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Carve-out-Transaktionen zeichnen sich dadurch aus, dass Unternehmen ausgewählte Teilbereiche ausgliedern bzw. anderweitig verselbständigen. Die auf diese Weise neu entstehenden Carve-out-Einheiten können entweder über die Börse verselbständigt werden oder im Rahmen von M&A-Deals außerhalb des Kapitalmarkts verkauft werden. Insbesondere für Organisationen, die sich auf ihre Kernkompetenzen und ihr Kerngeschäft fokussieren wollen, stellen Carve-outs eine attraktive Möglichkeit der Reorganisation und Restrukturierung dar.

Bereits vor Eintritt der Covid-19-Pandemie konnte ein starker Anstieg solcher Transaktionen beobachtet werden. Im Rahmen der nun hoffentlich einsetzenden wirtschaftlichen Erholung werden Unternehmen mehr denn je versuchen, ihre Geschäfte und Portfolios zu optimieren. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass Carve-outs auch in Zukunft einen entscheidenden Stellenwert in der Unternehmensumwelt haben werden.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Carve-out-Transaktionen komplex und zeitaufwändig sind. Daher ist es wichtig, zu verstehen, welche Faktoren zu wirklich erfolgreichen Transaktionen beitragen können. Um diese Fragestellung zu beantworten, hat KPMG in Zusammenarbeit mit The Edge Consulting Group insgesamt 45 am Kapitalmarkt stattgefundene Carve-outs in sieben Ländern im Zeitraum von 2015 bis März 2020 genauer analysiert.

Die wichtigsten Ergebnisse des empirischen Whitepapers

Die Aktienkursentwicklung von Carve-out-Unternehmen ist insgesamt vorteilhaft

Das Ziel, durch die Gründung eines unabhängigen Unternehmens mit eigenen Zielen den Shareholder Value zu maximieren, scheint in vielen Fällen erreichbar zu sein. Die meisten Carve-out-Unternehmen übertreffen in ihrer Performance vergleichbare Indizes. Dabei spielt auch das Leverage-Profil des Carve-out-Business eine Rolle.

 

Carve-out-Prozesse sind zeitintensiv und erfordern eine vorausschauende Planung

Eine Zeitspanne von einem Jahr zwischen der ersten Ankündigung der geplanten Transaktion und der Börsennotierung des Carve-out-Unternehmens stellt eine gute Faustregel dar.

 

Carve-outs erfordern ein PMO, um diverse Prozesse zu managen

Aufgrund von Interdependenzen und der inhärenten Komplexität von Carve-out-Transaktionen ist ein umfassendes Project Management Office erforderlich, welches die verschiedenen Prozesse steuert, überwacht und managt.

 

Es bestehen komplexe rechtliche Anforderungen

Häufig müssen kombinierte und/oder Carve-out-Finanzinformationen erstellt werden, da standardmäßige historische Finanzinformationen die wirtschaftlichen Aktivitäten des Carve-out-Unternehmens ggf. nicht angemessen wiederspiegeln.

 

Transitional Service Agreements (TSAs) spielen eine entscheidende Rolle in Carve-outs

TSAs decken typischerweise verschiedenste Bereiche ab, insbesondere jedoch administrative Tätigkeiten. Um zukünftige Konflikte und negative Auswirkungen auf den Aktienkurs zu verhindern, ist es entscheidend, alle Parameter und Konditionen genau zu definieren.

 

Ausgewählte Einblicke in die Ergebnisse des Whitepapers

Leverage Profile

Typischerweise überträgt das (ehemalige) Mutterunternehmen Schulden und Zahlungsmittel auf das Carve-out-Unternehmen. Dies hat in der Regel einen starken Einfluss auf dessen Zielsetzung und Strategiefindung. Dabei kann beobachtet werden, dass das Leverage Profil (hier definiert als Nettoverschuldung geteilt durch EBITDA) von Carve-out-Unternehmen typischerweise unter 2 liegt.

 

Aktienkursentwicklung je nach Leverage

Carve-outs mit einem Leverage-Profil unter 4x scheinen besser zu performen als solche mit einem Leverage-Profil über 4x.

Dauer des Carve-out-Prozesses

Der Prozess von der ersten Ankündigung der geplanten Abspaltung bis zur Börsennotierung des Carve-out-Unternehmens ist komplex und lang. Die durchschnittliche Dauer dieses Carve-out-Prozesses beträgt in etwa zwölf Monate.

Relevanz von Transitional Service Agreements (TSAs)

TSAs können verschiedenste Bereiche abdecken. Insbesondere administrative Aufgaben wie zum Beispiel IT, HR, Finance und Accounting werden häufig durch TSAs abgedeckt. Es scheint ein positiver Zusammenhang zwischen der Laufzeit von TSAs und der Performance des Carve-out-Unternehmens zu bestehen. Das liegt vor allem daran, dass TSAs zu einem reibungslosen Übergang im Rahmen der Abspaltung beitragen können. Allerdings ist es entscheidend, dass alle relevanten Parameter und Konditionen eindeutig definiert und konkretisiert werden, um zukünftige Konflikte zwischen den beiden Parteien zu vermeiden.