• Carmen Egermann, Senior Manager |

Highlights

  • Mit dem Fondsstandortgesetz wird der steuerliche Freibetrag für bestimmte Vermögensbeteiligungen von 360 Euro auf 1.440 Euro jährlich deutlich erhöht.

  • Für die Beteiligung an Start-ups wird ein Besteuerungsaufschub gewährt.

  • Die neuen Regelungen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer größeren Attraktivität von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen.

Die Beteiligung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am eigenen Unternehmen ist ein wichtiges Instrument, um diese langfristig zu halten. Daher ist es von großer Bedeutung, dass entsprechende Programme weiter staatlich gefördert werden. 

Genau das geschieht jetzt mit dem "Gesetz zur Stärkung des Fondsstandorts Deutschland und zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/1160 zur Änderung der Richtlinien 2009/65/EG und 2011/61/EU im Hinblick auf den grenzüberschreitenden Vertrieb von Organismen für gemeinsame Anlagen", dem sogenannten Fondsstandortgesetz. Der steuerliche Freibetrag im Sinne des § 3 Nr. 39 EStG für bestimmte Vermögensbeteiligungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde von 360 Euro auf 1.440 Euro jährlich erhöht. Damit wird die bisherige Steuerbefreiung deutlich ausgeweitet. Zusätzlich enthält das Fondsstandortgesetz auch einen neuen Besteuerungsaufschub bei Beteiligungen an jungen Unternehmen (Start-ups).

Der Gesetzgeber hält damit erfreulicherweise weiterhin an der Stärkung der Attraktivität von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen und der damit verbundenen langfristigen Beteiligung von Beschäftigten am Unternehmen fest.

Die Anhebung des Freibetrag sorgt auch dafür, im Vergleich mit anderen EU-Mitgliedstaaten endlich ein interessantes Niveau zu erreichen  - für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ebenso wie für Arbeitgeber:innen. Allerdings müssen interessierte Unternehmen auch einiges beachten. Es bestehen beispielsweise weiterhin strenge Erfordernisse wie das Angebot der Beteiligung an alle Beschäftigten. Diese müssen bei Einführung eines Mitarbeiterkapitalbeteiligungsplans nach wie vor mit Sorgfalt und fachlichem Know-how geprüft werden. 

Sonderfall junge Unternehmen (Start-ups)

Flankiert wird die Erhöhung des steuerlichen Freibetrags durch die Einführung des neuen § 19a EStG. Dieser sieht unter sehr engen Voraussetzungen vor, dass die Übertragung bestimmter Mitarbeiterkapitalbeteiligungen bei jungen Unternehmen unter einer bestimmten Größe (Start-ups) zunächst nicht besteuert werden. Die ausschließliche Anwendung auf Start-ups ergibt sich im neuen § 19a EStG daraus, dass die Vorschrift nur für Unternehmen von maximal mittlerer Größe in Betracht kommt (weniger als 250 Beschäftigte sowie entweder weniger als 50 Mio. Euro Umsatzerlös oder weniger als  43 Mio. Euro Bilanzsumme), bei denen zusätzlich zum Größenerfordernis die Gründung weniger als zwölf Jahre zurück liegt. Die Besteuerung wird nachgeholt, wenn das Unternehmen beispielsweise verkauft wird oder bei einem ähnlichen Vorgang. Die Besteuerung findet in diesen Fällen spätestens zwölf Jahre nach der Übertragung statt. 

Fazit:

Mitarbeiterkapitalbeteiligungen sind ein wichtiger Baustein zur langfristigen Bindung von Beschäftigten an das Unternehmen. Das Fondsstandortgesetz schafft hierbei durch die Anhebung des steuerlichen Freibetrags wichtige Anreize. Die praktische Anwendung des § 19 EStG wird in den kommenden Jahren sicherlich eine enge Abstimmung mit den Finanzbehörden erforderlich machen  - insbesondere, um nicht im Nachhinein im Rahmen von Lohnsteueraußenprüfungen eine vermutlich erfolglose Diskussion mit dem Finanzamt zu riskieren.

Mit unserem interdisziplinären Team unterstützen wir Sie zusammen mit unseren Kolleginnen und Kollegen von KPMG Law gerne bei der Auswahl des richtigen Mitarbeiterbeteiligungsinstruments sowie der Einführung und Umsetzung in Ihrem Unternehmen.