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Backtesting in der Liquiditätsplanung

Backtesting in der Liquiditätsplanung

Wie genau ist Ihre Planung?

Börries Többens

Partner, Audit, Finanz- und Treasury Management, Finance Advisory

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Liquiditätsplanung

Haben Sie schon einmal Ihre Liquiditätsplanung auf den Prüfstand gestellt und deren Ergebnisse und Abweichungen genauer analysiert? Nein? So dürfte es wohl den meisten Unternehmen gehen.
Vorhandene Liquiditätsplanungen weisen nämlich oft sehr starke Abweichungen zwischen Ist- und Planungswerten auf. Die Identifikation der Ursachen und Treiber für diese Abweichungen ist oftmals nicht im Alltagsgeschäft des Corporate Treasury vorgesehen, bzw. liegt die Ursache für ein fehlendes Backtesting in der Knappheit von Ressourcen. Dabei kann sich ein Blick in die Vergangenheit lohnen, um die Wirkungszusammenhänge besser zu durchdringen. Durch ein systematisches Backtesting lassen sich Ungereimtheiten, Anomalien und Verbesserungspotenziale für die zukünftige Liquiditätsplanung aufdecken. Ein Blick zurück kann für die Liquiditätsplanung also sehr wohl zukunftsorientiert sein.

Anforderungen an die Planungsgenauigkeit

Eine der Kernaufgaben des Treasury ist die Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit. Somit ist die Feststellung der Planliquidität notwendig. Grundsätzlich ist es hinreichend, den Liquiditätssaldo auf Gesellschaftsebene zu prognostizieren, um unter Berücksichtigung der Finanzierungsinstrumente den finanziellen Spielraum zu quantifizieren.
Abweichungen zwischen Plan- und Istwerten in der Liquiditätsplanung sind ganz normal. Es ist schier unmöglich und auch nicht zweckmäßig eine Planung aufzustellen, bei der die Planwerte exakt vorhergesagt und getroffen werden. Dennoch ist eine hinreichende Plangenauigkeit elementar für jedes Unternehmen, um nicht in Schieflage zu geraten und das vorhandene Kapital effizient für sich zu nutzen.
Die Liquiditätsplanung hat sich dabei in der Praxis häufig den gleichen Anforderungen zu stellen. Es soll eine angemessene Planqualität erreicht werden. Die Definition dieser Planqualität kann sicherlich unterschiedlich aussehen, die Ursachen für eine unzufriedenstellende Planqualität sind jedoch meist auf methodische Schwachstellen der gelebten Prozesse zurückzuführen.
Oft sehen sich Treasurer mit einer kontinuierlichen Qualitätssicherung der Liquiditätsplanung konfrontiert. Hierbei ist zu beobachten, dass aufgrund fehlender Detailtiefe im Ist-Daten-Reporting häufig nur geringe Validierungsmöglichkeiten bestehen. Dadurch ist eine kontinuierliche Planverbesserung auf Basis von Abweichungsanalysen stark erschwert.
Eine weitere Herausforderung in der Liquiditätsplanung ist die Transparenz. In der Praxis zeigt sich, dass die zugrundeliegenden Treiber für Abweichungen und Ausschläge in der Planung oft nicht bekannt sind. Dabei ist eine hinreichend genaue Analyse auf Ebene der einzelnen Gesellschaften und Liquiditätspositionen für eine transparente Liquiditätsplanung elementar. Ebenso führen historisch gewachsene Planprozesse sowie eine heterogene Systemlandschaft zu einer erhöhten Komplexität. Dies alles erschwert die Entscheidungsfindungen bei der Liquiditätssteuerung.
Schließlich ist noch die Bedeutung eines adressatengerechten Reporting zu erwähnen. Die vorhandene Planmethodik und Systemlandschaft werden den Berichtsanforderungen der Stakeholder allzu häufig nur teilweise gerecht.

Voraussetzungen statistischer Auswertungen

Grundlegende Voraussetzung für eine quantitative Auswertung der Planungsqualität sind zunächst die Verfügbarkeit von Plan- als auch Ist-Werten auf einem ausreichend granularen Niveau. Je länger der verfügbare Zeitraum der Daten, desto genauer lassen sich Auswertungen erstellen. In der Regel sollten Plan- als auch Ist-Daten mindestens über ein gesamtes Kalenderjahr bzw. einen kompletten Planungszeitraum vorliegen.
Die Plan-Cashflows stammen dabei üblicherweise aus dem jeweiligen Planungssystem der Liquiditätsplanung oder aber als Budget aus dem Controlling. Im Idealfall sind Ist-Cashflows bereits verfügbar, beispielsweise aus dem Treasury Management System, dem ERP-System oder dem Banking-Tool. Alternativ kann hier eine Zusammenstellung von Daten aus Accounts Payables/Accounts Receivables (AP/AR) sowie HR- und Treasury-Zahlungen für die Ist-Daten zugrunde gelegt werden.

