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Intelligent Treasury

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Die nächste Evolutionsstufe im Treasury

Nils A. Bothe

Partner, Audit, Finanz- und Treasury Management, Finance Advisory

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Intelligent Treasury

Unter dem Deckmantel der Digitalisierung werden Automatisierung, Innovation und Agilität zur Leitlinie vieler Unternehmensstrategien. In den Vorstandsetagen wird die Digitalisierung als Ziel formuliert und der Druck auf viele Unternehmensbereiche, zur Zielerreichung beizusteuern, steigt. So auch im Treasury. Durch den disruptiven Wandel im Markt und dem kontinuierlichen Fortschritt der Technologien steht das 2015 von uns ausgerufene Treasury 4.0 vor einer neuen Entwicklungsstufe. Das Intelligent Treasury.

Darunter verstehen wir ein Konzept, das aus End-to-End-Prozessen besteht, keine Medienbrüche zulässt und Prozesse intelligent miteinander vernetzt. Dabei ist der Einsatz modernster Technologien, wie etwa die Unterstützung durch Machine Learning oder Robotic Process Automation Voraussetzung und Enabler zugleich. Als Basis für unser Whitepaper zum aktuellen Stand der Evolution hin zum Intelligent Treasury haben wir innerhalb der Treasury-Community zwischen Oktober 2019 und Januar 2020 eine Umfrage durchgeführt. Der Fokus der Umfrage lag dabei auf den Prozessen und der Organisation, der Veränderungsbereitschaft im Unternehmen sowie der Technologie ganz allgemein. In diesem Artikel möchten wir Ihnen einen ersten kurzen Einblick darüber geben, welche Themen die Teilnehmer bewegen und wie diese mit unserer Vision vom Intelligent Treasury zusammenspielen.

Neue Herausforderungen im Treasury wird es immer geben…

…doch diese sind nicht immer vorhersehbar. Die aktuell wirtschaftlich unsicheren Zeiten, ausgelöst durch den Coronavirus, haben uns auch gelehrt, wie wichtig es ist, sich wieder vermehrt auf die Kernkompetenzen des Treasury zu fokussieren:

  • Transparenz über die Cash Positionen und Verortungen im Unternehmen verbunden mit einem verlässlichen Forecast über die Bedarfe in kurzer und mittlerer Frist
  • Frühzeitiges Erkennen von Liquiditätsengpässen
  • Sicherstellung jederzeitiger Zahlungsfähigkeit
  • Identifikation und Minimierung von Risiken

Darüber hinaus gilt es, die Wertschöpfungskette effektiv und effizient zu gestalten. Das Intelligent Treasury beschäftigt sich nicht nur mit dem Ziel manuelle Tätigkeiten auf das Nötigste zu reduzieren, sondern auch mit der reibungslosen Kommunikation zwischen den verschiedenen Systemen innerhalb der Treasury IT-Landschaft. Auch die Umfrage bestätigt: 96% der Befragten beabsichtigen in ihrer Strategie, Prozesse und Systeme enger verzahnen zu wollen oder zentral in einem System abzubilden.

Um die stetig wechselnden Herausforderungen zu meistern, sind agile Handlungsmethoden und Transparenz gefragt: Einerseits, um auf die dynamischen Veränderungen im Marktumfeld zu reagieren, andererseits aber auch um die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens weiterhin zu gewährleisten.

Klarer Fokus auf Zentralisierung

Weiterhin geht aus unserer Umfrage hervor, dass 89% der Befragten stärker auf eine Zentralisierung ihrer Treasury-Aktivitäten abzielen. Die Frage ist nicht, ob zentralisiert werden soll, sondern was genau zentralisiert werden kann und soll. So steigt zum Beispiel der Anspruch, häufiger und genauer gegenüber dem Management zu berichten. Es besteht die Anforderung auf Knopfdruck Daten an entsprechende Interessensträger, zum Beispiel auch Finanzbehörden, zu liefern. Durch eine dezentrale Verlagerung der Prozesse entstehen unnötige Zeitverzögerungen im Gegensatz zum Echtzeit-Reporting, welches erst durch den Einsatz neuer Technologien sowie der Zentralisierung der Tätigkeiten möglich wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zuvor angesprochene Steigerung der Transparenz. Durch einen zentralisierten Ansatz hat die Finanzabteilung einen Überblick über das Geschehen in der Zentrale wie auch in den lokalen Einheiten. Aufwände zur Abstimmung mit lokalen Ansprechpartnern entfallen was dabei hilft, sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können.

IT Roadmap optimieren und innovative Technologien einsetzen

Die Zentralisierung und ein echtes Straight-Through-Processing ist an die Gegebenheiten der Prozess- und Systemlandschaft gekoppelt. Das höchste Potenzial für automatisierte Prozesse bergen laut unserer Umfrage die Bereiche Zahlungsverkehr (67%). Cash Management (58%) und Liquiditätsplanung (49%).

Das Risikomanagement scheint im Bereich der Zentralisierung mit 18% in unserer Umfrage zwar nicht zu den obersten Prioritäten der Treasurer zu zählen, dennoch zeigt ein Blick in die Zukunft auch hier interessante Entwicklungsmöglichkeiten: Eine Verschmelzung der Liquiditätsplanung mit dem Risikomanagement wird demnach immer wahrscheinlicher und auch sinnvoll. Mit Hilfe von modernen Predictive Analytics Methoden (zum Beispiel Zeitreihenanalysen) lassen sich Planwerte fortschreiben, eine währungsdifferenzierte Liquiditätsplanung erstellen und daraus das weltweite FX Exposure automatisiert ableiten.

Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand: Der zuvor angesprochene zentrale Strategieansatz kann damit weiter ausgebaut werden. Auf zentraler Ebene reicht ein kurzer Plausibilitätscheck der gemeldeten Daten aus. Ferner verschiebt sich das Aufgabenspektrum zu einer prozessorientierten Tätigkeit. Diese Form der Datenverarbeitung bietet wiederum den Vorteil, sich lückenloses Know-how über die Prozesse zu verschaffen. Dadurch werden auf regionaler Ebene weniger Ressourcen im Treasury benötigt.

Die Investition in neue Technologien erfordert aber auch eine immer enger werdende Abstimmung, Kommunikation und Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung. Schon heute arbeiten die Fachbereiche eng zusammen und die Tätigkeiten verschmelzen stärker miteinander. Zum einen, weil der Fachbereich die Anforderungen an die IT stellt. Zum anderen muss die IT in der Lage sein, die Umsetzung und Machbarkeit dieser Anforderungen korrekt einschätzen und beratend zur Seite stehen zu können. Dabei muss zukünftig auch vermehrt das Treasury, gemeinsam mit der IT als Sparringspartner, an der Entwicklung der IT-Roadmap des Unternehmens arbeiten, um Technologie und Business optimal miteinander zu vereinen.

Analytische Skills sind gefragt

Eine dieser neuen Technologien bestärkt auch das Treasury Reporting bzw. Treasury Analytics. Generell beabsichtigen 21% der Teilnehmer unserer Umfrage zukünftig Analytics im Treasury einzusetzen oder weiter auszubauen. Diese genannte Anwendungsmöglichkeit ist nur ein Indiz dafür, dass die Tätigkeiten im Treasury stets weiter digitalisiert werden, führt aber auch zu einer Veränderung der Personalstrategie. Es steigt die Nachfrage nach Fortbildungen, um die IT-Kenntnisse der Treasury-Mitarbeiter aufzubessern. Die Mehrheit (84%) gab an, bereits heute oder in Zukunft Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen von bestehenden Mitarbeitern zu fördern und weiter auszubauen.

Deutlich erkennbarer werden die Veränderungen aber auch bei der Personalauswahl von neuen Angestellten: heutige Stellenausschreibungen (93%) setzen die Kombination aus relevanten Fachkenntnissen und technischer Affinität bei den Bewerbern bereits voraus. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Fähigkeit, vorhandene Daten zu analysieren und daraus entsprechende Rückschlüsse liefern zu können ein wichtiges Einstellungskriterium ist. So können adäquate Entscheidungsvorlagen an das Management geliefert und die Entscheidungswege verkürzt werden. Die Tätigkeitsschwerpunkte verschieben sich somit von der Datenbeschaffung und -Aufbereitung hin zur Analyse und Interpretation.

Veränderungsbereitschaft und Rückbesinnung auf das Fundament des Treasury

Als vorläufiges Ergebnis unserer Umfrage zum Intelligent Treasury ziehen wir folgendes Fazit:

Unternehmensstrategien richten sich heute auf das aus, was morgen kommt. Der disruptive Wandel erfordert, sich kontinuierlich zu hinterfragen und anzupassen. Dabei ist gemäß unserer Umfrage die Veränderungsbereitschaft in der gesamten Treasury Community hoch. Das Repertoire an Möglichkeiten, sich dieser Veränderungen anzunehmen, erstreckt sich über verschiedene Technologien hinweg. Diese revolutionieren den Treasury-Markt maßgeblich. Bedeutend in der nahen Zukunft sind, neben dem Einsatz von Analytics unter anderem cloudbasierte TMS-Lösungen, künstliche Intelligenz oder auch Robotics Process Automation. Nicht nur die Unterstützung durch technische Hilfsmittel ist ausschlaggebend: eine 100-prozentige Transparenz unterstützt die Entscheidungsfindung und garantiert ein lückenloses Prozessverständnis.

Digitalisierung ist wichtig und notwendig. Das ist der Treasury Community auch mehr als bewusst. Dies belegen unsere Umfrage, aber auch die vielen Gespräche, die wir tagtäglich mit unseren Kunden führen. Dennoch zeigt uns die aktuelle Situation auch, wie wichtig es ist, sich kurzfristig auch auf die Kernkompetenzen im Treasury zurückzubesinnen: die Schaffung größtmöglicher Transparenz über die Liquidität des Unternehmens, die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit sowie ein adäquates Risikomanagement

Mittel- und langfristig bleibt dem Treasury die Digitalisierung aber nicht erspart. Aus diesem Grund erhalten Sie mit diesem Artikel eine exklusive Vorschau auf unser Whitepaper. Einen detaillierten Einblick in die Ergebnisse unserer Umfrage sowie unsere Vision vom Treasury der Zukunft – dem Intelligent Treasury – erhalten Sie mit der Veröffentlichung unseres Whitepapers zum Intelligent Treasury im Juni 2020.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 100, April 2020

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