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Zachman, TOGAF und NAF4. UML, Archimate und UAF. Enterprise Architecture Management (EAM) wird meist mit diesen und anderen bekannten Rahmenwerken und Architektursprachen in Verbindung gebracht oder sogar gleichgesetzt. Was ist aber eigentlich ein EAM-Rahmenwerk und wofür benötigt man eine Modellierungssprache? Wie wichtig ist ein Rahmenwerk für die erfolgreiche Einführung und Umsetzung von EAM? Und wie erkennt man, welches Rahmenwerk und welche Modellierungssprache beim Einsatz von EAM in einer bestimmten Organisation des öffentlichen Sektors angewendet werden sollte?

In einem weiteren Beitrag der Artikelreihe „EAM für den öffentlichen Sektor“ möchten wir diese Fragen aufgreifen und diskutieren.

EAM-Rahmenwerke

Ein EAM-Rahmenwerk ist eine Sammlung von Methoden, Regeln und Konzepten, an Hand derer die Erfassung und Steuerung einer Enterprise Architecture (EA) ausgerichtet sowie die begleitenden Governance-Prozesse definiert werden können. Konkret kann es sich dabei beispielsweise um Vorgaben zur Strukturierung der EA handeln, um Methoden zur Erarbeitung von Architekturen oder um konzeptionelle Ansätze zur Ausprägung von EAM-Prozessen und -Rollen. EAM-Rahmenwerke unterscheiden sich dabei in der Breite und in der Tiefe ihrer Vorgaben sowie in ihrem vorgesehenen Anwendungsbereich: Sie können auf bestimmte Sektoren oder Organisationstypen und -größen ausgerichtet oder generisch gehalten sein.

Das bekannteste EAM-Rahmenwerk ist „The Open Group Framework“ (TOGAF). Es stellt ein Beispiel für ein generisches, anpassbares und industrieunabhängiges Rahmenwerk dar. TOGAF umfasst unter anderem eine Methode zur Entwicklung von Architekturen („Architecture Development Method“ bzw. „ADM“), ein Konzept zur Entwicklung von Architekturkompetenzen („Architecture Capability Framework), eine Ordnungsstruktur, ein Meta-Modell für Bausteine, Artefakte und Lieferprodukte („Content Framework“) sowie ein Klassifikationsschema für die Architekturen und Artefakte einer Organisation (Enterprise Continuum). Hiermit stellt TOGAF eine umfassende Sammlung an Best Practices bereit. Diese müssen für ihren jeweiligen Einsatz zugeschnitten und an die Anforderungen des jeweiligen Nutzungskontextes und der Stakeholder angepasst werden.

Ein Beispiel eines speziell für einen Anwendungsbereich entwickeltes Rahmenwerk stellt das „NATO Architecture Framework“ (NAF) dar (wobei gerade in der aktuellen Version 4 auch Möglichkeiten für einen Einsatz außerhalb des militärischen Kontexts bestehen). Dieses Rahmenwerk bedient sich bei Sprachelementen und -konzepten der Unified Modelling Language (UML) (insbesondere NAF Version 1-3) beziehungsweise des Unified Architecture Frameworks (UAF) und ArchiMate (NAF Version 4), um einen ganzheitlichen Ansatz zur Erstellung einer Enterprise Architecture im militärischen Kontext zu ermöglichen. Das „Architekturdatenmodell Bundeswehr“ (ADMBw) geht noch einen Schritt weiter und passt das NAF noch einmal spezifisch an die Belange der deutschen Streitkräfte an.

Modellierungssprachen

Modellierungssprachen im Kontext von EAM sind künstlich definierte, semi-formale Sprachen, mit denen Inhalte der EA als Modelle erstellt, bearbeitet und ausgewertet werden können. Modelle sind vereinfachte Abbildungen der Realität, bei denen von für den Untersuchungsgegenstand nicht relevanten Details abstrahiert wird.

Modellierungssprachen für EAM müssen somit Zeichen und eine Syntax enthalten, mit denen die für eine EA typischen Elemente, Relationen sowie Strukturen und Verhalten abgebildet werden können. Solche Elemente sind beispielsweise Prozesse, Anwendungen und IT-Systeme. Typische Beziehungen zwischen diesen Elementen sind beispielsweise Teil-Ganzes-Beziehungen, Abhängigkeiten und Kontrollflüsse. Die Sprachelemente korrespondieren dabei meist mit den (aus vorherigen Artikeln) bekannten Ebenen der EA.

