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Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) veröffentlicht das Konsultationspapier EBA/CP/2021/20 für zukünftige Offenlegungspflichten im Bereich des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch (IRRBB) entsprechend der Regulation (EU) No. 575/2013 Art. 448.

Im Rahmen der regulatorischen Roadmap stellt das neue Konsultationspapier einen weiteren Schritt der umfangreichen, erwarteten Klarstellungen für Marktpreisrisiken des Anlagebuchs dar und beschreibt, wie IRRBB künftig in den Offenlegungen berücksichtigt werden muss. Ziel ist hierbei eine Harmonisierung der offengelegten Kennzahlen und qualitativen Angaben im Bereich des Zinsänderungsrisikos. Bis Anfang 2022 werden weitere Klarstellungen zu Ausreißertests und Standardansätzen erwartet.

Gemäß Art. 448 CRR sind die mit der CRR II etablierten, neuen Anforderungen erstmalig ab dem 28.06.2021 offenzulegen. Die EBA empfiehlt, bereits für die halbjährliche Offenlegung zum 30.06.2021 die quantitativen Offenlegungsformate des Konsultationspapiers anzuwenden.

Die Konsultationsphase endet am 30.08.2021. Die finale Richtlinie ist für Oktober 2021 geplant.

Offenlegungsfrequenz

Die Angaben zu den Zinsrisiken aus nicht im Handelsbuch gehaltenen Positionen nach Art. 448 CRR sind offen zu legen. Dabei haben alle großen (Art. 433 a.) und „andere“ (Art. 433 c. Abs. 1), kapitalmarktorientierte Institute die quantitativen und qualitativen Angaben jährlich zu veröffentlichen.

Darüber hinaus sind große, kapitalmarktorientierte Institute verpflichtet, die quantitativen Angaben halbjährlich offenzulegen. Kleine nicht-komplexe Institute (Art. 433 b.) und Tochterunternehmen (Art. 13 CRR) sind nicht zur Offenlegung verpflichtet. 

Quantitative Offenlegungspflichten

Die allgemeine Struktur der Offenlegungsanforderungen wurde bereits durch die Anforderungen gemäß Art. 448 CRR vordefiniert. Das Konsultationspapier liefert jetzt insbesondere das Format für die quantitativen Angaben sowie weitere Details zu den qualitativen Anforderungen im Bereich IRRBB.

IRRBB Offenlegung

Im Zentrum des Konsultationspapieres steht die quantitative Offenlegung des barwertigen (EVE) und periodischen (NII) Zinsrisikos, welches über unterschiedliche Banken und Modelle hinweg vergleichbar gemacht werden soll. In der Vergangenheit gab es wenig klare Vorgaben, welche Kennzahlen und Angaben in der IRRBB-Sicht verwendet werden müssen. Dies führte dazu, dass Banken am Markt unterschiedliche Informationen und Kennzahlen offengelegt haben, deren Annahmen nicht hinreichend klar definiert waren. Eine Vergleichbarkeit der Offenlegungen im Bereich IRRBB war somit kaum möglich. 

Für das EVE-Risiko wird künftig vorgeschrieben, die bereits bekannten sechs EBA-Standardszenarien gemäß der EBA/GL/2018/02 Tz. 115 offenzulegen. Methodisch sind hierbei die Vorgaben des regulatorischen Standardschocks einzuhalten. Die barwertigen Kennzahlen sollten aus dem regulatorischen Meldewesen deutscher und europäischer Banken bereits bekannt und verfügbar sein.

Für das NII-Risiko existiert aktuell noch kein Standard-Outlier-Test mit entsprechenden methodischen Vorgaben. Ein Konsultationspapier für einen NII-Standardschock entsprechend Art. 98 5a(c) hat die EBA nun nach Verzögerungen bis Ende 2021 oder Anfang 2022 angekündigt. Zu erwarten ist, dass die BCBS-Anforderungen umgesetzt werden und damit das NII-Risiko auf einem 12-Monats-Horizont bei konstanter Bilanz und unter Einbeziehung aller Zinscashflowkomponenten zu melden und offenzulegen ist. Solche NII-Kennzahlen sind hierbei für die Szenarien „Parallel Up“ und „Parallel Down“ entsprechend EBA/GL/2018/02 Tz. 115 zu ermitteln und offenzulegen. Es ist bemerkenswert, dass gemäß Konsultationsentwurf NII-Kennzahlen offenzulegen sind, ohne dass hier die EBA eine zur Vergleichbarkeit ausreichende Definition der Kennzahlen vorgegeben hat.

