Die Art, wie wir Autos kaufen, wird sich in den kommenden Jahren drastisch verändern. Davon sind die Führungskräfte internationaler Automobilkonzerne überzeugt, wie unsere neue und 22. Ausgabe des „Global Automotive Executive Survey“ zeigt. Die von uns befragten CEOs gehen davon aus, dass die klassischen Vertriebswege – über Händler und Filialen – mehr und mehr durch Onlinekanäle ersetzt werden. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Befragten rechnen damit, dass in 2030 bereits die Mehrheit aller Autos online gekauft wird. 

Die Hälfte geht sogar davon aus, dass 2030 mindestens 60 Prozent der Fahrzeuge direkt von den Automobilherstellern an die Kunden verkauft werden. Für diese bedeutet der Direktvertrieb, dass sie in den Bereichen digitaler Vertrieb, Marketing, Preisgestaltung und Verkaufsabwicklung entsprechende Fähigkeiten aufbauen sollten. Die nahtlose Abwicklung eines Autokaufs und die Betreuung davor und danach wird in Zukunft mindestens genauso wichtig wie die Produkteigenschaften, beispielsweise die Leistung und die Ausstattung eines Fahrzeugs.  

Ohne Zweifel stehen wir an der Schwelle eines wegweisenden Jahrzehnts. Gefragt sind tragfähige Geschäftsmodelle unter anderem für den Onlinevertrieb oder Abo-Modelle. Autohersteller sollten sich daher in Zukunft stärker darauf konzentrieren, ein exzellentes Kundenerlebnis als Gesamtpaket zu schaffen.

Goran Mazar
Partner, EMA & German Head of ESG and Automotive

Datenschutz als zentraler Aspekt bei der Kundenbindung

Die Studie macht deutlich, dass der globale Automarkt vor grundlegenden Veränderungen steht. Der Umstieg auf CO2-freundliche Antriebssysteme auf der einen Seite und der Wunsch nach einem besonderen, digitalen Kundenerlebnis beim Autokauf auf der anderen Seite werden zu zentralen Aspekten. 

Durch die zunehmende Digitalisierung sowohl im Fahrzeug an sich als auch an der Schnittstelle zwischen Käufer und Automobilhersteller, wird das Thema Datensicherheit einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Dies bestätigt auch die globale Umfrage unter mehr als 1.100 Führungskräften. Wird beispielsweise das Fahrzeug bewegt, laufen beim Hersteller immer mehr Daten zusammen, darunter auch sensible Informationen, wie Reiserouten und Nutzungsverhalten. Die Anbieter sollten in diesem Zusammenhang gewährleisten, dass die Daten ihrer Kund:innen sicher sind und Missbrauch ausgeschlossen ist.

Schnellere und flächendeckende Ladungsmöglichkeiten sind das A und O

Nach Einschätzung der Befragten werden E-Fahrzeuge bis 2030 in den meisten Märkten einen Anteil von mehr als 50 Prozent erreichen. Voraussetzung hierbei sind zwei wichtige Aspekte: Die Infrastruktur der Ladestationen muss verbessert und leistungsstärkere Batterien zur Verfügung gestellt werden. Denn 77 Prozent der Verbraucher:innen sind laut der globalen Umfrage nicht gewillt, länger als 30 Minuten zu warten, bis die Batterie zu 80 Prozent geladen ist. Der Durchbruch von Elektrofahrzeugen wird deshalb maßgeblich von erheblichen Investitionen in die Schnellladeinfrastruktur abhängen. Eine Partnerschaft mit Technologieunternehmen einzugehen oder selbst in neue Entwicklungen zu investieren, erwägen ein Drittel der Befragten. 

Wachstumsoptimismus und Herausforderungen der Transformation ausbalancieren

Neue Vertriebsmodelle, der Vormarsch der Elektroautos, der Zusammenschluss von Technologie- und Automobilindustrie und verändertes Kundenverhalten sind Aspekte, die enorme Wachstumschancen mit sich bringen. Dies bestätigen auch die Führungskräfte in unserer Umfrage: 53 Prozent sind zuversichtlich, dass die Branche in den kommenden fünf Jahren profitabel wachsen wird. Es gibt aber auch Themen, die die Befragten in Sorge versetzen. Dazu gehören  anfällige Lieferketten, Rohstoffmangel und die Knappheit von Arbeitskräften.  

Gleichzeitig geben die CEOs aber auch in der Umfrage an, auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet zu sein. In unserer neuen Ausgabe des „Global Automotive Executive Survey“ lesen Sie, wie die Branche sich auf die Veränderungen vorbereitet, wo sie Investitionsschwerpunkte sieht und welche Geschäftsmodelle die Zukunft der Autobranche bestimmen könnten.