Zusammengefasst ist die Modellierungssprache also das Regelwerk, nach dessen Vorgaben die Darstellung der EA erfolgt.

Es gibt zahlreiche Modellierungssprachen mit teils unterschiedlichen, teils sehr ähnlichen Charakteristika. Die Modellierungssprachen können unabhängig sein oder in Zusammenhang mit einem Rahmenwerk beziehungsweise einer Methode oder einem Tool stehen. Bekannte Modellierungssprachen sind UML sowie ArchiMate: 

UML wurde von der „Object Management Group“ entwickelt und fand ursprünglich vor allem im Bereich der Softwareentwicklung Verwendung. Die umfangreichen, nach Struktur und Verhalten kategorisierbaren Diagramme erlauben mit ihrem generischen Charakter sowie der Möglichkeit der Sprachspezialisierung über sogenannte Profile aber auch den Einsatz im EAM-Kontext.

Dahingegen wurde ArchiMate von „The Open Group“ speziell als Modellierungssprache für eine EA entwickelt und wird unter anderem in Verbindung mit dem Einsatz von TOGAF empfohlen. Die Sprache enthält vier Kernebenen (Business, Application, Technology und Physical) und drei weitere Ebenen (Strategy, Motivation, Implementation and Migration), wobei jede Ebene aktive und passive Strukturelemente sowie Verhaltenselemente enthält, die über eine Reihe von ebenunabhängigen Relationen in Verbindung gesetzt werden können.

Diese und weitere Modellierungssprachen werden in der Regel mit Modellierungstools eingesetzt, die eine IT-gestützte und durch verschiedene Funktionalitäten unterstützte Verwendung als Architekturen ermöglicht (zum Beispiel zur Syntaxkontrolle oder Architekturauswertung).

Bedeutung für den Erfolg einer EAM-Initiative

Nach diesem kurzen Überblick zu Rahmenwerken und Modellierungssprachen ergeben sich zwei Fragen:

  1. Wie findet man ein geeignetes Rahmenwerk und die passende Modellierungssprache für eine EAM-Initiative?
  2. Garantiert die Umsetzung des Rahmenwerks den Erfolg der EAM-Initiative?

Die erste Frage lässt sich nicht mit dem Verweis auf einen Standardprozess beantworten. Entscheidend ist vielmehr, dass die grundsätzlichen Fragen nach der mit der EAM-Initiative verbundenen Strategie und den Zielen klar und frühzeitig beantwortet und alle wesentlichen Stakeholder eingebunden werden. Nur ein eindeutig beschriebenes und von der gesamten Organisation geteiltes Zielbild ermöglicht es systematisch die wichtigsten Anforderungen und Auswahlkriterien an ein passendes Rahmenwerk zu definieren und dieses auszuwählen. 

Die Frage nach einer Erfolgsgarantie von EAM durch Umsetzung eines Rahmenwerks muss mit einem klaren Nein beantwortet werden: Auch die konsequente Anwendung eines zuvor sehr sorgfältig ausgewählten EAM-Rahmenwerks ist kein Garant dafür, dass EAM für eine Organisation zum Erfolg wird. Ein adäquates Rahmenwerk ist nur eine notwendige Voraussetzung aber kein hinreichendes Kriterium für das Gelingen einer EAM-Initiative: Die Anpassung an Ziele, Strategie und Organisationskontext, die kontinuierliche Einbindung der relevanten Stakeholder, das meist nur schrittweise Aufwachsen der EAM-Fähigkeiten der Organisation oder der Übergang vom anfänglichen Planungsfokus auf einen dauerhaften Verbesserungsfokus des EAM sind nur einige der wesentlichen Faktoren, die für den dauerhaften Erfolg von EAM in einer Organisation – neben der Frage nach Rahmenwerken und Modellierungssprachen – ebenfalls eine zentrale Bedeutung haben.

 

Mitautor des Beitrags ist Martin Czerwick, Consulting, Public Sector, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft