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Die Coronavirus-Pandemie Covid-19 beeinträchtigt die finanzielle Leistungsfähigkeit vieler Unternehmen. Möglicherweise beabsichtigen Unternehmen, diese Auswirkungen durch quantitative und qualitative Informationen innerhalb oder außerhalb der IFRS-Konzernabschlüsse und IFRS-Zwischenabschlüsse (im Folgenden kurz Abschlüsse) hervorzuheben und zu erläutern.

Im Folgenden wird anhand ausgewählter Fragestellungen erläutert, wie die Auswirkungen von Covid-19 auf das Ergebnis in der Gewinn- und Verlustrechnung dargestellt werden können. Davon unabhängig wird die Darstellung im konkreten Einzelfall von den spezifischen Verhältnissen im Unternehmen selbst abhängen, insbesondere von Art und Umfang der Auswirkungen sowie von der Fähigkeit, diese willkürfrei und zuverlässig zu quantifizieren.

Wo sollen die Auswirkungen von Covid-19 in den Abschlüssen dargestellt werden?

Gemäß IAS 1 Darstellung des Abschlusses sind Art und Betrag wesentlicher Ertrags- oder Aufwandsposten entweder in der Gewinn- und Verlustrechnung oder im Anhang gesondert anzugeben. [IAS 1.97]

Ob ein Unternehmen die Auswirkungen von Cocid-19 in der Gewinn- und Verlustrechnung darstellt oder im Anhang offenlegt, hängt ab von:

  • der Intensität der Auswirkungen auf das Unternehmen und
  • seiner Fähigkeit, sie willkürfrei zu bestimmen.

Die willkürfreie Bestimmung der Auswirkungen von Covid-19 kann sich als schwierig erweisen, da die Abgrenzung zwischen Erträgen und Aufwendungen, die Teil des normalen Betriebs sind, und solchen, die aus der Pandemie resultieren, mit erheblicher Subjektivität verbunden sein kann. Unternehmen müssen sorgfältig abwägen, ob sie in der Lage sind, die Auswirkungen von Covid-19 willkürfrei zu bestimmen, um den Nutzern ihrer Abschlüsse relevante und zuverlässige Informationen zur Verfügung zu stellen.

In einigen Fällen kann das Unternehmen zwar die Auswirkungen von Covid-19 bestimmen, stellt jedoch fest, dass sie so umfassend sind, dass sie fast alle Einzelposten in der Gewinn- und Verlustrechnung betreffen. In diesen Fällen ist eine getrennte Darstellung der Auswirkungen in der Gewinn- und Verlustrechnung möglicherweise wenig aussagekräftig und stattdessen eher eine Erläuterung im Anhang hilfreich.

In anderen Fällen können die Auswirkungen von Covid-19 so tiefgreifend sein, dass das Unternehmen nicht in der Lage ist, die Gesamtauswirkungen von Covid-19 auf willkürfreier Basis zu bestimmen. Unter diesen Umständen sollten u. E. die Auswirkungen nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden. Stattdessen sollte das Unternehmen erwägen, sie im Anhang offen zu legen, (wenn möglich) quantitative und qualitative Informationen bereitzustellen und anzugeben, ob nur einige oder alle Auswirkungen ermittelt und erläutert wurden.

Ein Unternehmen hat sicherzustellen, dass die gewählte Darstellung nicht irreführend ist und für das Verständnis des Abschlusses durch die Benutzer relevant ist. So wäre es beispielsweise unangemessen, ausschließlich die Aufwendungen im Zusammenhang mit Covid-19 darzustellen, wenn sowohl Erträge als auch Aufwendungen betroffen sind.

Unternehmen sollten auch alle relevanten regulatorischen Richtlinien zur Darstellung und Offenlegung der Auswirkungen von Covid-19 im Abschluss berücksichtigen. Beispielsweise ruft die europäische Regulierungsbehörde ESMA1 in ihrem jüngsten Public Statement2 zur Vorsicht bei der gesonderten Darstellung der Auswirkungen in der Gewinn- und Verlustrechnung auf, da diese mutmaßlich tiefgreifend sind. Die ESMA ermutigt die Emittenten dagegen, quantitative Angaben zu den Auswirkungen im Anhang zu machen.

Bestimmung von Covid-19-bezogenen Erträge und Aufwendungen

Bei der Bestimmung der Auswirkungen von Covid-19 sollte u. E. ein Unternehmen nur die Erträge und Aufwendungen als Covid-19-bezogen betrachten, die inkrementell und direkt der Covid-19-Pandemie zuzuordnen sind. Dabei handelt es sich um Erträge und Aufwendungen, die ohne den Ausbruch der Covid-19-Pandemie nicht angefallen wären und von denen nicht erwartet wird, dass sie wieder auftreten, sobald die Auswirkungen der Pandemie weitgehend zurückgegangen sind.

Wiederkehrende Erträge und Aufwendungen, die unabhängig von Covid-19 anfallen, sind nicht inkrementell. Daher sind solche Erträge oder Aufwendungen u. E. nicht als durch Covid-19 verursacht  zu betrachten und in der Gewinn- und Verlustrechnung dementsprechend auch nicht gesondert darzustellen. Derartige Erträge und Aufwendungen können z. B. betreffen:

  • Gehälter für freigestellte Mitarbeiter;
  • Abschreibung von Betriebsanlagen, wenn die Produktion ausgesetzt wird und
  • Miet- und Nebenkosten, die bei vorübergehenden Schließungen anfallen.

Im Anhang können dagegen zusätzliche Informationen über solche Auswirkungen von Covid-19 auf die finanzielle Leistungsfähigkeit offengelegt werden, sofern sie nützlich und nicht irreführend sind. Zur Diskussion über die Kennzeichnung von Erträgen und Aufwendungen im Zusammenhang mit Covid-19 als "ungewöhnlich" oder "außergewöhnlich" siehe weiter unten.

Die Bestimmung der zusätzlichen Erträge und Aufwendungen, die sich direkt auf Covid-19 zurückführen lassen, unterliegt Ermessen. Wie hoch der Ermessensspielraum dabei ist, hängt von den spezifischen Fakten und Umständen des jeweiligen Unternehmens ab. Daher können Erläuterungen zum Umfang des angewendeten Ermessens im Anhang erforderlich sein.

Bestimmte Erträge und Aufwendungen lassen sich ohne Weiteres als direkt durch Covid-19 verursacht identifizieren. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • zusätzliche Reinigungs- und Sanitärkosten, die im Rahmen der Infektionskontrolle oder -prävention anfallen;
  • vorübergehende Gefahrenzulage für Mitarbeiter;
  • Strafen für Verzögerungen oder Nichterfüllung von Verträgen aufgrund der Schließung von Produktionsanlagen und
  • Mietzugeständnisse von Vermietern, die als direkte Folge von Covid-19 vereinbart wurden.

Bei anderen Erträgen und Aufwendungen kann es schwierig sein, zu bestimmen, ob und in welchem Umfang sie durch Covid-19 oder durch andere Faktoren bedingt sind, z. B. erwartete Kreditverluste, Wertminderungsverluste bei nicht-finanziellen Vermögenswerten und Fair-Value-Verluste bei Kapitalbeteiligungen. Entscheidend ist letztendlich, ob die zusätzlichen Erträge und Aufwendungen auf willkürfreier Basis zugeordnet werden können. Falls dies nicht möglich ist, sollte das Unternehmen zusätzliche Informationen im Anhang offenlegen.

Kennzeichnung von Covid-19-bezogenen Erträgen und Aufwendungen als "ungewöhnlich" oder "außergewöhnlich"

Die IFRS untersagen nicht, ungewöhnliche oder außergewöhnliche Posten zu erläutern. Unzulässig ist es jedoch, solche Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung, in der Gesamtergebnisrechnung oder im Anhang explizit als "außerordentlich" zu bezeichnen. [IAS 1.87]

Die Begriffe "ungewöhnlich" und "außergewöhnlich" sind in den Standards nicht definiert. Sie sollten u. E. nur selten und mit Bedacht verwendet werden und denjenigen Posten bzw. Transaktionen vorbehalten bleiben, die eine stärkere Hervorhebung rechtfertigen, als sie durch eine gesonderte Darstellung oder Erläuterung erreicht werden kann.

U. E. kann es grundsätzlich angemessen sein, Covid-19-bezogene Erträge und Aufwendungen als "ungewöhnlich" oder "außergewöhnlich" zu bezeichnen. Es sollten – im Einklang mit der oben diskutierten Bestimmung der Covid-19-bezogenen Erträge und Aufwendungen – nur solche zusätzlichen Erträge und Aufwendungen, die direkt auf Covid-19 zurückzuführen sind, so bezeichnet werden.

Wenn ein Unternehmen durch Covid-19 verursachte Erträge und Aufwendungen als "ungewöhnlich" oder "außergewöhnlich" kennzeichnet, dann sollte es diesen Begriff einheitlich verwenden und im Anhang erläutern.

Wenn eine Aufwendung als "außergewöhnlich" oder "ungewöhnlich" gekennzeichnet ist, dann sollte u. E. die vom Unternehmen verwendete Bezeichnung die Art des Postens beinhalten, z. B. außergewöhnliche Reinigungskosten aufgrund von Covid-19. U. E. erfüllt eine einfache Klassifizierung des Postens als "außergewöhnlich" oder "ungewöhnlich" nicht die Anforderung von IAS 1, wonach Beträge in der Gewinn- oder Verlustrechnung nach ihrer Art oder Funktion klassifiziert werden müssen (siehe unten). Ebenso reicht die bloße Bezeichnung eines Ertrags- oder Aufwandspostens als "Covid-19-verursacht" nicht aus: Es sollte auch die Art des Postens angegeben werden, z. B. Reinigungskosten im Zusammenhang mit Covid-19. Der Anhang sollte auch eine zusätzliche Erläuterung der Art des Betrags und seiner Charakterisierung als "außergewöhnlich" oder "ungewöhnlich" oder "Covid-19-bezogen" enthalten.

Maßgeblichkeit der jeweiligen Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung für die Darstellung der Aufwendungen im Zusammenhang mit Covid-19

Wird eine gesonderte Darstellung der Covid-19-Auswirkungen in der Gewinn- und Verlustrechnung für angemessen gehalten, ist zu überlegen, wie sie in die aktuelle Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung – insbesondere in die Klassifizierung der Aufwendungen – integriert werden kann.

Gemäß IAS 1 sind Aufwendungen entweder nach ihrer Funktion (z. B. Umsatz-, Vertriebs- und Verwaltungskosten) oder nach ihrer Art (z. B. Personalkosten, Materialkosten, Abschreibungen) zu klassifizieren. Diese Analyse kann entweder in der Gewinn- und Verlustrechnung oder im Anhang dargestellt werden. Die gewählte Klassifikation ist grundsätzlich von einer Periode zur nächsten stetig anzuwenden. [IAS 1.99-105]

Erfolgt die Darstellung in der Gewinn- und Verlustrechnung, sollte nach unserer Ansicht der Betrag der als "Covid-19-bezogen" bezeichneten Aufwendungen – ebenso wie die Aufwendungen, die sich nicht auf Covid-19 beziehen – nach Funktion oder Art klassifiziert werden.

Folglich ist es u. E. möglicherweise unangemessen, die Aufwendungen im Zusammenhang mit Covid-19 in der Gewinn- und Verlustrechnung in einem einzigen Gesamtbetrag darzustellen, wenn er Aufwendungen unterschiedlicher Art oder Funktion beinhaltet.

Beispiel: Darstellung in der Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren

Für den Fall der Anwendung des Gesamtkostenverfahrens – also bei einer Klassifikation nach der Art der Aufwendungen – wird im Folgenden beispielhaft veranschaulicht, wie die Aufwendungen im Zusammenhang mit Covid-19 unter Verwendung von Klammerzusätzen und Zwischensummen in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden könnten:

Variante 1: Klammerzusätze
Variante 1: einzelne Zwischensummen

Covid-19-bezogene Erträge und Aufwendungen innerhalb oder außerhalb des betrieblichen Ergebnisses

Wird das betriebliche Ergebnis als Zwischensumme ausgewiesen, ist zu prüfen, ob Erträge und Aufwendungen im Zusammenhang mit Covid-19 als Teil dieser Zwischensumme auszuweisen sind oder nicht.

