsweise die Rolle der Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorgane in Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte oder das politische Engagement des Unternehmens einschließlich seiner Lobbytätigkeiten. 

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung muss neben vergangenheitsbezogenen und zukunftsbezogenen Angaben auch qualitative und quantitative Angaben beinhalten. Der Prognosezeitraum soll dabei kurz-, mittel- und langfristig sein. 

Daneben ergeben sich für die betroffenen Unternehmen neue Berichtspflichten im Zusammenhang mit der EU-Taxonomie. Zukünftig ist der mit ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten verbundene Anteil an den Kennzahlen Umsatzerlöse, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben anzugeben. 

Offenlegung im Lagebericht und Prüfungspflicht

Eine wesentliche Neuerung stellt die zwingende Teilintegration des Sustainability Statements in den Lagebericht dar. Dies wird zu einer Veränderung der Unternehmensberichterstattung in Deutschland führen, in der die nichtfinanzielle Berichterstattung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Veröffentlichung des Sustainability Statements erfolgt zukünftig elektronisch in einem maschinenlesbaren Format. 

Damit einher geht auch die verpflichtende externe Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung durch einen Abschlussprüfer, die gemäß Richtlinienentwurf zunächst mit begrenzter Prüfungssicherheit („limited assurance“) erfolgen soll. 

Erstanwendung

Die erstmalige Anwendung der neuen Regelungen soll sich wie folgt gestalten:

  • ab dem 1. Januar 2024 für Unternehmen, die bereits der CSR-Richtlinie über die nichtfinanzielle Berichterstattung unterliegen (kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden);
  • ab dem 1. Januar 2025 für große Unternehmen, die derzeit nicht unter die Richtlinie über die nichtfinanzielle Berichterstattung fallen;
  • ab dem 1. Januar 2026 für börsennotierte kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU), kleine und nicht-komplexe Kreditinstitute und firmeneigene Versicherungsunternehmen.

Ausblick

Die CSRD wird die Unternehmensberichterstattung in Deutschland zukünftig maßgeblich verändern. Aufgrund des kurzen Zeitraumes bis zum Erstanwendungszeitpunkt kann es für die Unternehmen und Organisationen nur ratsam sein, sich mit den inhaltlichen und formellen Herausforderungen auseinanderzusetzen und die Auswirkungen auf ihr Unternehmen, auch im Hinblick auf die übergeordnete Strategie und Corporate Governance, zu validieren.