Backtesting Ansatz

Durch ein quantitatives Backtesting können Abweichungen zwischen Plan- und Ist-Werten aus der Liquiditätsplanung analysiert werden, um systematische Abweichungen auf Ebene der Legal Entities, Liquiditätspositionen oder Zeitabschnitten zu identifizieren. Die statistischen Auswertungen der Abweichungen und Auffälligkeiten und die damit verbundenen Interpretationen der Ergebnisse lassen sich dabei in verschiedene Indikatoren kategorisieren, beispielsweise systematische Abweichungen, Saisonalitäten, Sondereffekte etc.
Eine Kategorie der Indikatoren sind systematische Abweichungen. Dabei werden kontinuierliche Planungsabweichungen identifiziert, die auf systematische Fehlplanungen hinweisen (beispielsweise konstant niedrigere oder höhere Planwerte für eine Liquiditätsposition oder Legal Entity über eine bestimmte Periode).
Saisonalitäten sind Indikationen aus wiederkehrenden Mustern in den Plan-/Ist-Abweichungen, die auf falsche Valutaannahmen in der Planung hindeuten.
Schließlich bleiben noch Sondereffekte, welche jedoch auch mittels einer Kennzahl als Indikatoren erfasst werden können. Sondereffekte beschreiben die Identifikation einzelner, außergewöhnlicher Plan-/Ist-Abweichungen zum Mittel, die durch häufige, außergewöhnlich geringe/hohe Planwerte innerhalb einer Periode verursacht werden (Abhängigkeit von der Anzahl der Standardabweichungen).
Zusammengenommen helfen diese Indikatoren die enorme Menge an Daten aus der Liquiditätsplanung auch bei hoher Granularität tiefergehend zu analysieren. Auf dieser Basis lassen sich die Ergebnisse weiter interpretieren und Ableitungen zu Handlungsempfehlungen treffen.

Ergebnisse

Um aus den statistischen Analysen letztlich wertvolle Erkenntnisse für die Liquiditätsplanung und das Unternehmen ziehen zu können, gilt es die Auswertungen korrekt zu interpretieren und im Kontext der unternehmenspezifischen Besonderheiten aufzubereiten. Durch die Vielzahl der Daten und je nach Granularität der Liquiditätsplanung kann die Auswertung der Ergebnisse zunächst sehr komplex aussehen. Jedoch ist sie elementar, um die richtigen Schlüsse aus dem Backtesting zu ziehen.
So lässt sich durch die oben aufgeführten Abweichungsindikatoren eine absolute Transparenz in den Zahlendschungel der Liquiditätsplanung bringen. Saisonale Verschiebungen, Sondereffekte und systematische Abweichungen können schnell ausfindig gemacht und analysiert werden. Aus diesen Indikatoren wiederum lassen sich nach Interpretation konkrete Handlungsmaßnahmen ableiten, um die Ursachen für hohe Abweichungen einer Liquiditätsplanung zu beheben.

Blick auf die qualitative Dimension

Um Abweichungen aus einer bestehenden Liquiditätsplanung zu analysieren und zu beheben, ist ein Backtesting ein umfassender Ansatz. Oftmals liegen die Ursachen für Planungenauigkeiten tiefer begraben schon bevor die Plandaten generiert werden. Um eine Liquiditätsplanung ganzheitlich auf den Prüfstand zu stellen und alle Verbesserungspotenziale hinsichtlich der Planungsqualität aufzudecken, bedarf es einer zusätzlichen Dimension – einem qualitativen Review.
Zu den zentralen Elementen der qualitativen Dimension zählen:

  • Daten (Aufnahme Datenbasis, Evaluation qualitativer Informationsgüte)
  • Methoden (direkter vs indirekter Ansatz, Bestimmung Planparameter, Planstruktur Liquiditätspositionen, Planungshorizont)
  • Systeme (technische Implementierung, Funktionalitäten IT-Systeme, Konnektivität zwischen Schnittstellen)

Betrachtet man die qualitative und quantitative (Backtesting) Dimension der Liquiditätsplanung in Summe, lassen sich fundierte Aussagen zur Planungsqualität, Abweichungen und deren Ursachen treffen.

Fazit

Wie eingangs erwähnt lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit der Liquiditätsplanung durchaus für Corporate Treasurer. Ein Backtesting lässt sich auf verschiedene Art und Weise und auf unterschiedlicher Granularitätsstufe durchführen. Wichtig ist, dass die Erkenntnisse richtig interpretiert und für die zukünftige Liquiditätsplanung genutzt werden. Eine höhere Planungsgenauigkeit bietet automatisch eine höhere Gewissheit für die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Hinzukommt, dass durch die strukturierte Kenntnis der Zusammenhänge auch eine verbesserte Szenarioanalyse und Simulationen ermöglichst werden. Damit einher geht eine präzise Analyse des Liquiditätsbedarfs und des notwendigen Liquiditätspuffers. Neben der effizienteren Allokation von Kapital ist schlussendlich die erhöhte Transparenz über die Liquidität im Unternehmen der zentrale Vorteil eines solchen Backtestings.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 102, Juni 2020

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