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Das Intelligent Treasury

Das Intelligent Treasury

Die Geschichte von End-to-End-Prozessen und dem Wandel der Treasury-Organisation

Nils A. Bothe

Partner, Financial Services, Finanz- und Treasury Management

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Intelligent Treasury

In den vergangenen Monaten haben wir durch den erkennbaren Wandel im Markt und dem kontinuierlichen Fortschritt der Technologie eine neue Entwicklungsstufe des Corporate Treasury ausgerufen - das Intelligent Treasury. Hintergrund ist, dass unter dem Deckmantel der Digitalisierung, Prinzipien wie Automatisierung, Innovation und Agilität zur Leitlinie vieler Unternehmens- und somit auch Treasury-Strategien werden.

Unter Intelligent Treasury verstehen wir ein Konzept, welches End-to-End-Prozesse in den Vordergrund rückt, keine Medienbrüche zulässt und Prozesse intelligent miteinander vernetzt. Dabei ist der Einsatz modernster Technologien, wie etwa die Unterstützung durch Machine Learning oder APIs Voraussetzung und Enabler zugleich.

Welche Themen und Use Cases ein Intelligent Treasury charakterisieren, wollen wir Ihnen anhand von drei Beispielen vorstellen: Virtual Bank Account Management, Predictive Analytics im Cash Forecasting und der Wandel von Treasury-Organisation:

Ein von uns im Rahmen des Intelligent Treasury identifiziertes Thema ist der Einsatz virtueller Bankkonten. Das Konzept von virtuellen Bankkonten ist zunächst einmal nichts neues. Die initiale Idee dahinter ist, einem bestimmten Kunden oder Produkt jeweils eine eigene virtuelle Kontonummer zuzuordnen und somit die Zuordenbarkeit von Zahlungseingängen wie -ausgängen zugleich individueller und flexibler zu gestalten. Die Umsetzung im Bereich des Corporate Treasury ist jedoch noch nicht weit vorangeschritten. Der Hintergrund ist eine hohe fachliche Komplexität und der heterogene Umsetzungsgrad bei Banken und in den Regionen weltweit, was eine Vergleichbarkeit der Leistungen sowie die Umsetzung im Unternehmen herausfordernd gestaltet.

Die digitale Transformation macht jedoch auch hier keinen Halt und wir sehen im Markt mittlerweile, dass sich der Knoten inzwischen langsam, aber sicher löst. Enabler sind hierbei die Bankeninstitute, welche neue Lösungen und somit grundsätzliche Rahmenbedingungen für den Einsatz virtueller Bankkonten schaffen.

Die Zielsetzungen und Vorteile beim Einsatz von Virtual Bank Accounts sind vielfältig. In Abgrenzung zu den physischen Konten können Kosteneffekte realisiert, Aufwände beim KYC-Prozess reduziert werden, die Kontenstruktur (Bank- und Verrechnungskonten) verschlankt sowie die Transparenz deutlich erhöht werden. Die für das Intelligent Treasury relevante Einsatzmöglichkeit ist jedoch eine andere: die Transparenz über vorhandene Liquiditätsmittel und die Verfügbarkeit derselbigen nahezu in Echtzeit.

Um die Besonderheit dieser Einsatzmöglichkeit zu verdeutlichen, ist eine Abgrenzung zum traditionellen Cash-Pool dienlich. Bei traditionellem Cash Pooling wird auf einem Hauptkonto die Liquidität gesammelt, wobei der Sweep – der Ausgleich der Unterkonten – in der Regel am Tagesende durchgeführt wird. Zusätzlich müssen parallel Verrechnungskonten zum Tracking der Forderungen und Verbindlichkeiten in eigenen IT-Systemen (zum Beispiel dem TMS oder dem ERP-System) geführt werden.

Virtual Accounts haben hier den entscheidenden Vorteil. Zwischen der Abbildung von Salden auf den Hauptkonten und virtuellen Konten vergeht keine Wartezeit und somit ist die Kommunikation nahezu in Echtzeit realisierbar sowie sind die Liquiditätsmittel direkt verfügbar. Wer einen physischen Cash Pool führt, wird das in der Regel zu schätzen wissen.

Eine weitere spannende Thematik für das Intelligent Treasury ist der Einsatz von Predictive Analytics im Cash Forecasting im Rahmen des Liquiditäts- und Finanzierungsmanagements.

