Familienunternehmen verfügen in besonderem Maße über die Fähigkeit, sich über Generationen hinweg immer wieder an wandelnde Bedingungen anzupassen, sich proaktiv neu auszurichten, innovativ zu sein und dabei erfolgreich zu wachsen. Dadurch sind sie besonders resilient und schaffen langfristige Werte. Hierbei sind drei Schlüsselfaktoren wichtig: eine generationsübergreifende unternehmerische Ausrichtung, die tief verwurzelten emotionalen Verbindungen der Familie zu ihrem Unternehmen und ein inspirierender Führungsstil.

Dies ist das Kernergebnis einer neuen Studie, die die globale Organisation KPMG Private Enterprise gemeinsam mit dem STEP Project Global Consortium durchgeführt hat. Im STEP Project erforschen Wissenschaftler:innen weltweit gemeinsam die unternehmerische Praxis von Familienunternehmen. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie in der englischsprachigen Publikation „The regenerative power of family businesses  - Transgenerational entrepreneurship“

Für die Studie wurden mehr als 2.400 CEOs und Führungskräfte von Familienunternehmen aus 70 Ländern weltweit befragt. Die Befragten stammen aus ganz unterschiedlichen Generationen  - von der vor 1945 geborenen „Silent Generation“ bis hin zu Unternehmenslenkern aus der Generation der Millennials. Sie vertreten als Gründer die erste Generation ebenso wie Familienunternehmen, die teils schon seit fünf Generationen und mehr existieren. 

Detaillierte Informationen zu den Studienergebnissen deutscher Familienunternehmen im internationalen Vergleich, sind dem ebenfalls zum Download erhältlichen Country Benchmarking zu entnehmen.

Faktoren erfolgreicher Familienunternehmen

Die Studie bietet tiefere Einblicke in die Faktoren, die für die regenerative Kraft von Familienunternehmen entscheidend sind:

1. Unternehmerische Ausrichtung: Den Unternehmergeist des Gründers über Generationen hinweg aufrechtzuerhalten, trägt entscheidend zu einem nachhaltig innovativen Mindset in Familienunternehmen bei. Dies bildet die Basis für Resilienz, das Antizipieren künftiger Bedürfnisse des Marktes und ein proaktives Handeln etwa hinsichtlich der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. 

2. Sozio-emotionales Kapital: Der emotionale Wert, den die Inhaberfamilien aus ihrer Eigenschaft als Unternehmenseigentümer und Firmenlenker ziehen, leistet einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg. Die Identifikation der Familie mit dem Unternehmen und deren Handlungsimpulse für das Familienunternehmen erlauben schnelle Entscheidungen und erhöhen die Agilität. 

3. Motivierende Führung: Ein transformativer oder charismatischer Führungsstil, der Mitarbeitende zu großem Engagement und einer kontinuierlichen Weiterentwicklung inspiriert, unterstützt die Innovationskultur im Unternehmen und damit auch dessen regenerative Kraft.

Die Relevanz der vorgenannten Faktoren ergibt sich aus der komplexen Formel zur Messung des nachhaltigen und generationsübergreifenden Erfolgs von Familienunternehmen (siehe Seite 22 der Publikation). Diese umfasst neben der finanziellen Performance auch unternehmerische Chancen sowie soziale und familienbezogene nicht-finanzielle Indikatoren. Dazu zählen die langfristige Kundenloyalität und das Ansehen des Familiennamens, die gesellschaftliche Wirkung, interne soziale Aspekte wie die Diversität im Unternehmen sowie eine gelungene Nachfolge.

Die Erfolgsfaktoren über Generationen hinweg stärken

Die unternehmerische Ausrichtung ist insbesondere im Hinblick auf den generationsübergreifenden Ansatz von Familienunternehmen essenziell. In vielen der Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, gehen potenzielle Unternehmernachfolger:innen aus der nächsten Generation zunächst eigene Wege, ehe sie in das Familienunternehmen zurückkehren. Vielfach nutzen sie Investitionen aus dem Familienvermögen als Chance, um unternehmerische Erfahrung zu sammeln, Risiken einzugehen und eigene unternehmerische Entscheidungen zu treffen.

Diese Lernschritte spielen eine wichtige Rolle für den langfristigen Erfolg von Familienunternehmen. Sie tragen dazu bei, den unternehmerischen Geist im Familienunternehmen über Generationen hinweg zu bewahren und zu stärken. Es zeigt sich, dass Familienmitglieder der nächsten Generation oft weniger risikoavers sind als ihre Vorgängergeneration. Dies kann entscheidend dazu beitragen, den Einsatz neuer Technologien im Unternehmen zu beschleunigen, um beispielsweise auf sich ändernde Bedürfnisse im Markt zu reagieren.

Gleichsam wichtig für den nachhaltigen Erfolg von Familienunternehmen ist es, das sozio-emotionale Kapital über Generationen hinweg zu pflegen und zu festigen. Der Generationenübergang bildet ein Risiko für einen Identifikationsverlust und eine Schwächung der Motivation des wichtigen unternehmerischen Engagements der Familie. Daher ist es besonders in der Nachfolgephase wichtig, auch die emotionale Bindung zum Familienunternehmen weiterzugeben, Wachstumschancen aufzuzeigen und somit die Loyalität der nächsten Generation zum Unternehmen zu stärken.

Vier Typen von Familienunternehmen

Anhand der herausgestellten Erfolgsfaktoren „unternehmerische Ausrichtung“ und „sozio-emotionales Kapital“ lassen sich nach den Erkenntnissen aus der Studie vier Typen von Familienunternehmen ausmachen: 

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Familienunternehmen mit einer starken unternehmerischen Ausrichtung und hohem sozio-emotionalem Kapital zeigen die im Vergleich beste wirtschaftliche Performance und zeichnen sich durch ein starkes Engagement für fortlaufende Innovation und einen inspirierenden Führungsstil aus. Sie weisen ebenfalls den höchsten Digitalisierungsgrad auf.

Die Studie beschreibt alle vier Typen von Familienunternehmen im Hinblick auf ihre Führungsrollen und -stile sowie ihre Governance und Performance. Daraus werden Maßnahmen abgeleitet, mit denen Unternehmen des jeweiligen Typs ihre Performance verbessern und ihren langfristigen Erfolg sichern können.

Bei Fragen zur Studie melden Sie sich gerne bei Maximilian Grittern, Executive Assistant für den Bereich Familienunternehmen und Mittelstand (mgrittern@kpmg.com).

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