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Das grundsätzliche Risiko, Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden, ist den meisten Befragten unserer Studie sehr bewusst: Mehr als drei Viertel (78 Prozent) nehmen dieses Risiko als hoch oder sehr hoch wahr. Allerdings  - und das mag auf den ersten Blick erstaunen  - sehen sie es eher bei anderen Unternehmen. Dass es das eigene Haus treffen könnte, befürchten hingegen nur 30 Prozent der befragten Unternehmen. Das zeigt unsere aktuelle Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2020“, an der 1.000 Unternehmen in Deutschland teilgenommen haben.

Unternehmen attestieren sich selbst guten Schutz

Die Angaben zur Einschätzung des eigenen Schutzniveaus zeigen, dass sich Unternehmen gut oder sogar sehr gut geschützt fühlen  - bei den kleineren Unternehmen gaben dies 85 Prozent der Befragten an, bei den großen Unternehmen sogar 92 Prozent. Diese sehr positive Einschätzung erklärt die verhältnismäßig geringe Sorge der Unternehmen, selbst Opfer von wirtschaftskriminellen Handlungen zu werden.   

Guter Schutz scheint sich auch auszuzahlen. Unternehmen, die sich selbst keine sonderlich geeigneten Schutzvorkehrungen attestierten, haben doppelt so häufig angegeben, bereits von wirtschaftskriminellen Handlungen betroffen gewesen zu sein wie die Unternehmen mit sehr guten Vorkehrungen (34 Prozent zu 17 Prozent).

Sorge um die Datensicherheit

Die meisten Sorgen bereiten Unternehmen Delikte im Zusammenhang mit Unternehmens- oder personenbezogenen Daten. 86 Prozent der Befragten sehen hier ein hohes oder gar sehr hohes Risiko. Tatsächlich betroffen waren von Datendelikten in den letzten zwei Jahren aber nur 31 Prozent  - das wahrgenommene Risiko ist hier deutlich höher als die tatsächlichen Vorfälle. Diese Diskrepanz mag an der starken Medienberichterstattung über Datenschutz, die EU-Datenschutz-Grundverordnung und Aufsehen erregenden Cybercrime-Fällen liegen, die das Bewusstsein für diese Problematik geschärft hat. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass der unbefugte Zugriff auf Daten von innen oder außen häufig nicht oder erst sehr spät bemerkt wird. Denn die Daten sind nicht weg, sondern nur auch noch woanders.

Ähnlich stark in den Medien vertreten ist das Thema Geldwäsche. Hier schätzen die befragten Unternehmen das innewohnende Risiko jedoch weitaus geringer ein als bei den Datendelikten. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) sehen das Risiko, davon betroffen zu sein als niedrig oder sogar sehr niedrig an.

Geldwäsche: Unternehmen des Finanzsektors mit hoher Risikoeinschätzung

Bei der Einschätzung des Risikos, von Geldwäschedelikten betroffen zu sein, gibt es einen großen Unterschied zwischen Unternehmen des Finanzsektors und Unternehmen anderer Branchen. 75 Prozent der Unternehmen des Finanzsektors empfinden aktuell, das Risiko sei hoch oder sehr hoch; in anderen Branchen äußern dies lediglich 30 Prozent der Unternehmen.

Diese unterschiedliche Risikowahrnehmung der Branchen haben wir auch schon in der Studie von 2018 beobachtet. Für die Unternehmen des Finanzsektors sind die Angaben in der aktuellen Studie sogar noch einmal deutlich gestiegen: von 60 Prozent im Jahr 2018 auf 75 Prozent in der aktuellen Ausgabe (andere Branchen: 27 Prozent im Jahr 2018, 30 Prozent aktuell). Ein Grund dafür dürfte in der 5. EU-Geldwäscherichtlinie liegen, die im Zeitraum zwischen diesen beiden Studien in Kraft getreten ist und zum 01. Januar 2020 in nationales Recht umgesetzt wurde. 

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Weitere interessante Ergebnisse aus der Studie beziehen sich auf 

  • die Kosten von Wirtschaftskriminalität, 
  • Präventionsmaßnahmen und Aufklärung,
  • Auswirkungen (Bußgelder, Reputationsschäden),
  • Verstöße gegen Sanktions- und Embargovorschriften, 
  • die Digitalisierung der Compliance-Funktion.

Laden Sie sich die Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2020“ hier herunter.