• Michael Pritzer, Partner |

Highlights

  • Jahres- und Konzernabschlüsse mit Stichtag 31.12.2021 müssen nicht neu aufgeschnürt werden.

  • Im Lagebericht muss zu den Auswirkungen des Kriegs auf die Geschäftstätigkeit sowie die Vermögens-, Finanz und Ertragslage Stellung genommen werden.

  • Bestehen bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit, ist darüber zu berichten.

In vielen Unternehmen wird derzeit analysiert, welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine sowie die beschlossenen Sanktionen auf das jeweilige Geschäftsmodell haben. Zur Analyse gehört etwa die Neustrukturierung der Lieferketten, da ukrainische und ggfs. russische Geschäftspartner ausfallen.

Unter Umständen ist ein Nachtragsbericht geboten

Konzerne sollten aber auch die Folgen für ihre Abschlüsse analysieren. Nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsprüfer (IDW) müssen die Abschlüsse für 2021 nicht erneut aufgemacht bzw. unter Berücksichtigung der Auswirkungen des Krieges geändert werden. Sowohl das Handelsgesetzbuch als auch die IFRS unterscheiden im Zeitraum zwischen Abschlussstichtag und Zeitpunkt der Bilanzaufstellung zwischen wertaufhellenden (adjusting) und wertbegründenden (non-adjusting) Ereignissen. Wertaufhellende Ereignisse sind noch bei der Erstellung des Jahresabschlusses zu berücksichtigen. Dabei geht es um Sachverhalte, die vor Ende des Geschäftsjahres bestanden, jedoch durch ein Ereignis nach dem Stichtag „erhellt“ werden. Bei wertbegründenden Vorgängen ist der Sachverhalt erst nach dem Abschlussstichtag eingetreten, somit ist er zum Stichtag 31.12.2021 nicht zu berücksichtigen.

In Zusammenhang mit dem Kriegsausbuch gilt für den handelsrechtlichen und den IFRS-Abschluss: Die unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen des Krieges sind als wertbegründend (non-adjusting) einzustufen, das bedeutet, eine Rückwirkung auf die Bilanzierung zum 31.12.2021 ist nicht geboten. Maßgebliches Ereignis ist der widerrechtliche Übertritt der Grenze bzw. des Luftraums durch das russische Militär am 24. Februar 2022.

Sofern der Kriegsausbruch für das Unternehmen jedoch von besonderer Bedeutung ist, ist im Anhang im sog. Nachtragsbericht über Art des Ereignisses sowie die finanziellen Auswirkungen des Ereignisses zu berichten. Dies gilt für Abschlüsse nach deutschem Handelsrecht wie auch für Konzernabschlüsse nach IFRS.

Fachlicher Hinweis vom Institut für Wirtschaftsprüfer

Für die wichtigsten Fragen zur Berücksichtigung des Krieges in HGB-Abschlüssen sowie Konzernabschlüssen nach IFRS hat das IDW einen fachlichen Hinweis veröffentlicht, der laufend aktualisiert wird – auch, um Hilfestellungen für die drängenden Fragen der Quartals- und Halbjahresfinanzberichterstattung zu geben. Dabei ergeben sich Wiedererkennungseffekte: viele der entwickelten Lösungen haben sich bereits im Zuge der Covid-19-Pandemie etabliert.

Berichtspflichten im Lagebericht

Auch wenn Auswirkungen des Ukraine-Krieges nicht in den Abschlüssen des abgelaufenen Geschäftsjahres abzubilden sind, ergeben sich doch für die Lageberichte bestimmte Berichtspflichten. Eine Prognose etwa sollte dann aktualisiert werden, wenn das Management aufgrund eingetretener Ereignisse – auch nach dem Stichtag - seine Erwartung ändert. Nach deutschem Rechnungslegungsstandard brauchen Unternehmen ausnahmsweise nur einfach-komparative Prognosen (statt Punkt-, Intervall- oder qualifiziert-komparativ) zu berichten, wenn aufgrund gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen außergewöhnlich hohe Unsicherheit besteht und daher die Prognosefähigkeit des Unternehmens wesentlich beeinträchtigt ist.

Statt einer Prognose je Leistungsindikator können auch mehrere Prognosen in Abhängigkeit unterschiedlicher Annahmen abgegeben werden (Szenarioanalyse). Dabei ist es je Prognose ausreichend, einfach-komparative Prognosen abzugeben. Der Grund für die Inanspruchnahme der Erleichterung muss dargestellt werden. Ein Verzicht auf die Prognoseberichterstattung ist unzulässig.

Wenn unklar ist, ob das Geschäft unter den aktuellen Rahmenbedingungen fortgeführt werden kann, müssen Unternehmen im Lagebericht über bestandsgefährdende Risiken berichten. Sofern einschlägig, sind die wichtigsten Ereignisse oder Gegebenheiten, die bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können, und die Pläne zum Umgang mit diesen Ereignissen oder Gegebenheiten, zu erläutern.

Kurzumfrage zur Betroffenheit von Unternehmen

>>> Welche Auswirkungen erwarten Sie für Ihr Unternehmen durch den Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland? Auf diese Frage und mehr gehen wir in unserer Kurzumfrage zu den Auswirkungen des russischen Angriffskrieges ein. Wir freuen uns über Ihre Teilnahme. Selbstverständlich werden Ihre Antworten anonym behandelt. Die Ergebnisse werden auf unserer Internetseite und unseren Social-Media-Kanälen veröffentlicht. Hier geht's direkt zur Umfrage. <<<