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Eine Agenda für die neue Normalität

Die Corona-Pandemie kam unerwartet. Auch für unseren CEO Outlook, für den wir zu Beginn jeden Jahres hunderte Geschäftsführer weltweit zu ihren Markteinschätzungen befragen. Dieses Jahr haben wir den CEO Outlook daher um eine Vergleichsbefragung im Juli ergänzt. Somit können wir Ihnen Implikationen und Reaktionen von Unternehmenslenkern weltweit im Hinblick auf die Covid-19-Krise aufzeigen.

Alle Ergebnisse finden Sie in unserem englischsprachigen „KPMG 2020 CEO Outlook: Covid-19 Special Edition“ mit ausführlichen Einschätzungen einzelner CEOs. Zudem haben wir für Sie eine deutsche Kompaktausgabe erstellt, die die CEO-Agenda aus hiesiger Sicht darlegt.  

Topmanager nutzen diesen beispiellosen Moment in der Geschichte, um die Digitalisierung voranzutreiben sowie die Beziehungen zu ihren Mitarbeitenden und der Gesellschaft als Ganzes zu verbessern. Während Unternehmen und Regierungen weiterhin die langfristigen Auswirkungen von Covid-19 bewerten und sich auf eine mögliche zweite Welle von umfassenden Einschränkungen des Wirtschaftslebens vorbereiten, haben sich bereits einige grundlegende Veränderungen verfestigt.

Wachstum und Wohlstandssicherung

Mit der Covid-19-Krise ist die Zuversicht in das weltweite Wirtschaftswachstum seit Anfang des Jahres eingebrochen, wie die Ergebnisse unseres CEO Outlook zeigen. Nur 32 Prozent der CEOs rechnen derzeit mit weltweitem Wirtschaftswachstum – zu Beginn des Jahres waren noch 68 Prozent guter Dinge. Für das eigene Unternehmen sind die CEOs jedoch optimistischer. Denn mehr als zwei Drittel (67 Prozent) geben an, dass sie zuversichtlich sind, was dessen Wachstumsaussichten für die nächsten drei Jahre betrifft. 

Ein entscheidender Wachstumstreiber ist dabei die Digitalisierung. Nach Überzeugung von 75 Prozent der Befragten hat die globale Covid-19-Pandemie die nahtlose digitale Kundenerfahrung verbessert. 64 Prozent sagen, dass das Schaffen neuer digitaler Geschäftsmodelle beschleunigt wurde. 

"Viele CEOs erkennen nun besser denn je die Möglichkeiten der Digitalisierung und neuer Technologien. Sie sehen, wie stark sich dadurch die Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden, aber auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigern lässt – während gleichzeitig das Unternehmen effizienter wird. Die Krise wird zum Katalysator für die digitale Transformation. Unternehmen, die die sich bietenden Chancen nutzen, werden für die Zukunft wesentlich besser aufgestellt sein als andere."



Angelika Huber-Straßer
Bereichsvorstand Corporates
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Prioritäten und Fokusthemen

Covid-19 hat die Forderung nach gesellschaftlichem Wandel beschleunigt und die Erwartungen der Stakeholder an Unternehmen und Führungskräften weiter verstärkt. Dies beschleunigt die Bemühungen der Unternehmen, sich an den Kriterien Umwelt, Soziales und Governance (ESG) zu orientieren. Infolge des unmittelbaren Pandemiedrucks intensivieren sie ihre Bemühungen sogar. Sechs von zehn (63 Prozent) CEOs sagen, dass sie durch die Pandemie ihren Schwerpunkt auf die soziale Komponente der ESG-Aktivitäten verlagert haben.

Trotz der physischen Barrieren fühlen sich die meisten CEOs (68 Prozent) nach dieser Pandemie stärker mit ihrer Belegschaft verbunden. 77 Prozent der Unternehmen werden weiter die in der Corona-Zeit ausgebauten, digitalen Kollaborations- und Kommunikationswerkzeuge nutzen. Aufgrund der neuen Möglichkeiten durch die stärkere Verbreitung des Homeworking wollen drei Viertel der Unternehmen ihre Rekrutierungsstrategien ändern. Die Telearbeit vergrößert den Pool an potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Purpose is powerful

Als wir die CEOs fragten, welches das größte Risiko für ihr Unternehmen in den nächsten drei Jahren darstellt, identifizierten sie das Thema „Fachkräftemangel“ als die Hauptbedrohung. Unter diesem Aspekt wurden in dieser Befragung die Kategorien Rekrutierung und Bindung sowie das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter zusammengefasst. Dieser Aspekt hat den CEOs zu Beginn des Jahres noch am wenigsten Sorgen bereitet. Infolge der Pandemie ist das Thema Mitarbeiter um elf Plätze gestiegen und stellt nun die höchste wahrgenommene Bedrohung für das langfristige Wachstum dar.

