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Lehren aus der Krise für erfolgreiches Liquiditätsmanagement

Lehren aus der Krise, erfolgreiches Liquimanagement

Liquiditätsmanagement ist in Zusammenhang mit verlässlicher Risikosteuerung ein Schwerpunktthema

Börries Többens

Partner, Financial Services, Finanz- und Treasury Management

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Liquiditätsmanagement

Immer noch dominiert die Corona-Krise unseren Alltag. Für viele Treasury Organisationen bleibt das gezielte Liquiditätsmanagement in Zusammenhang mit verlässlicher Risikosteuerung ein Schwerpunktthema. Wir haben uns angeschaut, welche Lehren aus der Krise in Bezug auf ein erfolgreiches Liquiditätsmanagement gezogen werden können und welche Faktoren dafür unabdingbar sind. 

Datenverfügbarkeit und -qualität ist essenziell

Die Praxis zeigt, dass viele Unternehmen in puncto Reporting und Datenmanagement von erheblichen Schwierigkeiten begleitet werden. Insbesondere wenn es darum geht, die Verfügbarkeit von zuverlässigen Daten zu gewährleisten und notwendige Detailanalysen durchzuführen. Oftmals sind erforderliche Daten, sei es vergangenheitsbezogen oder zukunftsbezogen, nicht in ausreichender Granularität und Genauigkeit vorhanden. Hierzu zählen beispielsweise Konto- und Cashpoolsalden, Forderungs- bzw. Verbindlichkeitsbestände oder Daten zu Geschäftsverläufen.

Im Rahmen der technischen Verfügbarkeit ist es nahezu unentbehrlich, ein zentrales Datenmanagement zu betreiben. Dies bildet die Basis für ein strukturiertes und akkurates Liquiditätsmanagement. Ein zentraler Data Hub, in dem über Abteilungsgrenzen hinaus die notwendigen Informationen gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden können, ist notwendig. Hier können Daten aus unterschiedlichen Informationsquellen wie der Finanzbuchhaltung, dem CO-Reporting oder dem Treasury Management System bedeutende Einblicke liefern. 

Inhaltlich muss sichergestellt werden, dass künftige Geschäftsvorfälle ursachengemäß und vollständig für alle Geschäftseinheiten abgebildet werden. Auch Geschäftsvorfälle, die vielleicht nicht zwingend in den originären Systemen vorliegen, zum Beispiel M&A Transaktionen, müssen unbedingt in der Planung Berücksichtigung finden. 

Verlässliche Planungsmethodik ist ausschlaggebend

Ein wesentlicher Baustein des Liquiditätsmanagements ist die verlässliche Liquiditätsplanung, welche möglichst automatisiert, standardisiert und konsistent gestaltet sein sollte. Damit ein funktionsfähiges Planungs- und Analysemodell aufgebaut werden kann, müssen vier Schritte definiert, aufeinander abgestimmt und operationalisiert werden: 

  1. Die automatisierte Versorgung mit qualitätsgesicherten Daten für die Planung und die Analyse der Liquiditätssituation muss sichergestellt werden. 
  2. Eine transparente und über alle Planungsebenen hinweg nachvollziehbarer Planungsansatz zur Liquiditätsprognose ist aufzubauen. Ein hohes Maß an Standardisierung bei gleichzeitiger Möglichkeit zum manuellen Eingriff erhöhen die Transparenz.
  3. Ein auf die Ziele und das Geschäftsumfeld abgestimmter Szenarienkatalog, in dem wichtige Parameter der Szenarien definiert werden, trägt zur Antizipation von künftigen Liquiditätsentwicklungen und entsprechender Einleitung möglicher Präventivmaßnahmen bei. 
  4. Ein Reporting mit adressatengerechter Granularität der Informationen und ein standardisierter und automatisierter Erstellungsprozess ist zu implementieren. Ebenfalls muss in der Prozessgestaltung Wert auf Plausibilisierung und Validierung der ermittelten Plandaten gelegt werden.

Kontinuierliches Monitoring und stetiger Dialog für vorausschauendes Handeln

Das Monitoring der Liquiditätskennzahlen, der Treiberentwicklungen, der gesamtwirtschaftlichen Lage und der Risikoschwellenwerte muss kontinuierlich fortgeführt werden. Auf Basis der identifizierten Ursachen und Wirkungen der Liquiditätsentwicklungen können durch einen stetigen Dialog mit relevanten Stakeholdern weitere Maßnahmen abgeleitet werden. Dabei ist es wichtig, möglichst präzise vorzugehen, aber gleichzeitig auch die Monitoringprozesse in großem Maße automatisiert abzubilden. So ist notfalls eine schnelle Reaktion möglich und zeitlicher Spielraum für die Einleitung von notwendigen Maßnahmen ist gewährleistet. 

Intelligente Cash Strategien und Interdisziplinarität als substanzielle Faktoren

Die Cash Strategie setzt den übergeordneten Rahmen für die übergreifende Cashflow-Planung. Sie setzt die Leitplanken für Organisation, Governance und Steuerung. Besonders die ausgewogene Balance zwischen verschiedenen Instrumenten wie Intercompany Finanzierung, gezielter Cash Allocation, zum Beispiel in Form von Cash Pools oder strategischem FX-Management, sowie einer aktiven Working Capital Steuerung bildet die Basis der Cash Strategie. Die damit etablierte Cash Kultur darf jedoch nicht etwa an Abteilungsgrenzen enden. Vielmehr muss auch hier der End-to-End Gedanke verfolgt werden und Prozesse entlang ihrer Wertschöpfungskette betrachtet werden. Die dabei abverlangte Interdisziplinarität in Form einer funktionsübergreifenden Zusammenarbeit von Treasury, Controlling, Accounting und anderen, angrenzenden Funktionen, zum Beispiel Lager- und Auftragsmanagement trägt hierzu wesentlich bei. 

Fazit: Reaktionsgeschwindigkeit ist der Schlüssel

Die unterschiedlichen Komponenten wie Datenverfügbarkeit, Transparenz von Forecasts und stetiges Monitoring bereiten den Weg für ein erfolgreiches Liquiditätsmanagement. Für die Krisensicherheit ermöglichen sie in erster Linie eines: Die Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit.

Agilität und hohe Reaktionsgeschwindigkeit sind wesentliche Erfolgsgaranten im Liquiditätsmanagement. Durch prozessuale Automatisierung und Verfügbarkeit detaillierter und relevanter Informationen wird die Antizipationsfähigkeit gefördert und fundierte Entscheidungsgrundlagen für Präventivmaßnahmen geschaffen. Ein umfassendes Frühwarnsystem ermöglicht es, Änderungen frühzeitig festzustellen und mit geeigneten Maßnahmen auf Marktbewegungen reagieren zu können. Unternehmen mit der Fähigkeit, sich rapide und flexibel an neue Situationen anzupassen, haben hier einen klaren Vorteil. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 109, März 2021

KPMG Corporate Treasury News

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