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Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte

Ariane Holzschuh

KPMG ist so vielfältig wie unsere Kolleginnen und Kollegen. Das zeigen wir in einem Interview. Ariane Holzschuh berichtet, wie es ist, plötzlich eine Schwerbehinderung zu haben.

 

Wer mit Ariane Holzschuh telefoniert, spricht mit einer fröhlichen, selbstbewussten und engagierten Kollegin. Ihre positive Lebenseinstellung ist nicht selbstverständlich, wenn man von ihrem Schicksal hört. Seit 17 Jahren arbeitet sie als Assistentin im Bereich Deal Advisory Valuation und zudem seit 6 Jahren auch als Bewerbungskoordination für Valuation Deutschland. Seit fast sechs Jahren vertritt sie zudem die Belange der Schwerbehinderten an unserem Standort in Hamburg. Wie es dazu kam, hat mit ihrer eigenen Erfahrung zu tun.

KPMG: Was ist deine Geschichte? Welche Beeinträchtigung hast du?

Ariane Holzschuh: Meine Behinderung ist nicht angeboren, sondern fing mit einer vermeintlichen Lappalie an. Ich war ständig müde, habe mich durch die Arbeitstage kämpfen müssen und dann irgendwann einen Arzt aufgesucht, der eine Schilddrüsenerkrankung, das so genannte Hashimoto Syndrom, bei mir feststellte. Dabei blieb es dann aber leider nicht und weitere Diagnosen folgten.

KPMG: Welche Diagnosen hast du noch erhalten?

Ariane Holzschuh: Ein Tumor an der Hypophyse und Systemischer Lupus Erythematodes – kurz SLE wurden ebenfalls festgestellt. Die Autoimmunerkrankung schlummerte vermutlich schon viele Jahre in meinem Körper, brach aber erst jetzt mit voller Härte aus. Dass der Lupus diagnostiziert und behandelt wurde, hat zwar erst einmal zu einer Verbesserung geführt. Dann wurden die Symptome aber wieder schlimmer. Niemand wusste, was genau in meinem Körper passierte und schließlich landete ich mit multiplem Organversagen auf der Intensivstation. Wenige Tage nach der Einlieferung bin ich dann aufgrund des Lupus auch noch auf einem Auge erblindet. Es hat lange gedauert, bis ich wieder stabil war und die einzige Therapie, die mir helfen konnte, war eine Chemotherapie. Seitdem bin ich dauerhaft auf sehr starke Medikamente und regelmäßige Chemotherapie angewiesen.

KPMG: Das klingt nach einer harten Zeit. Wie hast du diese erlebt?

Ariane Holzschuh: Ja, die Zeit war wirklich heftig, und ich war im freien Fall. Relativ schnell habe ich das Schicksal aber angenommen und mein Leben neu organisiert. Ich wollte so schnell wie möglich mein Leben zurückhaben und wieder selbstständig sein. Das ist mir auch sehr gut gelungen. Als ich dann aber meinen Schwerbehindertenausweis in der Hand hielt, musste ich das doch erstmal verdauen. Doch dann habe ich akzeptiert, dass die Behinderung nun ein Teil von mir ist, aber nicht ich die Schwerbehinderung bin. Das hat mir geholfen. Eine Schwerbehinderung ist kein Makel, es ist ein Schicksalsschlag – auch das muss emotional erstmal verarbeitet werden. Es kann jeden Menschen treffen und man muss seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen. Ich habe für mich entschieden, dass mich die Behinderung nicht definieren darf. Es ist ein anderes Leben als früher, aber auch dieses Leben will gelebt werden.

KPMG: Welche Unterstützung hast du von KPMG erfahren?

Ariane Holzschuh: Ich habe großes Glück, dass ich einen Chef habe, der mich von Anfang an unterstützt hat und mir großes Verständnis entgegengebracht hat. Er hat mich gefragt, wie er und KPMG mir am besten helfen können. Ich konnte zum Beispiel Home Working machen, als das im Unternehmen noch nicht üblich war. Ich habe auch einen weiteren Laptop für zu Hause bekommen.

KPMG: Wie hast du deine Einschränkung innerhalb deines Teams kommuniziert?

Ariane Holzschuh: Wir arbeiten im Bereich Valuation sehr eng als Team zusammen. Deshalb wollte ich direkt Gerüchten oder Mutmaßungen vorbeugen. Als ich wieder ins Team zurückkam, bin ich direkt, offen und ehrlich mit allem umgegangen und habe erklärt, was los ist und dass es sein kann, dass ich öfter ausfalle oder von zu Hause arbeite. Das Team hat super reagiert, ich habe viel Verständnis und Empathie entgegengebracht bekommen. Neuen Kolleginnen und Kollegen teile ich das jetzt aber nicht mehr mit, außer ich werde direkt darauf angesprochen. Das ist mir sowieso am liebsten: Fragen stellen und keine Mutmaßungen anstellen.

KPMG: Gab es auch negative Erfahrungen? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen?

Ariane Holzschuh: Einige Kolleginnen hatten mal ein Thema damit, dass ich Home Working machen durfte. Damals war das ja noch nicht so üblich und deswegen rief es teilweise Unverständnis hervor. Da habe ich das offene Gespräch gesucht und erklärt, dass ich häufig aufgrund der Chemotherapie von zu Hause arbeiten muss. Oft reagieren Menschen aus Unwissenheit unfair, da hilft der Dialog.

KPMG: Was ist dir persönlich noch wichtig bei dem Thema Inklusion?

Ariane Holzschuh: Das Thema nimmt zwar Raum in der öffentlichen Wahrnehmung ein – trotzdem glaube ich, dass es Menschen schwer fällt, ihre Behinderung zum Beispiel in die Bewerbung zu schreiben oder offen damit im Arbeitsalltag umzugehen. Die Gründe sind vielfältig, aber ein Grund ist sicherlich die Befürchtung, als nicht so leistungsfähig gesehen zu werden. Mir ist ganz wichtig, Vorurteile und Barrieren in den Köpfen abzubauen. In meiner Rolle als Schwerbehindertenvertretung bekomme ich viele Befürchtungen von Menschen mit Behinderung mit. Ich sage dann immer, dass man für eine Behinderung nichts kann und sie wirklich jeden Menschen treffen kann. Dafür braucht sich niemand zu schämen. Wir vermuten auch, dass die Dunkelziffer der Kolleginnen und Kollegen die einen Schwerbehindertenausweis haben, dies aber nicht melden, sehr hoch ist. Ich wünsche mir, dass man als Mensch mit Behinderung bei KPMG keine Angst vor der offenen Kommunikation haben muss. Daran arbeite ich auch mit den Kolleginnen und Kollegen der Schwerbehindertenvertretung an den anderen Standorten. Aktuell beschäftigt mich auch der Bau unserer neuen Niederlassung in Hamburg. Das Thema Barrierefreiheit muss noch mehr Gewicht bekommen und geht uns alle an.