In den IFRS-Standards werden die Begriffe "betrieblich" und "nicht betrieblich" im Zusammenhang mit der Gewinn- und Verlustrechnung nicht definiert. Wenn ein Unternehmen eine zusätzliche Zwischensumme für das betriebliche Ergebnis ausweist, ist diese Darstellung von Periode zu Periode stetig beizubehalten. [IAS 1.85A]

Unangemessen ist es, dabei Posten vom betrieblichen Ergebnis auszuschließen, die sich eindeutig auf den Geschäftsbetrieb beziehen – z. B. Bestandsabschreibungen sowie Umstrukturierungs- und Umzugskosten –, weil sie unregelmäßig oder selten auftreten oder weil sie ihrer Höhe nach ungewöhnlich sind. [IAS 1.BC56]

Daher sind Covid-19-bezogene Erträge und Aufwendungen, nur weil sie möglicherweise nicht wiederkehrend oder ungewöhnlich sind, nicht außerhalb des Betriebsergebnisses zu zeigen. Stattdessen ist die Definition von "betrieblich" auf alle Erträge und Aufwendungen konsequent anzuwenden, unabhängig davon, ob sie auf Covid-19 zurückzuführen sind oder nicht. Zum Beispiel sind Reinigungskosten grundsätzlich Teil der betrieblichen Aktivitäten und werden daher innerhalb des betrieblichen Ergebnisses ausgewiesen. Entsprechend werden auch die zusätzlichen Reinigungskosten, die anfallen, um die Verbreitung von Covid-19 zu verhindern, innerhalb des betrieblichen Ergebnisses ausgewiesen.

Einbeziehung von fiktiven oder "Als-ob"-Werten in den Abschluss

Hypothetische "Als-ob"-Werte – z. B. solche, die ursprünglich veranschlagte oder normalisierte Beträge widerspiegeln – stellen keine historischen Finanzinformationen dar und sind grundsätzlich nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung einzubeziehen. Daher ist es unangemessen, solche Posten (z. B. "erwartete Erträge, wenn der Ausbruch von Covid-19 nicht stattgefunden hätte") in der Gewinn- und Verlustrechnung abzubilden. Auch der Ausweis von "entgangenen Erträgen" ist nicht sachgerecht.

Auch eine Darstellung von „als ob“-Werten im Anhang ist unter Berücksichtigung des von der IOSCO3 herausgegebenen Public Statement4 nicht angemessen. Wir gehen davon aus, dass die europäischen und deutschen Regulatoren dieser Sichtweise folgen werden.

Sonstige Erwägungen

Wenn Unternehmen Informationen über die Auswirkungen von Covid-19 außerhalb des Abschlusses aufnehmen, sollten sie alle relevanten regulatorischen Richtlinien berücksichtigen. Die IOSCO gab das o. g. Public Statement über die Bedeutung transparenter und vollständiger Offenlegungen zu den Auswirkungen von Covid-19 in den Abschlüssen sowie im Lagebericht heraus. Auch die ESMA veröffentlichte eine ergänzte Fragestellung in ihren Fragen und Antworten5, die eine Anleitung zur Verwendung alternativer Leistungskennzahlen (APMs) im Zusammenhang mit Covid-19 enthält.

Welche Überlegungen sollte jetzt das Management im Hinblick auf die Darstellung der Auswirkungen von Covid-19 in der Gewinn- und Verlustrechnung anstellen?

Bei der Beurteilung der Auswirkungen von Covid-19 auf die finanzielle Leistungsfähigkeit von Unternehmen sollte das Management auch Folgendes berücksichtigen:

  • Beurteilen Sie, welche Erträge und Aufwendungen, die sich auf Covid-19 beziehen, willkürfrei bestimmen kann;
  • Beurteilen Sie, welche inkrementellen Erträge und Aufwendungen aus Covid-19 resultieren;
  • Überlegen Sie, wie die Darstellung solcher willkürfrei bestimmbarer Erträge und Aufwendungen in die aktuelle Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung passen würde und
  • Bestimmen Sie Art und Umfang der Angaben, die innerhalb und außerhalb des Abschlusses erforderlich sind, um die Informationen über die finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens in der Gewinn- und Verlustrechnung zu ergänzen.

1 European Securities and Markets Authority

2 Public Statement issued on 20 May 2020: “Implications of the COVID-19 outbreak on the half-yearly financial reports”

3 International Organisation of Securities Commissions

4 IOSCO Statement on Importance of Disclosure about COVID-19, issued on 29 May 2020: "The International Organization of Securities Commissions (IOSCO) encourages issuers’ fair disclosure about COVID-19 related impacts"

5 Vgl. Frage 18 in den Fragen und Antworten zu den ESMA Guidelines on Alternative Performance Measures (APMs)