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Anteilsbasierte Vergütungsprogramme stellen eine zunehmend relevantere Komponente einer attraktiven Mitarbeitervergütung dar und dienen als Instrument zur Personalgewinnung.

Da das Settlement der anteilsbasierten Vergütung (wie beispielsweise Aktienoptionen) erst in der Zukunft stattfindet, ist für die Bilanzierung eine Berechnung des Fair Values (FV) vorzunehmen. Während bei Planausgestaltungen mit wenigen Bedingungen oftmals eine geschlossene Black-Scholes-Formel ausreicht, so gibt es auch Planbedingungen, die typischerweise eine pfadweise Simulation erfordern und damit die Implementierung einer Monte-Carlo-Simulation nach sich ziehen. [Dies ist vor allem bei asymmetrischen Auszahlungsprofilen der Fall.]

Drei Beispiele, die in der Praxis immer häufiger anzutreffen sind und spezielles Bewertungs-Know-How erfordern, werden im Folgenden vorstellt.

Performance Condition: Peer-Group-Ranking

  • Bisher dominierend im Markt waren Total Shareholder Return (TSR) Bedingungen, bei denen die eigene Aktienkursentwicklung über die Performance Periode mit der gesamthaften Kursentwicklung einer definierten Peergroup verglichen wurde (beispielsweise eigene Aktie gegen einen Index wie zum Beispiel DAX oder MDAX). 
  • Immer häufiger sehen wir jedoch, dass sich die Zielerreichung am Ranking innerhalb der Peergroup orientiert. Dabei wird die Aktienkursentwicklung des Unternehmens über die Performance Periode mit beispielsweise der Kursentwicklung jedes der 60 MDAX Unternehmens verglichen und daraus der Rang abgeleitet. Die Zielerreichung ist dann abhängig vom Rang definiert und könnte beispielsweise wie folgt aussehen:

Payoff ist

  • Null bei einem Rang unterhalb des ersten Quartils
  • 0,5 bei einem Rang zwischen erstem Quartil und zweitem Quartil
  • 1,0 bei einem Rang zwischen zweitem und drittem Quartil
  • 2,0 bei einem Rang oberhalb des dritten Quartils

Welche Herausforderungen ergeben sich für die FV-Berechnung?

  • Das asymmetrische Auszahlungsprofil erfordert eine pfadweise Simulation. Es ist daher spezielles Know-How für die Implementierung einer Monte-Carlo-Simulation gefragt.
  • Es werden große Mengen an Marktdaten für alle Peergroup Unternehmen benötigt, die zeitaufwendig aufzubereiten und auszuwerten sind. Eine besondere Herausforderung ist die Berücksichtigung der während der Performance Periode ausgezahlten Dividenden, die je nach Planausgestaltung gegebenenfalls im Zuge der finalen TSR Ermittlung zu berücksichtigen sind.
  • Vor allem die zu berücksichtigenden Korrelationen zwischen den Aktienkursen der im Ranking zu berücksichtigenden Unternehmen führen bereits bei einer geringen Anzahl an Pfaden zu Performance-Problemen von Tabellenkalkulationsprogrammen und bringen handelsübliche Notebooks. 

Das Ersetzen der vielen MS Excel-Formeln durch Programmiercode in Visual Basic for Applications (VBA) führt zu sehr guter Performance in puncto Rechenleistung, erfordert jedoch spezielle Kenntnisse der Programmierung.

Non-Market Performance Conditions: Total Compensation und Nachhaltigkeitskomponenten

  • Bei anteilsbasierten Vergütungen, deren Zielerreichung von mehreren Komponenten abhängen, wie beispielsweise Total Shareholder Return, EBITDA, ESG (environmental, social and governance), Strike-Preis, Höhe des Aktienkurses zum Ausübungstagen usw. ist häufig ein „Total Cap“ zu finden. Das heißt die Gesamtzielerreichung („Total Compensation“) ist auf ein Maximum beschränkt, bespielsweise auf das 5-fache des initial ausgelobten Zielbetrages.
    Da der Cap in die Fair Value Berechnung einfließt, führt dies auch dazu, dass non-market performance conditions wie beispielsweise ESG-Komponenten in die Modellierung mit einzubeziehen sind.
  • Für Nachhaltigkeitskomponenten (ESG) ist vor allem die Schätzung der Übergangsmatrix herausfordernd, das heißt der Erwartung mit denen zukünftig ausgehend von der aktuellen Nachhaltigkeitsstufe in eine andere „gewechselt“ wird. Bei der Messung der Zielerreichung im ESG-Bereich wird dabei nicht selten auf externe Anbieter zurückgegriffen.

Modellierung von Liquidationspräferenzen:

  • Für nicht am Kapitalmarkt quotierte Unternehmen sind die Zusagen aus den anteilsbasierten Vergütungsprogrammen meist nachrangig zu den Liquiditätspräferenzen, die sich aus den Anteilsklassen diverser Finanzierungsrunden ergeben. Häufig sind zudem die IFRS 2 Pläne erst mit dem Eintreten eines Triggering Events (wie beispielsweise eines IPOs) ausübbar. Die Unternehmenswertentwicklung auf diesen Zeitpunkt kann durch eine Monte-Carlo-Simulation der geometrischen Brown‘schen Bewegung modelliert werden. Über die simulierten Werte kann mittels einer Wasserfallstruktur, die die Liquidationspräferenz der einzelnen Anteilsklassen widerspiegelt, der Fair Value der Optionspläne ermittelt werden.
  • Herausfordernd ist hierbei neben der exakten Abbildung der Liquiditätspräferenzen auch die Schätzung einer passenden Volatilität für die Unternehmenswertentwicklung. Zum einen muss häufig auf Marktdaten von Peergroup-Unternehmen zurückgegriffen werden und zum anderen sind diese um den jeweiligen Verschuldungsgrad zu bereinigen.

Die drei Beispiele zeigen die klassischen Herausforderungen einer sachgerechten Bewertung von anteilsbasierten Vergütungsprogrammen:

  • Ermittlung der Volatilitäten für das Unternehmen und die Peergroupunternehmen sowie der Korrelationen untereinander auf Basis von historischen Aktienkursen
  • Implementierung einer Monte-Carlo-Simulation für die Abbildung von komplexen individuellen Payoff-Strukturen bzw. Liquiditätspräferenzen. Mittels des Einsatzes von VBA kann dabei die Performance im Sinne von einer höheren Anzahl an Simulationspfaden, einer kleineren Dateigröße und einer viel kürzeren Berechnungsdauer stark verbessert werden.
  • Aufbereitung der Ergebnisse für externe und interne Adressaten, wie Accounting-Abteilung, Board, Wirtschaftsprüfer etc.

Egal welchen Komplexitätsgrad Ihr IFRS 2 Plan aufweist, wir verfügen über die langjährige Erfahrung, die passenden Tools für Ihr Unternehmen sowie das finanzmathematische Know-How, um für Sie die maßgeschneiderte Lösung zu entwickeln, Entwicklungen zu simulieren oder Sie bei der Abbildung im Abschluss zu begleiten.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 113, Juli-August 2021
Autoren: Ralph Schilling, Partner, Finanz- und Treasury-Mangement, KPMG AG; Sebastian Gammisch, Senior Manager, Finanz- und Treasury-Mangement, KPMG AG