Perspektivisch steht es Banken frei, die Standardansätze für EVE und NII sowohl für das interne Risikomanagement  - falls angemessen  - als auch für die Offenlegung anzuwenden. Die Standardansätze hat die EBA entsprechend Art. 84(5) CRD noch zu definieren. Sie will dazu bis Ende 2021 oder Q1 2022 Technical Standards veröffentlichen. Eine Verpflichtung zur Nutzung der Standardmodelle wird nach aktuellem Stand nicht existieren, solange die Aufsicht eine Anwendung nicht bankspezifisch vorschreibt.

IRRBB Tabelle

Qualitative Offenlegungspflichten

Neben den quantitativen Risikometriken werden Banken aufgefordert, qualitative Informationen zum Risikomanagementansatz offenzulegen. Dies umfasst Informationen zur Steuerungsstrategie und Risikomessung, wie z.B. Hedging-Strategien, Frequenz der Risikomessung und -steuerung sowie wesentliche Annahmen der Modelle und Methoden. Sofern die Bank für die interne Risikomessung von den Methoden und Annahmen der Offenlegung (Standard-Outlier-Tests) abweicht, sind diese Unterschiede zu beschreiben. 

Bemerkenswert ist darüber hinaus insbesondere die Anforderung zur Offenlegung der durchschnittlichen und längsten Zinsbindungslaufzeiten, die Sicht- und Spareinlagen zugewiesen wurden. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass die deutsche Aufsicht erst kürzlich für deutsche Institute festgelegt hat, dass eine Anlagedauer für Modelltranchen von über 10 Jahren nicht mehr als angemessen angesehen wird.

Sofern Banken (perspektivisch) die Standardmodelle für EVE und NII für Offenlegungszwecke anwenden, kann auf eine Beschreibung der wesentlichen Annahmen verzichtet werden.

Überlegungen zum Konsultationsprozess

Wir empfehlen allen Banken sich kritisch mit dem neuen Konsultationspapier auseinanderzusetzen. 

Insbesondere eine Klarstellung der EBA zur vorrübergehenden Offenlegung der NII-Risiken könnte aufgrund fehlender Klarheit aufgegriffen werden. So lässt der offene Zeithorizont, die Bilanzannahmen und Margenannahmen vorrübergehend viel Flexibilität zu. Wir empfehlen Banken hierbei, bis zur Klarstellung durch die Aufsicht, bzw. Veröffentlichung des NII-Outlier-Tests, die Verwendung der internen NII-Methodik mit Blick auf die BCBS-Anforderungen zur Offenlegung. 

Darüber hinaus empfehlen wir Banken frühzeitig damit zu beginnen, die erforderlichen qualitativen Angaben zusammenzustellen. Hier ist eine angemessene Balance zwischen Offenlegungspflicht / Informationsinteresse der Allgemeinheit und den Geschäftsspezifika der Banken zu finden. 

Relevante nächste Schritte bei Aufsicht und Banken

Die Aufsicht wird voraussichtlich in Q4 2021 oder Q1 2022 die erwähnten weiteren Technical Standards (insb. Standardmodelle und NII-Outlier-Test) publizieren. Der Technical Standard zum NII-Standard-Outlier-Test würde entsprechend die Offenlegungspflichten noch einmal weiter spezifizieren. 

In Bezug auf die Offenlegung wird vorgeschlagen zu testen, ob die neuen Anforderungen erfüllt werden und entsprechende Anpassungen vorzunehmen. 

Hinsichtlich der qualitativen Anforderungen sollten Banken zudem ein Benchmarking durchführen, um nicht unnötig Ausreißer zu sein. Dies sollte z.B. einen Vergleich der Methodenannahmen und Anlagestrukturen für Einlagen umfassen.

Perspektivisch könnte es darüber hinaus, insbesondere für kleine und mittelgroße Institute, von Interesse sein in der internen Risikomessung auf die (noch zu veröffentlichen) Standardansätze für EVE und NII umzustellen. Hierdurch könnten sich entsprechend die internen Aufwände für die (Weiter-)Entwicklung und Pflege der Methoden reduzieren. Dies ist institutsspezifisch zu bewerten und zu quantifizieren. 

KPMG-Unterstützung

Wir unterstützen Sie gerne in allen Themenfeldern von IRRBB und der entsprechenden Offenlegung, Gap-Analysen bis hin zur Umsetzung. Insbesondere ein kurzer, kostengünstiger Auffälligkeitscheck Ihrer angedachten IRRBB-Offenlegung ermöglicht Ihnen mehr Vergleichbarkeit dieser neuen und harmonisierten Offenlegungsanforderung. 

Sprechen Sie uns gerne an!