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Super Contango im Rohöl

Super Contango im Rohöl

IFRS 9 Fair Value Hedge Accounting ein Hilfsmittel?

Ralph Schilling

Partner, Finance Advisory, Head of Finanz- und Treasury Management

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Super Contango

In der letzten Ausgabe unseres Corporate Treasury Newsletters („Fair Value Hedge Accounting – alles beim Alten?“, Ausgabe 104 September 2020) haben wir einen detaillierten Blick auf die wesentlichen Neuerungen im Hedge Accounting unter IFRS 9 und den sich hieraus ergebenden Implikationen für das Fair Value Hedge Accounting geworfen. In diesem Artikel wollen wir genauer auf die Bedeutung der unter IFRS 9 bestehenden Designationsmöglichkeiten für Fair Value Hedges im Bereich der Commodities, vor dem Hintergrund einer krisenbedingten Zunahme von Preisvolatilitäten an den Rohstoffmärkten, eingehen und die Theorie „greifbar“ machen. 

Zunehmende Preisvolatilitäten für Rohstoffe

Wie bereits in unserem Newsletter vom April 2020 berichtet, hat die Corona-Pandemie in jüngster Vergangenheit erhebliche Marktpreisschwankungen verursacht und nie dagewesene Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkten gefördert („Super Contango im Rohöl“). In der Spitze der Kursentwicklungen, wurde ein negativer Spotpreis von minus 37,63 USD pro Barrel für die Rohölsorte WTI taxiert, während der Futurepreis für den Monat Dezember 2020 von knapp 60 auf 27 USD pro Barrel fiel. Dies sorgte nicht nur ökonomisch für mehr als interessant zu beobachtbaren Handelsaktivitäten an den Märkten.

Abb. 1: Preisentwicklung für die Rohölsorte Brent und dem EUR/USD Kurs seit September 2019 bis September 2020.
Preisentwicklung Rohöl

Quelle: KPMG AG

Diese unplanbaren Marktbewegungen stellen Treasurer nicht nur vor Herausforderungen im Bereich strategischer Entscheidungen (zum Beispiel Anpassung der Beschaffungsstrategie), sondern bergen auch erhebliche Herausforderungen im Bereich der Bilanzierung von Finanzinstrumenten unter IFRS 9. 

Fair Value Hedge Accounting und die Volatilitäten aus der Vorratsbewertung

Preisvolatilitäten an den Rohstoffmärkten sorgen gleichermaßen für Chancen und Risiken im Handel und der Beschaffung von Rohstoffen. 

In der rohstoffintensiven Industrie und dem Rohstoffhandel führen sie bei solchen Unternehmen, die nach IAS 2 unter die Definition eines „Broker-Trader“ fallen und die ihre Vorräte zum beizulegenden Zeitwert bewerten, zu einer hohen Volatilität des Konzernergebnisses. Diese Volatilitäten ergeben sich daraus, dass sowohl das Vorratsvermögen als auch derivative Finanzinstrumente (zum Beispiel Futures, Forward-Verträge) zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden (müssen). Die Vorräte werden hierbei zum Spotpreis bewertet, wohingegen der beizulegende Zeitwert der derivativen Finanzinstrumente durch die jeweilige Forward-Rate bestimmt wird. Selbst wenn ein Unternehmen seine Vorräte zu „moderaten“ Kursen beschafft hat, sorgte die Marktsituation während der Corona-Krise für massive Wertänderungen durch den starken Verfall der Spotkurse im Vorratsvermögen. Bedingt durch die Anwendung der „Broker-Trader“-Regelung resultierte aus der Vorratsbewertung eine wesentliche Aufwanderfassung in der GuV. 

Der gewünschte kompensatorische Effekt durch eine bestehende ökonomische Sicherung mittels Future- oder Forwardkontrakten, wirkte in der GuV aufgrund der großen Unterschiede zwischen Spot- und Forward Rate nur bedingt volatilitätsreduzierend.

Es stellt sich die Frage, ob für Unternehmen im Anwendungsbereich der „Broker-Trader“-Regelung eine deutlich stärkere Reduzierung der GuV-Volatilität durch den Einsatz von Fair Value Hedge Accounting hätte erzielt werden können.

Die Anwendung von Fair Value Hedge Accounting unter Verwendung einer Spotdesignation und gleichzeitiger Anwendung des Cost of Hedging Ansatzes hat zur Folge, dass sich für die Dauer der Vorratssicherung die Wertänderungen der Spot-Komponente des Grund- und Sicherungsgeschäfts (ceteris paribus) gegenseitig aufheben. Die Veränderung der Forwardkomponente wird im Rahmen des Cost of Hedging Ansatzes dagegen im Other Comprehensive Income II bilanziert und für Zeitraum bezogene Sicherungen über die Laufzeit der Sicherungsbeziehung in die GuV reklassifiziert (sog. cost of hedging-Ansatz; vgl. IFRS 9.B6.5.29ff.). Dies führt insbesondere für längerfristige Sicherungsbeziehungen zu einer „Glättung“ der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) über die Laufzeit und signifikante Wertveränderungen der Forwardkomponente schlagen sich nicht unmittelbar in der GuV nieder. Die Planbarkeit des Unternehmensergebnisses je Berichtsperiode wird nachweislich erhöht.

Die Anwendung des Cost of Hedging-Ansatzes wird gedanklich oftmals nur dem Cash Flow Hedge Accounting zugerechnet, IFRS 9 sieht jedoch die grundsätzliche Anwendung auch für Fair Value Hedges vor und bietet somit rohstoffintensiven Unternehmen bei der Anwendung der „Broker-Trader“-Regelung eine weitere Handlungsalternative, deren Anwendungsmöglichkeit im Einzelfall zu untersuchen ist.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 105, Oktober 2020

KPMG Corporate Treasury News

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