Predictive Analytics, als Teildisziplin des Data Mining, verwendet historische Daten und komplexe mathematische Modelle, welche Trends und Saisonalitäten erfassen und Zeitreihen in die Zukunft extrapolieren. Stochastische Methoden bilden hierbei die Basis, um eine auf Datenanalyse basierende Vorhersage einzelner liquiditätsrelevanter Planpositionen zu generieren. Hierbei bedient man sich bei der Modellierung der additiven Regression, autoregressiven Modellen wie ARIMA oder gar neuronalen Netzen. (An dieser Stelle sei bereits auf unseren nächsten Corporate Treasury Newsletter verwiesen, in dem wir dieses Thema noch einmal vertiefen werden.)

Die Zielsetzung und Benefits des Einsatzes von Predictive Analytics im Cash Forecasting treffen auf viele Charakteristika des Intelligent Treasury zu. Durch Predictive Analytics kann der Prozess der Liquiditätsplanung automatisiert und auf Knopfdruck durchgeführt werden. Dies ersetzt das manuelle Erstellen der Liquiditätsprognose, welches sehr zeitintensiv ist und wiederholt hohen Koordinationsaufwand erfordert. Liquiditätsmanager können somit die Effizienz der Entscheidungsfindung erheblich verbessern, auch aufgrund der zentralen Steuerung der Planung, da auf den dezentralen Meldeprozess in Teilen verzichtet wird. Zusätzlich ist der Prozess skalierbar und beliebig komplexe Sachverhalte können durch die entwickelten Modelle eingehend analysiert werden. Mit Hilfe heutiger BI-Werkzeuge können die Ergebnisse in einer adressatengerechten und leicht verständlichen Form in flexibler Detaillierung wiedergeben werden.

Aber auch die Treasury-Organisation als solches erfährt durch die Digitale Transformation einen Wandel. Die Business Transformation im Treasury im Zuge neuer Technologien ist auf ein hohes Maß an IT-Affinität und Veränderungsbereitschaft der Treasury Mitarbeiter angewiesen. Ein Fokus liegt darauf belastbare Treasury Use Cases zu realisieren, welche durch moderne Technologien und neue Systemfunktionalitäten darstellbar sind, und dabei komplementär die Aus- und Weiterbildung der Kolleginnen und Kollegen im Treasury sicherzustellen.

Repetitives, manuelles Tagesgeschäft ist vor allem in der Treasury-Kernfunktion, dem Cash- und Liquiditätsmanagement, durch hohes Automatisierungspotenzial gekennzeichnet. Im Rahmen der allgemeinen Veränderungen der Treasury-Landschaft kommt es zu einer grundlegenden Verschiebung des Aufgabenspektrums der Treasurer und Cash Manager von manuellen Tätigkeiten hin zu vermehrt analytischen und strategischen Aufgabenstellungen. Die strategische Ausrichtung der Zentralisierung wird sich ebenfalls weiter verstärken, unterstützt durch neue technische Möglichkeiten. Die klassische Aufbauorganisation mit Front, Middle und Back Office wird auf absehbare Zeit ebenfalls eine Veränderung erleben. Erkennbar ist, dass viele Tätigkeiten im Back Office durch technologische Möglichkeiten nahezu vollständig automatisierbar sind und lediglich eine Kontrolle der Durchführung zu erfolgen hat. Das Back Office als eigenständige Organisation könnte dadurch ersetzt und die Kontrolltätigkeiten im Middle Office angesiedelt werden. Auf „Management by Exception“ als Steuerungsprinzip sollten sich Treasury-Organisationen heute bereits vorbereiten.

Auf unserem diesjährigen Digital Treasury Summit werden wir in interessanten Vorträgen weiter auf diese Themen eingehen. Die Veranstaltung wird aufgrund der derzeitig gültigen Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen im Rahmen der COVID-19 Pandemie leider nicht wie gewohnt physisch in Frankfurt stattfinden, sondern digital auf der Tube Plattform der KPMG.

Neben den drei genannten Themen, die unter anderem zusammen mit Vertretern aus dem Corporate Treasury live diskutiert werden, stellen wir auch die Ergebnisse unserer Umfrage zum Intelligent Treasury vor.

Unser Digital Treasury Summit 2020 Webcast (#DTRS2020) fand am 29. Oktober 2020 um 15:00 Uhr statt. Hier geht es zur Aufzeichnung.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 104, September 2020

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