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Nachhaltigkeit ist zu einem elementaren Ziel der Wirtschaft geworden. Angetrieben zum einen von vielfältigen regulatorischen Vorgaben wie dem Pariser Klimaabkommen, den COP-Initiativen und dem deutschen Klimaschutzgesetz sowie den Ansprüchen von Kunden und Investoren verändert sich das Marktumfeld für Unternehmen rasant. Das Ziel ist klar: Die Klimaerwärmung muss begrenzt werden, die Treibhausgas-Emissionen sinken.

Mit unserer Faktenseite „Nachhaltigkeit in Zahlen“ sehen Sie auf einen Blick, welche Parameter gerade gelten. Wie viel kostet Strom? Wie hoch ist der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland? Zu welchem Preis werden gerade CO2-Zertifikate gehandelt?

Strompreis

Strompreise -128,37 Euro/MWh im Durchschnitt

Der Großhandelspreis für Strom befindet sich in Deutschland bereits seit einigen Monaten auf einem stetigen Wachstum. Im September 2021 erreichte der gehandelte Stundenkontrakt mit 237,01 Euro/MW den höchsten deutschen Großhandelsstrompreis seit Einführung des Marktgebietes Deutschland/Luxemburg. Im Durchschnitt lag der Preis im September 2021 bei 128,37 Euro/MWh und damit beinahe drei Mal so hoch wie im September des Vorjahres (43,69 Euro/MWh).

Gründe für hohe Strompreise

Insgesamt liegt der Grund für die höheren Preise, wie bereits in den vergangenen Monaten, einerseits in dem geringen Erzeugungsbetrag der erneuerbaren Energien und andererseits in den hohen Erzeugungskosten der konventionellen Kraftwerke. Sie umfassen insbesondere die Kosten für Brennstoffe und CO2-Zertifikate, die beide weiterhin hoch sind und einen großen Einfluss auf den Großhandelsstrompreis haben.

Höhere CO2-Zertifikatspreise können und sollen auf dem Strommarkt dafür sorgen, dass sich der Strom aus fossilen Energieträgern, insbesondere aus Braun- und Steinkohle, zunehmend verteuert und in Folge dessen die Stromproduktion daraus weniger rentabel wird. Dementsprechend sollen sie einen Anreiz für einen Umstieg auf klimafreundlichere Alternativen schaffen. Gaskraftwerke beispielsweise, welche weniger CO2 als Kohlekraftwerke emittieren, haben entsprechend geringere CO2-Kosten.

Ziel dabei ist es, zu erreichen, dass die Gaskraftwerke die Position der Steinkohlekraftwerke einnehmen und damit die preissetzenden Kraftwerke auf dem Großhandelsmarkt werden, ein sogenannter „Fuel Switch“. Momentan verzeichnet sich jedoch ein umgekehrter Effekt ab. Durch die aktuell höheren Gaspreise ist die Rentabilität der Gaskraftwerke gesunken und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Steinkohle-Kraftwerke, trotz hoher Kosten für CO2-Zertifikate, gestiegen. Der Kostenvorteil bei den CO2-Zertifikaten wurde von den höheren Gaskosten überlagert. Dies führte zu einer steigenden Erzeugung aus Stein- und Braunkohle, damit zu höheren CO2-Zertifikatspreisen und folglich zu höheren Strompreisen. Im Durchschnitt des vergangenen Jahres kostete ein Zertifikat knapp 25 Euro, im Januar stieg der Preis auf über 33 Euro und kletterte im Juni auf mehr als 52 Euro. Im September 2021 steht er bereits bei 63 Euro, Tendenz weiter steigend.

Hinzu kommt, dass, nachdem der Stromverbrauch im Zuge der Corona-Pandemie zeitweise weltweit gesunken war, er sich jetzt wieder zum vorherigen Niveau entwickelt. Die zunehmende Elektrifizierung, die auf dem Weg zur Klimaneutralität eine wichtige Rolle spielt, trägt zudem zu einem steigenden Strombedarf und folglich zu einer steigenden Stromnachfrage bei. Dieser steigende Strombedarf bewirkt wiederum eine höhere Nachfrage der Brennstoffe. Insbesondere die oben genannte höhere Erzeugung aus Steinkohle erhöht wiederum die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten und in der Folge auch deren Preis. Diese Faktoren beeinflussen den Großhandelsstrompreis und führen in Summe zu den derzeit höheren Preisen.

Stromerzeugung – 40,5TWh Stromverbrauch 39,2TWh

Die gesamte Stromerzeugung betrug im September 40,5 TWh. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (38,3 TWh) ist dies ein Anstieg um rund 3 Prozent. Dabei war die Erzeugung durch erneuerbare Energien um 4,4 Prozent geringer und jene aus konventionellen Energieträgern um rund 8 Prozent höher. Der Anteil Erneuerbarer an der Gesamterzeugung betrug 36,9 Prozent.

Der Stromverbrauch betrug in diesem Monat 39,2 TWh. Damit liegt er um 1,1 Prozent höher als im September 2020 (38,8 TWh).

Strompreis

Konventionelle Erzeugung

Bei der konventionellen Erzeugung, zu denen Stein- und Braunkohle, Erdgas, Kernenergie, Pumpspeicher und sonstige konventionelle Energieträger gehören, war insbesondere die Erzeugung aus Steinkohle höher. Im Vergleich zum September 2020 wurde ein um 58,2 Prozent höherer Wert verzeichnet. Die Stromerzeugung aus Braunkohle war um 10,7 Prozent höher, die aus sonstigen Konventionellen um 16,7 Prozent und aus Kernenergie um 3,1 Prozent. Deutlich geringer war hingegen die Erzeugung durch Erdgas (-32,4 Prozent) und die durch Pumpspeicher (-11,3 Prozent).

