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Besonderheiten bei der Bilanzierung von Hedge Accounting bei der Sicherung von Beschaffungsgeschäften

Besonderheiten bei der Bilanzierung v. Hedge Accounting

Die Financial Statements sollen ein möglichst verursachungsgerechtes Modell des Unternehmens darstellen.

Ralph Schilling

Partner, Finance Advisory, Head of Finanz- und Treasury Management

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Hedge Accounting

Im Idealfall lassen sich in dem Unternehmensmodell, dass die Financial Statements darstellen, sachgerechte Analysen über das Unternehmen durchführen und sogar Steuerungsentscheidungen treffen.

Wie in der Literatur bereits vielfach beschrieben, sollen die Regelungen des IFRS 9 Hedge Accountings dazu dienen, die ökonomischen Überlegungen einer gewählten Sicherungsstrategie leichter und verursachungsgerechter in den Financial Statements abzubilden (vgl. IDW RS HFA 48 Tz 332). Gleichzeitig müssen dabei die Vorgaben des Standards vollumfänglich berücksichtigt werden (vgl. ebenda, sowie IFRS 9.BC6.291). Da der neue Standard IFRS 9, neben zahlreichen Erleichterungen (beispielsweise den Wegfall der Mindesteffektivität des IAS 39.AG105), auch einige Herausforderungen bereithält (beispielsweise die Berechnung von currency basis spreads und aligned values; vgl. IFRS 9.6.5.16), haben zahlreiche Unternehmen von dem Wahlrecht Gebrauch gemacht und wenden ihr bereits bestehendes IAS 39 Hedge Accounting weiter an (IFRS 9.7.2.21).

Spätestens mit Endorsement des Standards für Macro Hedge Accounting wird das Wahlrecht zur Beibehaltung eines IAS 39 basierten Hedge Accountings allerdings wegfallen. Idealerweise nutzen Unternehmen die Zeit vor der Pflichtumstellung, um nicht in eine Situation knapper (Beratungs-) Ressourcen und zeitlichem Umsetzungsdruck zu kommen. Nicht zuletzt aus diesem Grund stellen aktuell eine Reihe von Unternehmen ihr Hedge Accounting vom IAS 39 auf die Vorgaben des IFRS 9 um.

Bei den durch uns begleiteten Umstellungsprojekten haben wir verschiedene Themen identifiziert, die in der Praxis typischer Weise für Herausforderungen sorgen. Neben Herausforderungen größerer Natur, ergeben sich auch immer wieder einfach zu lösende Themen. Im Folgenden stellen wir Ihnen für ein Hedge Accounting im Rahmen von Beschaffungsgeschäften hilfreiche Punkte dar.

Bei einem Hedge Accounting für Beschaffungsgeschäfte werden typischerweise meist Währungsrisiken über FX-Forwards oder Commodity-Preisrisiken über Commodity-Forwards gesichert und sorgen ökonomisch in beiden Fällen für eine feste Kalkulationsbasis von Beschaffungspreisen. In nahezu allen Fällen wenden Unternehmen hier Cashflow Hedge Accounting an.

Grundsätzliches Vorgehen: nach IFRS 9 wird die Derivatebewertung im OCI (other comprehensive income) abgegrenzt, bis die preisgesicherte Ware zugeht [I]. Bei Zugang der Ware werden die Anschaffungskosten um den Sicherungserfolg angepasst; das so genannte „Basis Adjustement“ [II]. Die Ware geht nachfolgend sowohl in den Niederstwerttest (IAS 2.33) als auch in den ergebniswirksamen Verbrauch mit ihren angepassten Anschaffungskosten ein [III].

Potenzielle Fehlerquellen: 

Durch die Bilanzierung der Derivate im Cashflow Hedge Accounting [I] kommt es zur Bildung von OCI im Soll oder Haben. Dieser Zugang ist in der Gesamtergebnisrechnung in der OCI-Überleitung zu zeigen. Obwohl das „Basis Adjustment“ den Regelfall darstellt und es sich hierbei nicht um eine Reklassifizierung gemäß den Hedge Accounting Vorgaben handelt, muss diese Zuführung in der OCI Position „Zuführung zu reklassifizierungsfähigem OCI“ gezeigt werden. Der Grund für diese Darstellung liegt darin, dass während der Laufzeit des Hedges das Grundgeschäft wegfallen oder Übersicherungen auftreten könnten. Eine solche Ausnahmesituation würde dann in einer ergebniswirksamen Reklassifzierung münden und erzwingt den genannten Ausweis (vgl. IFRS 9.6.5.11, 6.5.15, IAS 1.82A(a)).

Im Regelfall kommt es allerdings nicht zu einem Wegfall des Grundgeschäfts oder einer Übersicherung, sondern die Beschaffung findet regulär statt. Während unter IAS 39.98 noch ein Wahlrecht bestand das OCI weiter zu führen oder ein „Basis Adjustment“ durchzuführen, findet nunmehr verpflichtend ein „Basis Adjustment“ statt [II]. Dieser Vorgang darf allerdings die OCI Entwicklung in der Gesamtergebnisrechnung nicht mehr tangieren (IFRS 9.6.5.11 (d)(i)). Das bedeutet, dass es für den beschriebenen Fall eines Hedge Accountings auf Beschaffungsgeschäfte zwar zu einem Zugang von OCI kommt (und das Gesamtergebnis mithin verändert wird), die Inanspruchnahme des OCIs über das „Basis Adjustment“ allerdings nicht in der Gesamtergebnisrechnung gezeigt werden darf. Dementgegen leitet das Gesamtergebnis den Vortrag des Eigenkapitals nicht mehr auf den Endbestand des Eigenkapitals über! Da der Endbestand des Eigenkapitals allerdings feststeht, ist in der Eigenkapitalüberleitung eine weitere Position einzufügen (beispielsweise „Gewinne und Verluste aus Sicherungsgeschäften, die in die Vorräte ungegliedert worden sind“). Auf diese Effekte sollte man die internen und gegebenenfalls auch externen Adressaten der Financial Statements allerdings hinweisen. Das gilt umso mehr, als der beschriebene Umstand nicht nur für Derivate auftritt, die zum letzten Stichtag im Bestand waren, sondern auch für Derivate, die unterjährig im Bestand waren. Ein besonderer Effekt tritt ein, wenn die unterjährig beschaffte Ware bereits verbraucht wurde [III]:

Die beschaffte Ware geht mit dem effektiven „Sicherungskurs“ in den Materialaufwand (bzw. die cost of good sold) ein und wird so Teil des EBITs in der Gesamtergebnisrechnung. Es entsteht ein Rohertrag zum Sicherungskurs. Darüber hinaus muss in der OCI-Überleitung der Gesamtergebnisrechnung die unterjährige Zuführung zu OCI gezeigt werden. Das Sicherungsergebnis ist daher zweimal in der Gesamtergebnisrechnung enthalten. Damit das Eigenkapital zum Stichtag aufgeht, muss der Sicherungserfolg nun noch ein drittes Mal, in der Eigenkapitalüberleitung, gezeigt werden. 

Neben den genannten Fehlerquellen bleiben die größeren Herausforderungen in der Regel natürlich die Berechnung der Währungsbasisspreads (CCBS) sowie die zugehörigen Angabepflichten im Anhang. (hier vor allem IFRS 7.24).

Gerne steht Ihnen das Team des Finanz- und Treasury Management bei der Lösung dieser und weiterer Herausforderungen im Hedge Accounting beratend oder prüfend zur Seite.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 102, Juni 2020

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