Agilität als konzeptionelle Grundlage für moderne Arbeitsweisen hilft Teams und Organisationen dabei, flexibel und effizient auf sich ändernde Rahmenbedingungen und (Kunden-)Anforderungen zu reagieren. Denn sie gibt Antworten auf zentrale Fragen, mit denen sich klassische Projektmanagementmethoden schwertun. Diese Antworten lassen sich auch auf die Herausforderungen, denen die Interne Revision gegenübersteht, übertragen.

Revisionsplanung

Sich wandelnde Forecasts haben sich im Controlling vielfach als Steuerungswerkzeug gegenüber starren Budgets und Soll-Ist Vergleichen durchgesetzt. Vor diesem Hintergrund erscheint es angemessen, dass auch die Interne Revision darüber nachdenkt, ob eine jährliche Revisionsplanung noch einem dynamischen Umfeld gerecht wird. Der Prozess der risikoorientierten Revisionsplanung, das heißt, die strukturierte Analyse von Risikofeldern, möglichen Schwachstellen und verfügbaren Ressourcen ist zwar nach wie vor ein wichtiges Mittel der Koordination und Kommunikation zwischen den Stakeholdern der Internen Revision, dennoch ist der Output dieses Prozesses, namentlich der Revisionsplan als solcher, mit eingebautem "Puffer" für Ad-hoc-Themen bedarfsorientiert und muss stetig angepasst werden. So sollte eine aufwendige und starre Planung zugunsten einer stetigen und flexiblen  Abstimmung relevanter Themenbereiche in den Hintergrund rücken. Ähnliches gilt für die Planung und Durchführung einzelner Prüfungen.

Revisionsberichte

Grundsätzlich sollte die nachhaltige Verbesserung der ersten Verteidigungslinie mit ihren organisatorischen und prozessualen Maßnahmen zur Steuerung von Risiken, das Ziel jeder Organisation sein. Hierzu ist eine Prüfung durch die Revision nicht in jedem Fall der geeignete Ansatz. Ein Grund dafür ist, dass die Revision einen aufwendigen, feststellungsorientierten Prozess zwischenzeitlich identifizierter Lösungen zu einem formellen Abschluss  regelmäßig in Berichtsform bringt. Eine agile Herangehensweise sucht im Gegensatz dazu nach Möglichkeiten, gemeinsam mit dem betroffenen Fachbereich, Schwachstellen unbürokratisch zu identifizieren und geeignete Maßnahmen bedarfsorientiert und vor allem zügig umzusetzen. Ein denkbarer Ansatz für die Revision wäre hier einen kurzen "Readiness Check" vorauszuschalten, um eventuell Prüfungshandlungen nach Maßgabe der dabei gewonnenen Erkenntnisse gar nicht erst zu initiieren. Prüfberichte könnten so regelmäßig nach Behebung von identifizierten Schwachstellen ohne wesentliche Feststellungen im Interesse einer wirksamen ersten Verteidigungslinie erstellt werden.  

Revisionsteams

Agile Ansätze setzen bewusst auf autonome, interdisziplinäre Teams als wesentliche Treiber für Veränderungen und optimierte Ergebnisse. Unter Berücksichtigung der bereits erwähnten Bedeutung einer Verbesserung der ersten Verteidigungslinie wirft dies Fragen zur Zusammensetzung von Prüfungsteams auf. So erscheint es sinnvoll, im Rahmen der Readiness Check-Phase und der anschließende Umsetzung von Maßnahmen, auf agile Teams zu setzen, deren Mitglieder sich aus den betroffenen Fachbereichen, der Revision und eventuell aus weiteren Fachbereichen zusammensetzen. Ein zielorientiertes Arbeiten in zeitlich begrenzten Intervallen, wie es beispielsweise bei Scrum zum Einsatz kommt, verspricht dabei nicht nur effizientes Arbeiten und effektive Ergebnisse, sondern auch ein positives Arbeitsumfeld. Destruktivem "Fingerpointing" oder auferzwungenen  Empfehlungen kann so entgegengewirkt werden. 

Revisionsarbeit

Das agile Arbeiten - beispielsweise nach Maßgabe von Scrum - zielt darauf ab, die eigenen Arbeitsergebnisse und -weisen stetig kritisch zu hinterfragen und mit gegebenen Anforderungen abzugleichen. Die Organisation soll so in der Lage sein, Fehler frühzeitig zu erkennen, kontinuierlich zu lernen und Veränderungen schnell umzusetzen. Anspruch der Internen Revision sollte es daher sein, nicht nur die Organisation insgesamt zu befähigen, aus Fehlern und Schwachstellen rasch die notwendigen Schlüsse zu ziehen, sondern diese Denkweise auch für die eigene Arbeitsweise zu übernehmen. 

Fazit

Die interne Revision ist heute einerseits gezwungen, sich der zunehmende Volatilität des Prüfungsgegenstands und -umfelds anzupassen, andererseits steht sie unter dem wachsenden Druck sich der Effektivitäts- und Effizienzvorteile, die sich aus agilen Denkweisen ergeben, für die eigene Arbeitsweise anzunehmen. Wer sich dieser Entwicklung verschließt, verpasst nicht nur die Chance, sich im Unternehmen neu zu positionieren, er läuft auch Gefahr, zunehmend an Relevanz zu verlieren. Die Agile Revision bietet die Möglichkeit, an Relevanz im Unternehmen zu gewinnen und den Ansprüchen der Stakeholder noch besser gerecht zu werden.