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Transport-Herausforderungen meistern: Liquidität und Handlungsfähigkeit trotz Covid-19

Liquidität in der Transportbranche trotz Covid-19

Ausfälle in Lieferketten und schwankende Frachtvolumina machen Transport- und Logistikunternehmen zu schaffen.

Dr. Steffen Wagner

Partner, Head of Transport & Leisure

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Die Transport- und Logistikwirtschaft steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer traditionsreichen Geschichte. Durch die Ausbreitung des neuen Corona-Virus SARS-CoV-2 kommt es weltweit zu weitreichenden Einschränkungen für alle Verkehrsträger sowie zu Ausfällen in Supply Chains und daraus resultierenden Schwankungen im globalen Frachtvolumen. Für viele Unternehmen bedeuten die neuen Reglementierungen im internationalen Personen- und Güterverkehr reale und unmittelbare Herausforderungen für den eigenen Betrieb, ihre Mitarbeiter und die Auslastung von Transportkapazität.

Eine intermodale Herausforderung

Der Rückgang des globalen Frachtvolumens und die Einstellung der industriellen Produktion an vielen Standorten birgt unmittelbare intermodale Nachfragerisiken für Unternehmen. Die volatile Nachfragesituation erfordert ein hohes Maß an unternehmensübergreifender Kommunikation, Information und Flexibilität, um den Einschränkungen für spezielle Modalitäten angemessen und zeitgerecht zu begegnen und vorhandene Kapazitäten ausreichend auszulasten. Die Herausforderungen für einzelne Verkehrsträger sind dabei vielfältig und unterschiedlich stark ausgeprägt.

Luftfracht

Insbesondere das Luftfrachtsegment ist durch die aktuellen Reglementierungen betroffen. Als asset-lastiger und kapitalintensiver Wirtschaftszweig mit hohem Leasinganteil bei einigen Flotten sind Liquiditätsrisiken insbesondere für Airlines relevant, die das ausbleibende Passagieraufkommen stark zu spüren bekommen. Der faktische Stillstand des europäischen Passagierverkehrs hat dabei auch weitreichende Auswirkungen auf die Logistik, da anteilige Transportkapazität auf Passagiermaschinen nicht abgerufen werden kann und es dadurch zu Nachfrageeinbrüchen in abhängigen Industriezweigen kommt.

Seefracht

Auch im Seefrachtsegment ist mit Einschränkungen und Verzögerungen bei Prozessabläufen zu rechnen. Das betrifft insbesondere Hafenanlagen. Zudem bedeuten Krankheit und Quarantäne ein hohes Ausfallrisiko beim Personal. Durch die Umlagerung von Kapazität aus anderen Modalitäten kommt es zu andauernder Preisvolatilität, die zusätzlich durch das Ausbleiben von großen Frachtvolumina aufgrund von Produktionsstopps beeinflusst wird.

Straße & Schiene

Im europäischen Binnenverkehr sind auch Straßen- und Schienenverkehr betroffen. Insbesondere im grenzübergreifenden Güterverkehr ist die Leistungserbringung der Unternehmen durch teils unklare Regelungen zum Grenzübergang für Berufskraftfahrer stark beeinträchtigt. Durch den hohen Fragmentierungsgrad der Branche in Europa spielen auch Koordination und Zuteilung von Kapazitäten eine zentrale Rolle für viele Unternehmen. Produktionsstopps in industriellen Anlagen sowie ein allgemeiner Nachfragerückgang wirken sich negativ auf die wirtschaftliche Gesamtsituation aus.

Post & Paket

Ganz andere Herausforderungen hat das Post- und Paketgeschäft zu bewältigen. Die Nachfrage nach Lieferdiensten und individuellen Zustellungen hat vor allem im urbanen Raum stark zugenommen. KEP und Zustelldienste sehen sich hier mit Risiken für die eigene Leistungserbringung konfrontiert, da die erhöhte Nachfrage trotz personeller Engpässe und der Berücksichtigung des Mitarbeiterschutzes (z.B. durch kontaktlose Zustellungen) bewältigt werden muss. Diese Entwicklungen sind auch gesamtwirtschaftlich und im Versorgungskontext kritisch zu betrachten.

Rückgrat der Versorgung

Die globale Logistikbranche ist das Rückgrat der humanitären und wirtschaftlichen Versorgung. Das macht sich ganz besonders in herausfordernden Situationen wie der aktuellen Pandemie bemerkbar. Für die Transport- und Logistikunternehmen bedeutet das, sowohl ihre unternehmerische und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen aber auch ihre eigene Leistungserbringung und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit durch die Aufrechterhaltung versorgungsrelevanter Lieferketten zu gewährleisten. Dem Schutz der Beschäftigten stellt dabei eine besonders wichtige Aufgabe dar, bei der besonnenes und strukturiertes Handeln entscheidend ist.

The Bigger Picture

Neben der Sicherstellung der fortwährenden Handlungsfähigkeit, etwa durch Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter oder Anpassung von Prozessen (z.B. Kontaktverminderung bei Be- und Entlade- sowie Zustellprozessen), ist auch die gesamtwirtschaftliche Lage zu betrachten. Dedizierte Szenario- und Risikoanalysen können hierbei kritische Abhängigkeiten und Herausforderungen identifizieren. Ein entscheidendes Risiko stellt dabei auch die potenzielle Zahlungsunfähigkeit von Kunden dar, die gegebenenfalls durch eigene Nachfragerisiken ausgelöst wird. Eine frühzeitige Bewertung dieser Risiken im Kundenportfolio ist daher ratsam, um eigenen Liquiditätsrisiken vorzubeugen und frühzeitig Unterstützungsmöglichkeiten durch Bundes- und Landeshilfen zu planen und zu initialisieren.

3 Fragen für die Logistik

In dieser dynamischen Situation dominieren einige zentrale Fragestellungen die Debatte in der Transport- und Logistikbranche:

  • Welche Szenarien für die weitere Entwicklung der Krise sind wahrscheinlich und zu beachten?
  • Welche Maßnahmen sollten Transportunternehmer jetzt ergreifen und wie können Mitarbeiterschutz und Erhalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bestmöglich vereint werden?
  • Welche Unterstützung gibt es bei Liquiditätsengpässen und weiteren betrieblichen Risiken für die Transportbranche?

Während die Ausprägung dieser Fragestellungen je nach Modalitäten, Kunden und wirtschaftlicher Unternehmenslage variieren kann, treffen die entscheidenden Risiken auf die gesamte Branche zu: die schwankende Nachfrage und die Unsicherheiten bei Leistungserbringung und Zahlungsfähigkeit. Erfolgsentscheidend für die fortwährende wirtschaftliche Handlungsfähigkeit während der aktuellen Situation und darüber hinaus ist demnach ein konsequenter und strukturierter Fokus auf die Bewertung von eigenen und externen Liquiditätsrisken sowie die Sicherung der eigenen Leistungsfähigkeit. 

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