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Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU und sechstwichtigster Handelspartner weltweit. Umgekehrt lag Indien für Deutschland im vergangenen Jahr auf Platz 23. Auch wenn das Ausmaß der zweiten Covid-19-Welle im April / Mai 2021 und das damit verbundene menschliche Leid uns erschüttert haben: Die internationalen Hilfsmaßnahmen und die steigende Zahl an Impfungen in Indien führen hoffentlich in naher Zukunft zu einer Verbesserung der Lage für die Menschen vor Ort.

Trotz der Pandemie entwickelt sich Indien für deutsche Unternehmen zunehmend zu einem weiteren relevanten Markt, deren Potenziale erst kaum ausgeschöpft sind: So beträgt das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indien aktuell nicht einmal 10% des Handelsvolumens zwischen Deutschland und China. 

Steigende Umsätze auch im Pandemiejahr

Gemäß der von KPMG Deutschland und der Deutsch-Indischen Handelskammer (AHK Indien) zwischen Februar und April 2021 gemeinsam durchgeführten Umfrage deutscher Unternehmen in Indien erwarten diese für 2021 ein profitables Jahr  - und das trotz der momentan herrschenden wirtschaftlichen Unsicherheiten. Zwei von drei befragten Unternehmen (66%) rechnen mit steigenden Umsätzen, jedes sechste sogar mit mehr als 20% Wachstum. Zugleich geht rund die Hälfte der Unternehmen (49%) auch von höheren Gewinnen im Vergleich zum Vorjahr aus.

Die Mittelfristperspektive ist noch optimistischer: 89% der Befragten prognostizieren für die kommenden fünf Jahre höhere Umsätze, 71% steigende Gewinne.

Im Hinblick auf Investitionen und Personalaufbau sind die befragten Firmen zurückhaltender. Hier erwarten deutlich mehr als die Hälfte unveränderte oder sogar rückläufige Zahlen für das laufende Jahr. Hingegen wollen 36% in 2021 mehr investieren und 37% mehr Personal einstellen. 

Was ist Ihre Erwartung für Ihr Geschäft in Indien für 2021?
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Wachsender Inlandskonsum gilt als größte Geschäftschance

Trotz aller Herausforderungen bietet Indien, das 2025 die zahlenmäßig größte Mittelschichtbevölkerung der Welt aufweisen wird, für deutsche Unternehmen zahlreiche Chancen. Das Gros der befragten Unternehmen schätzen den wachsenden Inlandskonsum (84%) sowie das hohe Umsatzpotenzial (81%) bedingt durch den demografischen Wandel und steigende Einkommen. Zwei Drittel der Befragten (65%) benennen die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Arbeitskräften, unter anderem aufgrund der großen Anzahl von Hochschulabsolventen, als Vorteil.

Geringe Produktionskosten bedingt durch das niedrige Lohnniveau und staatliche Anreize für ausländische Direktinvestitionen werden von etwas mehr als der Hälfte der Befragten (54% bzw. 52%) als Chancen bewertet. 

Bitte bewerten Sie die folgenden Chancen für das Indien-Geschäft Ihres Unternehmens.
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Entwicklung der Infrastruktur und weitere Fortschritte ausgewählter Standortfaktoren in Indien

81% der Befragten sehen eine positive Entwicklung bei der Weiterentwicklung der Infrastruktur in Indien, einem der wichtigsten Entwicklungsfelder Indiens. Der Handlungsbedarf wird dadurch unterstrichen, dass nur 2% der Befragten eine ausreichend entwickelte Infrastruktur als bereits erreicht erachten. 

Große positive Effekte erwarten zudem drei Viertel der Befragten (74%) auch aus der fortgesetzten Digitalisierung der Industrie. “Die Digitalisierung hat in Indien und Deutschland durch die Corona Pandemie einen enormen Schub erhalten. „Es erreichen uns fast täglich Anfragen von deutschen Unternehmen aus dem Bereich IT, die eine Niederlassung in Indien gründen wollen oder Partner für die Zusammenarbeit suchen.“ skizziert Stefan Halusa, Hauptgeschäftsführer AHK Indien. „Gerade der deutsche Mittelstand sollte sich dem indischen Markt künftig noch intensiver öffnen.“

Als großen Fortschritt bezeichnen die von KPMG und AHK Indien Befragten die Verlässlichkeit ihrer Geschäftspartner: Drei von vier Unternehmen sehen hier  - teils sogar große  - Fortschritte.  67% der Unternehmen erachten die Weiterentwicklung der indischen Demokratie und des politischen Umfelds in Indien als positiv. Nur jedes Zehnte bemängelt hier Rückschritte.

Bürokratie, Währungsrisiken und Korruption verbleiben die drei größten Herausforderungen

Deutsche Unternehmen sind in Indien aber auch mit einer Reihe schwerwiegender operativer Herausforderungen konfrontiert. 59% fühlen sich durch die indische Bürokratie respektive administrative Hürden beeinträchtigt. Diese bestehen insbesondere außerhalb der wirtschaftlichen Zentren weiter. 43% der Befragten benennt Währungsrisiken als eine wesentliche Herausforderung. Fast ebenso viele bewerten Korruption als eines der drei größten Probleme für ihr Unternehmen (38%). 

Die Komplexität des indischen Steuersystems, die Rechtsunsicherheit und der unklare regulatorische Rahmen, oft im Zusammenhang mit fehlender oder langwieriger Rechtsdurchsetzung, werden von über einem Drittel der deutschen Unternehmen als wesentliche operative Schwierigkeiten wahrgenommen (36% bzw. 34%).

„Trotz der unverkennbaren Verbesserungen des Wirtschaftsumfelds für deutsche Investoren in Indien in den letzten Jahren darf nicht verkannt werden: Es muss noch viel geschehen hinsichtlich Governance, Rechtsrahmen und Bürokratieabbau, bis Indien an die Attraktivität Chinas heranreicht“, so Andreas Glunz (KPMG).

Bitte nennen Sie die drei größten operativen Herausforderungen für das Indien-Geschäft Ihres Unternehmens.
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Alle Ergebnisse des German Indian Business Outlooks können Sie sich hier herunterladen.