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Die CO2-Bilanz reduzieren

Die CO2-Bilanz reduzieren

oder wie auf dem Weg zur Energiewende mit Hilfe des Treasury Managements ein Wettbewerbsvorteil erzielt werden kann

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CO2-Bilanz

Der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft wird als das wirksamste Instrument zur Eindämmung des Klimawandels angesehen. Das politische Engagement dahinter wurde durch das Pariser Abkommen von 2015 bestätigt, welches vorsieht, dass die globalen Treibhausgasemissionen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf null sinken. Gegenwärtig sind die Vertragsparteien nicht verpflichtet, ihre Emissionen zu reduzieren, müssen jedoch darüber Bericht erstatten und die Reduktionsbemühungen erläutern. Diese freiwilligen Maßnahmen können in Zukunft zur Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen führen, insbesondere wenn die Vertragsparteien Leistung und Fortschritt vergleichen. Daher können Unternehmen, die keine Dekarbonisierungsstrategie vorbereiten, regulatorischem Druck ausgesetzt sein, die Klimaziele der Länder, in denen sie tätig sind, zu unterstützen. Zudem wird es für Zulieferer sowie Vertriebspartner immer wichtiger, dass ihre Waren in einer klimaneutralen Produktion verwendet werden, respektive klimaneutral hergestellt worden sind. Als Beispiel können amerikanische Handelsketten dienen, die ihre Zulieferer verpflichten, einen signifikanten Anteil an Grünstrom zur Erzeugung der angebotenen Produkte zu verwenden. Auch achten die Verbraucher mittlerweile deutlich stärker auf die ökologische Bilanz ihrer Einkäufe. 

Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium dieses Übergangs und es ist noch nicht ersichtlich, wie sich alle Veränderungen und ihre Folgen auswirken werden. Es ist jedoch klar, dass neben Energieunternehmen große energieintensive Unternehmen eine führende Rolle bei der signifikanten Reduzierung von Emissionen durch Energieeffizienzprogramme oder durch die Beschaffung erneuerbarer Energien, spielen. Auch ohne Kenntnis des Zeitplans der globalen Energiewende können Unternehmen mit einer Energiestrategie sich besser auf neue Anforderungen an Klimaneutralität und die Möglichkeiten alternativer Energiebeschaffung einstellen. 

Jedes Jahr geben große Unternehmen Millionen für Energie aus. Außerhalb der energieintensiven Branchen betrachtet die Mehrheit der Unternehmen die Energiebeschaffung eher als zu verwaltende Kosten und nicht als einen strategischen Bereich in der Wertschöpfungskette. Wenn Unternehmen keine Dekarbonisierungsstrategie haben, besteht das Risiko, dass sie langfristig das Vertrauen der Stakeholder, Marktanteile, Unterstützung durch die Community, Investitionsmöglichkeiten und Mitarbeiterbindung verlieren und das Überleben des Unternehmens gefährden. Auch eine unzureichende Berücksichtigung der von der EU vorangetriebene ESG-Strategie kann zu Einschränkungen der Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung führen (siehe Treasury-Newsletter Nr. 88 vom Februar 2019). Energie, die bisher nur auf Kostenbasis gemessen wurde, wird heute zu einem der wichtigsten Hebel für den Geschäftserfolg. Hierbei können im Zusammenspiel zwischen Einkauf und Treasury Management schon heute Erfolge erzielt werden. Oftmals passiert das durch den Abschluss strategischer PPAs oder dem sogenannten „Greening“ des eingekauften Stroms. Dies ist der Prozess bei dem Unternehmen freiwillig CO2-Zertifikate beschaffen, um den Ausstoß von Abgasen des zur Produktion eingesetzten Grau- oder Braunstroms ganz oder teilweise zu kompensieren. Dabei koordiniert das Treasury Management die Bestimmung des zukünftigen Bedarfs (Exposure) und agiert nachfolgend federführend bei der Exekution der Strategie am Markt.

