• Dr. Steffen Wagner, Partner |
  • Jürgen Kunz, Partner |

Highlights

  • Ressourcenknappheit, starke Preissteigerungen und strengere Umweltstandards führen dazu, dass auch Flughäfen nachhaltiger agieren müssen.

  • Dies entlastet nicht nur die Umwelt, sondern kann auch zu deutlichen Kosteneinsparungen führen.

  • Dabei spielen angrenzende Kommunen ebenfalls eine Rolle, etwa bei der Wiederverwertung.

Flughäfen sind für Umwelt und Klima eine Herausforderung. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen und Umweltstandards. Doch es gibt weitere Lösungsansätze, um sie nachhaltiger zu machen. Einige Betreiber setzen bereits auf alternative Rohstoffe, Energieeinsparungen und Recycling von Abfall  - und das Ziel einer Kreislaufwirtschaft (Circular Economy).

Zwar sind die Anfangsinvestitionen in Kreislaufwirtschaft hoch, doch liegen die Vorteile auf der Hand und dienen nicht nur dem Klimaschutz: Im Laufe der Zeit sinken Beschaffungs- und Transportkosten von neuen Materialien. Die Abhängigkeit von Dritten und Kosten für Energie und Entsorgung von Abfall sinken. Leih- und Sharingmodelle helfen den betreibenden Unternehmen, teure Investments über den gesamten Lebenszyklus der betreffenden Infrastruktur zu reduzieren.

Energie gewinnen und einsparen

Um unabhängiger von externen Energiequellen zu werden, können erneuerbare Energien vor Ort gewonnen und Maßnahmen zur Reduzierung des Stromverbrauchs umgesetzt werden. Das gelingt etwa mit Blockheizkraftwerken, die den Vorteil haben, dass neben Strom auch Wärme erzeugt wird und es eine große Auswahl an Energieträgern gibt. Auch Solarparks oder der Einsatz von LEDs auf dem gesamten Gelände spielen eine Rolle, wie diese Beispiele zeigen: 

Ein Flughafen in den Niederlanden etwa setzt auf „Licht als Dienstleistung“. Bei diesem Konzept kooperieren ein Hersteller von Leuchtmitteln und ein Energieversorgungskonzern als Eigentümer der betreffenden Lampen und Armaturen. Ist die Lebensdauer der Lampen abgelaufen, werden diese durch die Anbieter ausgetauscht und anschließend recycelt oder wiederverwendet. Ergebnis ist eine Verringerung des Energiebedarfs um 50 Prozent aufgrund energieeffizienter LED-Beleuchtung, die Verlängerung der Lebensdauer der Beleuchtung um 75 Prozent sowie die Reduzierung von Wartungskosten und Rohstoffverbrauch.

Ein finnischer Flughafen setzt auf Solarstromanlagen, die an der Außenwand eines neuen Parkhauses angebracht sind. Die fast 700 Panels gewinnen Strom für die Terminals des Flughafens und werden auch zum Laden von Elektroautos verwendet.

Bereits 2009 wurde in Schweden der größte Aquifer (Grundwasserleiter) der Welt an einem Flughafen eingeweiht und sorgt seitdem für eine gleichermaßen effiziente wie umweltschonende Beheizung und Kühlung der Flughafengebäude. Durch die Nutzung des Aquifers ist die jährliche Energieeinsparung des Flughafens so hoch wie der Jahresstromverbrauch von 2.000 Einfamilienhäusern.

Ressourcen schonen und recyceln

Das Thema Recycling und Ressourcenschonung spielt bei der Errichtung einer Kreislaufwirtschaft ebenfalls eine zentrale Rolle. Von großer Bedeutung ist hierbei, dass die spätere Verwendung von Ressourcen bei Planung und Bau frühzeitig berücksichtigt wird. Modularitätskonzepte etwa erlauben den Einsatz einzelner Komponenten zu einem späteren Zeitpunkt, vereinfachen Reparaturen sowie den Austausch einzelner Teile. Die genutzten Rohstoffe sollten möglichst langlebig und vielseitig verwendbar sein und eine Regenerationszeit von unter zehn Jahren aufweisen.

Interne Wasseraufbereitungsanlagen können kontaminiertes und verschmutztes Wasser reinigen und als Betriebswasser wiederverwenden. Dies schont externe Wasseraufbereitungsanlagen und dämmt die Umweltverschmutzung ein. Der entstehende Klärschlamm enthält wertvolle Nährstoffe und kann als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Für mehr Nachhaltigkeit: Essenreste werden zu Kompost, Speiseöle zu Treibstoff

Eine optimale Trennung und -sortierung von Abfall erlauben ein hohes Maß an Recycling. Mit Speiseresten kann mithilfe von Biovergärungsanlagen Wärme erzeugt werden. In Italien etwa wurde eine Selbstkompostierungsanlage in Betrieb genommen, um angefallene Lebensmittelabfälle weiter zu verwerten. Der daraus entstandene Kompost wird in den Grünanlagen als Bodenverbesserer verwendet. 

2021 starteten die ersten mit nachhaltigem Treibstoff betankten Flugzeuge, etwa in Großbritannien und den USA. Zu den verwendeten Rohstoffen zählen alte Speiseöle, tierische Fette, Reststoffe aus der Pflanzenölproduktion oder Pflanzenöle wie Palm- oder Rapsöl. Die Wartungsausrüstungen einiger Flughäfen werden bereits mit nachhaltigem Treibstoff betrieben.

Angrenzende Kommunen können mithelfen

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft spielen auch regionale Partner eine Rolle. An einem Flughafen in Belgien wird beispielsweise derzeit eine Machbarkeitsstudie für den Bau einer Biovergärungsanlage durchgeführt, in der organische Abfälle der Flughafengesellschaften und nach Möglichkeit auch der angrenzenden Kommunen energetisch verwertet werden können.

Außerdem können Kommunen der Region bei der Wiederverwendung von Material unterstützen. Das gilt insbesondere, wenn der Wert des Restmaterials gering ist und die Transportkosten zu hoch würden. So hat etwa Beton einen vergleichsweise geringen Wert, der keine längeren Transportwege rechtfertigt. Er sollte daher in der lokalen Umgebung recycelt werden. Für den Austausch zwischen Kommune und Flughafen sind Materialpässe von großer Bedeutung. Sie enthalten Informationen darüber, welche Materialien in Gebäuden verwendet werden, inklusive Daten zur Bauweise.

Langfristig kann die Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft also durchaus lohnenswert sein. Das betrifft nicht nur ökologische Fragen und das damit verbundene Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit, sondern gilt ebenso im Hinblick auf die ökonomischen Belange des eigenen Betriebs.