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Verbriefungen: Ein wirksames Mittel zum Abfedern der wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Krise

Verbriefungen in der Covid-19-Krise sinnvoll einsetzen

Mit der Überarbeitung der Verbriefungsrichtlinie stärkt Brüssel den Markt für synthetische Verbriefungen. Banken können ihre NPL-Quote weiter senken.

Karolin Schriever

Partner, Financial Services

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung Verbriefungen oftmals noch mit der Finanzkrise von 2008 in Verbindung gebracht werden  - aktuell können sie ein probates Mittel sein, um Liquiditätsengpässe bei Banken zu beseitigen.

Dies hat auch die EU erkannt. Sie hat das Verbriefungsregelwerk umfassend nachgebessert und zum einen regulatorische Hindernisse für die Verbriefung notleidender Risikopositionen abgeschafft, was die Bankbilanzen entlasten und enormes Kapital freisetzen dürfte. Zum anderen ermöglicht die EU zukünftig synthetische Verbriefungen als einfach, transparent und standardisiert (Simple, Transparent and Standardised  - STS) zu klassifizieren. Die Ergänzung komplementiert das Verbriefungsrahmenwerk weiter, welches seit Januar 2019 in Kraft ist und einen Eckpfeiler der Bemühungen der EU um die Schaffung einer Kapitalmarktunion darstellt.

Welche Vorteile bietet die STS-Zertifizierung für synthetische Verbriefungen? Sie eröffnet Instituten unter anderem eine privilegierte Behandlung, beispielsweise bei den Eigenmittelanforderungen. Zertifiziert werden nur solche synthetischen Verbriefungen, die nicht übermäßig komplex strukturiert sind. Da bei einer synthetischen Verbriefung die Ausfallrisiken des Referenzportfolios über Kreditderivate auf den Kapitalmarkt verlagert werden, kann auch durch eine synthetische Verbriefung eine Risikodiversifikation erzielt werden. Darüber hinaus können Ausfallrisiken aktiv gesteuert werden.

Mit der Nachbesserung der Verbriefungsregulierung setzt die EU-Kommission ein wichtiges Zeichen. Die Neuerungen könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise für den Bankenmarkt als auch den deutschen Mittelstand abmildern.

Die Überarbeitungen sind auch deshalb so wichtig, da die öffentlichen Mittel zur Finanzierung von in Schieflage geratenen Unternehmen nicht ausreichen werden, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Die Kapitalmärkte und der Spielraum zur Kreditvergabe der Institute werden eine entscheidende Rolle spielen. 

Die vorgeschlagenen Änderungen sind jedoch auch unabhängig von der Pandemie eine sinnvolle Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen. Sie sind insgesamt von großer Bedeutung für den Bankensektor, da erneut komplex gewordene Abläufe vereinheitlicht und vereinfacht werden. Hierdurch dürfte die EU auch ihrem erklärtem Ziel näher kommen, einen sicheren, tiefen, liquiden und robusten Markt für Verbriefungen zu schaffen, der in der Lage ist, eine breite und stabile Investorenbasis anzuziehen und Finanzmittel dorthin zu lenken, wo sie die Wirtschaft am meisten benötigt. 

STS-Kriterien setzen die richtigen Anreize und erschließen neue Zielgruppen

Eine Erweiterung der Investorenbasis kann durch die STS-Kriterien durchaus gelingen. Denn in der Vergangenheit bestand diese für synthetische Verbriefungen in der Regel aus Hedge-Fonds, Pensions- und Staatsfonds sowie öffentlichen beziehungsweise supranationalen Investoren. Regulierte Banken waren meist außen vor, da sie verbundene Risiken und Kapitalkosten scheuten. Diese  - auch erfahrungsbasierte  - Hemmschwelle wird nun deutlich verringert. Hinter den Kriterien stehen beispielsweise spezielle Anforderungen an Form, Inhalt und Offenlegung von Informationen zu den verbrieften Risikopositionen. Weiterhin müssen Zins- und Währungsrisiken vollständig abgesichert sein. Die STS-Kriterien geben weiterhin Sicherheit, da sie gesetzlich definiert sind, geprüft werden und somit Marktstandards setzen.

Letztlich wird durch die erweiterte Möglichkeit zum Kreditrisikotransfer die Fähigkeit der Banken zur Ausgabe von Krediten erhöht. Diese Möglichkeit ist zwar nicht neu, aber durch die Anreizsetzung seitens des Regulierers deutlich attraktiver. Denn der Verbriefungsmarkt wird weiter geöffnet, ohne vom übergeordneten Ziel des Investorenschutzes abzuweichen, da übergreifende Offenlegungspflichten bereits eingeführt wurden und erhalten bleiben. 