Es wird auch immer deutlicher, dass Dekarbonisierungsstrategien langfristig geplant sein müssen, obwohl das makroökonomische Umfeld rund um die Dekarbonisierung sich rasch verändert. Mit einer geeigneten Strategie können zum Beispiel langfristige Preis- und Mengenrisiken in der Energiebeschaffung gemindert, sowie eine gewisse Unabhängigkeit von den volatilen Energiepreiseffekten fossiler Brennstoffe geschaffen werden. Unvorhersehbare Energiepreise können sich auf die Stromkosten sowie die Kosten für flüssige und gasförmige Brennstoffe auswirken. Die Dekarbonisierung verringert auch das Exposure eines Unternehmens für potenzielle CO2-Preise. Durch eine langfristige Strategie können Unternehmen daher Krisenzeiten besser überstehen. Dies bedeutet aber nicht nur die Risiken zu berücksichtigen, sondern auch die sich kurzfristig auftuenden Möglichkeiten und Anreize für Unternehmen, die Veränderung voranzutreiben, wahrzunehmen. Denn die Dekarbonisierung und Maßnahmen zur Nachhaltigkeit können zu profitablen Chancen führen. Ein Vorreiter bei der Nutzung kohlenstoffarmer Energie zu sein, kann zu kommerziellen Vorteilen führen. Beispielsweise können Unternehmen mit einer bestimmten Nachhaltigkeitsakkreditierung (wie die „CO2 Performance Ladder“ in den Niederlanden) bei der Vergabe von Auftragsprozessen eine Vorzugsbehandlung erhalten. Die Entwicklung alternativer Lösungen und die Reduzierung der CO2-Emissionen ermöglichen es Unternehmen, ihre Wettbewerber zu übertreffen, indem sie sich direkt (kurzfristig) und langfristig einen Kostenvorteil sichern.

Möglichkeiten die CO2-Bilanz zu verbessern

Unternehmen haben mehrere Möglichkeiten, ihre CO2-Bilanz zu senken, angefangen von Energieeffizienzprojekten bis hin zur Entwicklung der eigenen Erzeugung erneuerbarer Energien.

Energieeffizienzprojekte zielen darauf ab, die CO2-Emissionen im Unternehmen zu reduzieren, aufgrund eines geringeren Energieverbrauchs oder weniger Emissionen pro Energieeinheit. Diese Projekte können sehr vielseitig sein und je nach Ausgestaltung auch ohne Beteiligung des Treasury Managements implementiert werden. Zum Beispiel kann eine sparsamere Verwendung von Kraftstoffen oder eine effizientere Art der Verwendung von Materialien zu CO2-Reduktion in Unternehmen führen.

Etwas komplexer auch in der Umsetzung ist der Erwerb und das Management von Zertifikaten oder Herkunftsnachweisen mit dem Ziel des CO2-Ausgleichs. Diese Projekte erfordern die Expertise der Treasurer, da es sich hierbei um komplexe Finanzinstrumente handeln kann.

Ein aktuell beliebtes Mittel zur Verbesserung der CO2-Bilanz ist die eingangs erwähnte Beschaffung erneuerbarer Energien durch Power Purchase Agreements (PPA)1. Diese sind grundsätzlich in zwei Hauptarten am Markt zu finden. In einem physischen PPA speist der Produzent in die gleiche Preiszone ein, aus der die Gegenpartei den Strom entnimmt. Dabei findet eine direkte physische bilanzkreisrelevante Lieferung statt. Man unterscheidet zwischen On-site (bei räumlicher Nähe zwischen Erzeuger und Lieferant) und Off-site PPA, wenn der Strom durch das öffentliche Netz an den Verbraucher geliefert wird. Die zweite Art von PPAs sind synthetische, auch virtuelle PPAs genannt, die Stromproduzenten und Verbraucher aus verschiedenen Preiszonen zusammenbringen. In PPA Verträgen sind nicht nur die klassischen Parameter wie Abnahmemengen, Lieferzeiten und Preise festgelegt, sondern zum Beispiel auch gegenseitige Verhaltensvorschriften, Instandhaltungspflichten und Kündigungsklauseln. Die Bewertung für PPAs stellt die Vertragsparteien aufgrund mehrerer Faktoren vor größere Herausforderungen. Die typischen Risiken und Fragestellungen sind Kontrahentenrisiken, Mengenrisiken, Fremdwährungsrisiken, die Integration in bestehende Softwarelandschaften sowie die bilanzielle Abbildung – die damit die Kernkompetenz des Treasury berühren.

Auch die eigene Erzeugung und das Management von erneuerbaren Energieanlagen kann als Möglichkeit im Rahmen einer Dekarbonisierungsstrategie in Betracht gezogen werden. Hier sind allerdings profundes energiewirtschaftliches Know-How und die Implementierung von entsprechenden Prozessen und Strukturen vorhanden oder müssen aufgebaut werden.

Herausforderungen bei der Beschaffung von erneuerbaren Energien

Bei der Beschaffung erneuerbarer Energien stehen Unternehmen vor großen Herausforderungen und müssen unterschiedliche Risikoprofile verwalten, da sich die Geschäftstätigkeit über verschiedene Regionen und Märkte erstrecken kann. Es braucht Erfahrung und Know-How innerhalb der Organisation, die Programme zur Erreichung der Ziele für erneuerbare Energien umzusetzen. 