Durch die Pandemie sind vor allem  die Lieferketten hart getroffen worden. Im Hinblick auf das künftige Betriebsmodell sagen daher 67 Prozent der Befragten, dass sie ihren globalen Supply-Chain-Ansatz angesichts der schwerwiegenden Auswirkungen durch die Krise überdenken mussten. Die CEOs nutzen diese Gelegenheit jedoch, um sich zu fragen, wie ihre Lieferkette in der neuen Normalität zu einem Wettbewerbsvorteil werden kann. Als wir die CEOs nach den Beweggründen für dieses Umdenken in der Lieferkette fragten, war der wichtigste Grund dafür, „flexibler auf die sich ändernden Kundenbedürfnisse zu reagieren“. Der „Druck von Regierungen, die Produktion näher an die Heimatländer zu bringen“ war der zweitwichtigste Grund.

"Die CEOs haben auf die Covid-19-Krise reagiert, indem sie sich stärker auf die gesellschaftliche Verantwortung konzentrieren. Dazu gehört, den Mitarbeitern und Stakeholdern zu zeigen, warum ihr Unternehmen existiert und wie es der Welt nutzt. Die Umfrage zeigt, dass die CEOs den Bemühungen im Bereich Umwelt, Soziales und Governance (ESG) Priorität einräumen, woraus sich konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ableiten. Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden Teil der Equity Story."



Kai Andrejewski
Regionalvorstand Süd
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Gesellschaftliche Verantwortung und Unternehmenszweck

Die befragten CEOs haben sich die Frage gestellt, ob ihr gegenwärtiger Unternehmenszweck wirklich den Bedürfnissen der Stakeholder entspricht. 79 Prozent sagen, dass sie die Sinnhaftigkeit ihrer Organisation für die Gesellschaft als Folge von Covid-19 neu bewerten mussten. Gleichviele CEOs geben an, dass sie seit Beginn der Krise eine stärkere emotionale Bindung im Hinblick auf den Unternehmenszweck empfinden.

39 Prozent der CEOs geben an, dass ihre Gesundheit oder die eines Familienmitgliedes durch Covid-19 beeinträchtigt wurde. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gibt an, auf Basis dieser sehr persönlichen Erfahrungen auch die strategischen Überlegungen für unternehmerischen Entscheidungen angepasst zu haben.

Test

Fazit

Die CEOs erkennen an, dass die Erholung von der Pandemie nicht die Rückkehr zur "Normalität" bedeutet. Stattdessen besteht die Chance, eine neue Zukunft zu definieren, und drei Aktionsbereiche werden entscheidend sein: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Vertrauen. Erstens müssen die Führungskräfte sicherstellen, dass wir die durch die Pandemie erzielten Klimagewinne sichern und die Grundlagen für eine nachhaltige, grüne Wirtschaft schaffen. Zweitens, da die Beschleunigung der digitalen Transformation die Zukunft der Wirtschaft prägen wird, werden die Organisationen ein tiefes Verständnis dafür benötigen, wie sich das Kundenverhalten verändern wird und wie die neuen Anforderungen erfüllt werden können. Und schließlich hat die Pandemie den Unternehmen die Möglichkeit gegeben, zu zeigen, wie sie einen wirklichen Unterschied für die Gesellschaft machen können. Um das Vertrauen von Mitarbeitern, Kunden und Gesellschaft aufrechtzuerhalten, sollten die CEOs den Unternehmenszweck mit Leben füllen. Unsere Umfrage zeigt, dass CEOs in diesen außergewöhnlichen Zeiten mehr als bereit sind, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Weitere Schlüsselergebnisse der Umfrage, sowie eingehende Perspektiven zahlreicher CEOs aus verschiedenen Sektoren und Regionen, finden Sie in der Gesamtstudie und im Webcast.

Über den CEO Outlook 2020

Im sechsten Jahr seines Bestehens bietet der CEO Outlook 2020 einen detaillierten Dreijahresausblick von Tausenden von globalen Führungskräften über Unternehmens- und Wirtschaftswachstum. Die Umfrage bietet eine einzigartige Perspektive auf den Mentalitätswandel der globalen CEOs seit dem Lockdown.

KPMG befragte im Januar und Februar zunächst 1.300 CEOs, bevor viele Schlüsselmärkte die Auswirkungen der Pandemie-Krise in vollem Umfang zu spüren bekamen. Zwischen dem 6. Juli und dem 5. August 2020 führte KPMG eine Folgebefragung von 315 CEOs weltweit durch, um zu verstehen, wie sich das Denken der CEOs während der Krise entwickelt hat. In beiden Fällen hat ein Drittel der befragten Unternehmen einen Jahresumsatz von mehr als 10 Milliarden US-Dollar, wobei keine Antworten von Unternehmen unter 500 Millionen US-Dollar eingingen.

An der Januar/Februar-Umfrage nahmen Führungskräfte aus elf Schlüsselmärkten (Australien, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Japan, Niederlande, Spanien, Großbritannien und USA) und elf wichtigen Industriesektoren (Vermögensverwaltung, Automobil, Banken, Verbraucher und Einzelhandel, Energie, Infrastruktur, Versicherung, Biowissenschaften, Fertigung, Technologie und Telekommunikation) teil. Die kürzlich durchgeführte Zusatzumfrage zu den COVID-19 Auswirkungen umfasst CEOs aus den oben genannten Branchen und aus acht Schlüsselmärkten (Australien, Kanada, China, Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien und USA). 

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