Synthetische Verbriefungen haben somit ein beachtliches Potenzial, insbesondere im Kontext der Kreditvergabe an kleinere oder mittlere Unternehmen, da synthetische Verbriefungen in der Praxis hauptsächlich zur Absicherung von Unternehmenskrediten (besonders Kredite kleinerer oder mittlerer Unternehmen) verwendet werden.

NPL-Verbriefungen geben Banken Raum für weitere Kreditvergaben an die Wirtschaft

Es ist absehbar, dass der durch Covid-19 ausgelöste wirtschaftliche Abschwung zu einer Erhöhung der Anzahl an leistungsgestörten Krediten (non-performing loans, NPL) bei Banken führen wird. Beim politisch angestrebten Abbau von diesen NPLs in den Bankbilanzen kommt neben einem bilateralen Verkauf der Forderungen vor allem eine Verbriefung in Frage. Diese haben sich bereits in der Vergangenheit auf Märkten mit einem hohen Anteil an NPLs als effizient erwiesen, da sie Rechtssicherheit, angemessenen Anlegerschutz und niedrigere Finanzierungskosten bieten.

Doch bislang fokussierte sich das Verbriefungsrahmenwerk auf nicht-leistungsgestörte Kredite, ohne beispielsweise den bei Veräußerungen von NPLs üblichen Kaufpreisnachlass zu berücksichtigen. Dies führt regelmäßig zu einer Überbewertung des erforderlichen Selbstbehalts als auch einer überproportionalen Eigenkapitalbelastung der NPL-Verbriefungspositionen. Die Anpassungen durch die EU sind daher vor dem Hintergrund der aktuellen Situation ein notwendiger Schritt, denn Banken werden so in die Lage versetzt werden notleidende Risikopositionen aus ihren Bilanzen zu entfernen und somit ihre Kreditvergabe auszuweiten.

Verbriefungsmarkt: Performance synthetischer Verbriefungen wird oftmals unterschätzt

Im Kapitalmarkt gibt es aufgrund des Quantitative Easing der letzten Jahre viel Liquidität. Daher sind die Renditen insbesondere für sichere Anleihen gesunken. 

Gleichzeitig stieg das Volumen synthetischer Verbriefungen von EUR 15.5 Mrd. im Jahr 2010 auf EUR 104.5 Mrd. im Jahr 2018. Folglich ist in jüngster Vergangenheit nach einer Austrocknung des synthetischen  - und im Volksmund als toxisch bezeichneten  - Verbriefungsmarktes wieder ein Anstieg zu erkennen. Jedoch gab es gleichzeitig eine Tendenz, dass synthetische Verbriefungen bilateral und nicht öffentlich gehandelt und verkauft werden. Dies führte zu einer undurchsichtigen Struktur des Marktes. Wir schätzen jedoch, dass die Erweiterung der STS-Kriterien auf synthetische Verbriefungen diese Tendenz umkehren wird und den Verbriefungsmarkt auch für andere Akteure öffnen wird. Immerhin registrierte die ESMA auf ihrer Website seit der Einführung der STS-Kriterien für traditionelle Verbriefungen im Januar 2019 bis Anfang August 2020 rund 330 STS und damit öffentlich gehandelte Verbriefungen. 

Interessant ist ein Leistungsvergleich zwischen traditionellen und synthetischen Transaktionen. Dieser zeigt, dass synthetische Transaktionen sowohl in Bezug auf die Ausfallraten während ihrer Laufzeit als auch in Bezug auf Veränderungen der Ratings/Kreditqualität besser abschneiden.

Verbriefungen als unverzichtbarer Teil eines modernen und effizienten Kapitalmanagement

Um auch zukünftig handlungsfähig zu bleiben, brauchen Banken ein modernes und optimiertes (effizientes) Kapitalmanagement. Dazu gehören auch Verbriefungen jedweder Natur. Banken, welche weder Erfahrungen noch Expertise im Verbriefungsgeschäft haben, sollten diese Option nicht grundsätzlich ausschließen und sie als eine sinnvolle Ergänzung ihrer Refinanzierungsstrategie und Kreditrisikosteuerung in Erwägung ziehen. Darüber hinaus erweitert die STS-Zertifizierung den Investorenkreis und senkt die regulatorischen Kapitalkosten für Originatoren und Investoren. Auch Investoren bieten die Neuerungen erweiterte Investitionsmöglichkeiten. 

Die vorgenommenen Anpassungen im Verbriefungsrahmenwerk sollten klar als Chance gesehen werden, um aktiver im Verbriefungsgeschäft zu werden und somit neue Wege im Rahmen eines modernen Kapitalmanagements zu gehen. 

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