Die Technologiebranche ist Vorreiter bei der Entwicklung innovativer und smarter Lösungen. Das gilt allerdings häufig nicht im Hinblick auf die eigene Nachhaltigkeit, wie unsere Studie „Sustainability 1.0 – Warum die Technologiebranche kein Vorreiter der Nachhaltigkeitstransformation ist“ zeigt, für die wir mehr als 100 Technologieunternehmen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung befragt haben. Die Untersuchung belegt, dass die Unternehmen Relevanz und Chancen von Nachhaltigkeit zwar erkannt haben, es jedoch an konsequenter Umsetzung mangelt.

Nachhaltigkeit wird häufig nicht als ganzheitliche Herausforderung gesehen

Entsprechend sind die Nachhaltigkeitsaktivitäten der Technologieunternehmen meist eindimensional ausgerichtet – und zwar mit Fokus auf ökologi­sche Aspekte. Die Bereiche Soziales und Unternehmensführung werden hingegen vernachlässigt. Ein ganzheitlicher Nachhaltigkeitsansatz müsste jedoch alle drei ESG-Dimensionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtigen – also beispielsweise auch Arbeitsbedingungen, Lie­feranten und Vertriebspartner miteinbeziehen. Vielen Unternehmen würde helfen, formell verantwortliche Nachhaltigkeitsbeauftragte einzusetzen, um das Thema bes­ser zu steuern und zu managen, wie es in der Studie heißt


Auf die Frage nach Circular-Eco­nomy-Prinzipien gibt rund die Hälfte der Befragten an, hier noch gar nicht oder kaum aktiv zu sein. Handlungsbedarf besteht vor allem bei digitalen Lösungen für den Produktlebenszyklus, beim Ökodesign und der Nachrüstbarkeit von Produkten.

Defizite bei Datenmanagement und Berichtsanforderungen

Hinzu kommt, dass die befragten Unternehmen keinen guten Überblick über ihre Nachhaltigkeitsdaten haben. Die Beschaffung von robusten Informationen über Abfallmengen, Energieeffizienz und Emissionen oder auch Gleichberechtigung und Lieferantenkontrolle ist eine große Herausforderung in der Branche. Das ist ein überraschendes Ergebnis, denn der intelligente Umgang mit Daten ist normalerweise eine Kernkompetenz von Tech-Firmen.

Hinsichtlich der Berichtsanforderungen der neuen EU-Taxonomie-Verordnung befindet sich die Mehrheit der betroffenen Technologieunternehmen im Planungs- oder Umsetzungsprozess. Rund ein Drittel allerdings hat noch keine Schritte unternommen, jedes zehnte Unternehmen hat sich noch gar nicht mit der Verordnung beschäftigt. Nicht zuletzt hat die Mehrheit Nachhaltigkeitsaspekte gar nicht oder nur teilweise in ihre Governance-Systeme integriert. Hier besteht erheblicher Nachholbedarf. 

Nachhaltigkeit als Chance begreifen, den Geschäfts­erfolg zu sichern

Die Tech-Branche sollte die Umstellung auf Nachhaltigkeit als Chance für eine neue, werttreibende Art des Wirtschaftens begreifen. Die Transformation geht einher mit steigender Reputation und Attraktivität bei Investoren und Kunden und sichert somit langfristigen Geschäfts­erfolg. Gerade Technologieunternehmen könnten mit ihrer Datenkompetenz und Innova­tionsstärke nicht nur die digitale, sondern auch die nachhaltige Transformation schnell und wirksam vorantreiben.