Die Stromerzeugung durch den Einsatz von Kohle in Deutschland soll schrittweise bis spätestens zum Ablauf des Kalenderjahres 2038 beendet werden. Dies wurde am 3. Juli 2020 mit der Verabschiedung des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes (KVBG) im Bundestag und Bundesrat beschlossen. Bis Ende des Jahres 2022 wird die Kohleverstromung mit Steinkohle- und Braunkohleanlagen von den rund 40 Gigawatt (GW) Kohlekraftwerksleistung im Jahr 2020 auf jeweils 15 Gigawatt verbleibende Leistung reduziert. Bis Ende des Jahres 2030 sind weitere Reduktionen auf eine Leistung von acht Gigawatt bei den Steinkohleanlagen und neun Gigawatt bei den Braunkohleanlagen vorgesehen. Dieser Prozess setzt sich fort, bis schließlich im Jahr 2038 keine Stromerzeugung aus Steinkohle- und Braunkohleanlagen mehr erfolgt.

Erzeugung aus erneuerbaren Energien

Bei den erneuerbaren Energien werden in Deutschland Wind-Onshore-Anlagen, Wind-Offshore-Anlagen, Photovoltaikanlagen, Biomasseanlagen, Wasserkraftwerke und sonstige Erneuerbare genutzt. Windkraft, Photovoltaik und Biomasse machen den größten Teil des ins Stromnetz eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energieträgern aus. Im 1. Halbjahr 2021 stammten 22,1 Prozent des insgesamt eingespeisten Stroms aus Windkraft, 9,4 Prozent aus Photovoltaik und 5,9 Prozent aus Biogas. Insgesamt stammten 44,0 Prozent des eingespeisten Stroms in diesem Zeitraum aus erneuerbaren Energieträgern. Im Gegensatz zu anderen Technologien wie Biomasse- und Wasserkraftanlagen, wo die Stromerzeugung konstant auf demselben Level bleibt, ist der Nutzungsgrad bei Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen angesichts der wechselnden Wetterverhältnisse starken Schwankungen unterzogen. So wurde im September 2021 mit einem Maximum von 25,8 GWh durch Wind-Onshore-Anlagen an einem Tag produziert, was knapp 50 Prozent des an dem Tag insgesamt aus Erneuerbaren produzierten Stroms ausmachte. Nur zwei Tage später betrug der Anteil der Wind-Onshore-Anlagen lediglich knapp 17 Prozent.

Neben anderen Maßnahmen wie den CO2-Zertifikaten und dem CO2-Preis als Anreiz für den Umstieg auf klimafreundliche Energien, wurde im Jahr 2000 das Erneuerbaren-Energien-Gesetzt (EEG) als Instrument für die Förderung von Strom aus regenerativen Quellen eingeführt. Ziel ist es, dass im Jahr 2030 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus EE stammen. Vor dem Jahr 2050 soll der gesamte Strom, der in Deutschland erzeugt oder verbraucht wird, treibhausgasneutral erzeugt werden. Teil dieses Gesetzes ist zudem die EEG-Umlage, mit der der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert wird. Betreiber von Erneuerbare Energien-Anlagen, die Strom in das Netz der öffentlichen Versorgung einspeisen, erhalten dafür eine festgelegte Vergütung. Diese lag 2021 bei 6,500 ct/kWh und wird ab Januar 2022 auf 3,723 ct/kWh abgesenkt. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die EEG-Umlage um 43 Prozent.

Versteigerung von Emissionsberechtigungen

Die deutschen Auktionen werden wöchentlich am Spot-Markt der Europäischen Energiebörse EEX (European Energy Exchange) durchgeführt. Entsprechend der Vorgaben aus der EU-Auktionsverordnung wurde im August mit rund 1,3 Millionen Emissionsberechtigungen (EUA) jeweils nur die Hälfte der regulären Auktionsmengen pro Termin versteigert. Bei der Auktion am 10. September wurde mit 61,85 Euro der höchste Preis seit Beginn der deutschen Versteigerungen im Jahr 2010 erzielt. Zudem wurde im dritten Quartal 2021 der höchste Quartalserlös seit Beginn der Verkäufe/Versteigerungen im Jahr 2008 erzielt.

Emissionsberechtigungen

60,99€ Durchschnittserlös pro Berechtigung im September 2021

Emissionsberechtigungen, auch Zertifikate oder EU-Allowances (EUA) genannt, sind seit 2005 innerhalb der am Emissionshandel teilnehmenden Staaten handelbar. Eine EUA berechtigt zur Emission von einer Tonne CO2 (Kohlendioxid) oder einem CO2-Äquivalent (CO2e) in einem bestimmten Zeitraum.

Monatlicher Heizölpreis -72,4ct

Im September 2021 betrug der durchschnittliche Verbraucherpreis (inklusive Mehrwertsteuer) für einen Liter leichtes Heizöl rund 72,4 Cent. Dieser Preis in Deutschland ist seit dem Jahr 2020 saisonalen Schwankungen unterworfen.

Die Entwicklung der Heizölpreise ist zwar abhängig von der Rohölpreisentwicklung, unterscheidet sich länderübergreifend zum Teil jedoch erheblich. Dies ist unter anderem auf die Zusammensetzung der Verbraucherpreise für Heizöl zurückzuführen. Der Verbraucherpreis für leichtes Heizöl setzt sich aus Produktpreis, Mehrwert- und Mineralölsteuer sowie dem Deckungsbeitrag zusammen. Die jeweilige Besteuerung variiert in den verschiedenen Ländern. In Deutschland besteht zudem ein Nord/Süd-Preisgefälle.

Strompreis

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