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Welche Standorte weltweit sind für die Produktion am günstigsten? Wer dabei nur nach Primärkosten wie Löhnen, Mieten oder Steuern fragt, landet schnell bei den sogenannten Niedriglohnländern. Für unsere englischsprachige Studie „Where to manufacture? Global analysis of the cost of doing business“ haben wir jedoch auch Sekundärkosten miteinbezogen, die das gesamte unternehmerische Umfeld berücksichtigen. Hier spielen beispielsweise die Zeit eine Rolle, die für eine Unternehmensgründung benötigt wird, aber auch Infrastruktur und Risiken sowie die Qualität der Arbeit und Ausbildung.

Niedriglohnländer sind nicht günstiger

Dies führt zu folgendem Ergebnis: Kanada liegt auf Platz eins der attraktivsten Produktionsstandorte, gefolgt von Taiwan und Südkorea. Auf den Rängen sechs bis zehn folgen die europäischen Staaten Großbritannien, Deutschland, Schweiz, Irland und Frankreich. Niedriglohnländer hingegen schneiden hier deutlich schlechter ab und bilden nur die Schlusslichter: Vietnam, Indien und Brasilien befinden sich auf den letzten Plätzen. Sie punkten zwar bei den Primärkosten, sind aber im Sekundärkostenindex deutlich schlechter platziert. 

Wie sehr sich Primär- und Sekundärkosten unterscheiden können, zeigt sich auch im Falle Deutschlands: Bei den Primärkosten liegt der Standort auf Platz zwölf, bei den Sekundärkosten wiederum belegt Deutschland den fünften Platz. Niedrige Primärkosten allein heißen also nicht niedrige Gesamtkosten, was einen klaren Wettbewerbsvorteil für innovative Industriestandorte wie Deutschland bedeuten kann. 

Kostenfaktoren im Wandel

Produzierende Unternehmen sollten diese Unterschiede zwischen Primär- und Sekundärkosten bei der Standortwahl berücksichtigen, insbesondere, wenn es sich nicht um personalintensive Tätigkeiten handelt. Gleichzeitig sollte ihnen bewusst sein, dass einige der Kostenfaktoren relativ unstet sind bzw. sich im Wandel befinden. Dazu gehören zum Beispiel Steuerreformen, wie etwa in den USA. Sie können zu einer deutlichen Verbesserung des Rankings führen, da sie sowohl Primär- als auch Sekundärkosten beeinflussen. Außerdem bleiben die Wechselkurse volatil, was sich ebenfalls direkt auf die Kosten auswirken kann.

Nicht zuletzt wird die voranschreitende Automatisierung Wertschöpfungsketten weiter verändern  - und sich entsprechend auch auf Produktionskosten auswirken.