Da es eine Vielzahl von Technologien und Vertragsoptionen auf dem Weg zur Dekarbonisierung gibt, müssen die Entscheidungsträger in der Lage sein, die komplexen Auswahlmöglichkeiten bewerten zu können. Des Weiteren muss über angemessene Finanzierung oder Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht werden, damit die Ziele wie gewünscht erreicht werden können. International agierende Unternehmen stehen zusätzlich vor der Herausforderung, Investitionen in verschiedenen Ländern, unter Berücksichtigung von lokalen Preisen, Steuern, Subventionen und/oder anderen finanziellen Anreizen zu tätigen. Der Umgang mit mangelnder unterstützender lokaler Infrastruktur oder Engagement auf Länderebene für den Planungsprozess muss in der Strategie berücksichtigt werden.

Strategische Überlegungen

Im Wesentlichen müssen sich Unternehmen Ansichten über die wichtigsten strategischen Überlegungen bilden, um erfolgreich zu sein, und sie müssen die richtige Kombination von Fachwissen über verschiedene Funktionen hinweg sicherstellen, um die am besten geeigneten Lösungen zu entwickeln.

Die Umsetzung der Dekarbonisierungsstrategie erfordert einen integrierten und schrittweisen Ansatz, der in vier Stufen eingeteilt werden kann:

  1. Beurteilung der Unternehmensziele
    Unternehmen brauchen eine klare Definition und Bewertung von kurzfristigen und langfristigen Zielen, die sich an den wichtigsten zu treffenden Maßnahmen, Entscheidungstreiber und Unternehmensbeschränkungen orientieren sollte. Überlegungen strategischer Natur, zu Finanzierung und Steuern, Technologie aber auch zu sozialer und ökologischer Akzeptanz sind bereits in dieser Phase zu planen.
  2. Optionen und Strategie entwickeln
    Wenn die Unternehmensziele definiert sind, können Optionen für die Bewertung und Entscheidungsfindung entwickelt sowie mögliche Projekte in kurz-/langfristige Beschaffungsstrategie gruppiert werden. Die Entwicklung eines robusten und dynamischen Finanzmodells zur Validierung aller Optionen und Erstellung von Ergebnissen auf verschiedenen Konsolidierungsebenen für jede einzelne Option dient der besseren Bewertungsmöglichkeit und Planbarkeit der Implementierung. Des Weiteren sollte eine Bewertung der Finanzstrukturen nach Rechtsprechung (zum Beispiel Eigenkapital, Schulden, Klimaanleihen, usw.) durchgeführt werden, die Finanzierungsstrukturen, Partnerschaften und Vertragsstrategien (PPA, Zertifikate) berücksichtigt.
    Die technischen Optionen und die kritische Überprüfung der Gesamtverbreitung von Technologien aus Sicht von Capex/Opex sind ebenso wichtig wie die Identifizierung der Technologierisiken und Bewer-tung der Leistung unter lokalen Bedingungen. Die Entscheidung über Technologietyp (Wind, Sonne, Wasser, Biomasse, Geothermie) sowie Installationsart (On-site, Off-site) und regulatorische Einschränkungen müssen bestimmt werden. Auch müssen Marktbedingungen (Beschaffungsoptionen, Preisgestaltung, Steuern und Anreize, Bereitschaft und soziale Akzeptanz) evaluiert werden, um die Markteinführungsstrategien und Programm-Governance zu definieren.
  3. Bewertung und Roadmap
    Die in der Dekarbonisierungsstrategie festgelegten Ziele müssen auf die realisierbarsten Optionen und Markteinführungsstrategien sowie Auswirkungen auf Entscheidungsträger bewertet werden. Die Entwicklung einer kurz- und langfristigen Roadmap unterstützt die Umsetzung basierend auf lokalen Erkenntnissen sowie finanziellen und operativen Kriterien. Die Programmstruktur und das Governance-Modell sollten Beschaffungshebel und -szenarien und lokale Lösungen (zum Beispiel Verfügbarkeit von PPAs und Marktlieferanten) identifizieren. Die Implementierungs-Roadmaps dienen als Basis für das Management der Programmimplementierung.
  4. Implementierung
    Überlegungen und Umsetzung einer Dekarbonisierungsstrategie sind komplex und erfordern die Beteiligung und das Know-How vieler Bereiche. Das Treasury ist insbesondere bei der Abwicklung, sprich Finanzierung und Liquiditätsplanung sowie im Risikomanagement wie zum Beispiel bei Fremdwährungs- und Zins-Hedges beteiligt. Die Fragestellungen reichen von der Entwicklung und Implementierung der Strategie bis zu Bewertung und Abbildung von Finanzinstrumenten (Zertifikate, PPAs, usw.) im operativen Geschäft.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 101, Mai 2020

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Wir berichteten in Ausgabe 95, Artikel: Stromeinkauf wird zum Thema für das Treasury – Risikomanagement von Power Purchase Agreements 

 

 

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