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Wie sind die zukunftsbezogenen Informationen bei Ermittlung der erwarteten Kreditverluste („ECL“) zu berücksichtigen?

ECL müssen als unverzerrter, wahrscheinlichkeitsgewichteter Betrag auf Basis angemessener und belastbarer Informationen ermittelt werden, die zum Abschlussstichtag ohne unangemessenen Kosten- oder Zeitaufwand über vergangene Ereignisse, gegenwärtige Bedingungen und Prognosen künftiger wirtschaftlicher Bedingungen verfügbar sind.

Für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Vertragsvermögenswerte ohne signifikante Finanzierungskomponente muss das Unternehmen vereinfachte Modelle zur Ermittlung von ECL (z.B. eine sog. „provision matrix“) anwenden. Auch diese vereinfachten Modelle müssen mit den allgemeinen Grundsätzen im Einklang stehen. 

Für Unternehmen kann es momentan besonders schwierig sein, auf neue Sachverhalte zu reagieren, die in der Vergangenheit im Planungsprozess noch keine Berücksichtigung gefunden haben. Die künftigen wirtschaftlichen Folgen der neu aufgetretenen Probleme können in diesem Kontext besonders schwer zu bestimmen sein. 

Ein Unternehmen kann sich jedoch nicht einfach darauf berufen, dass angemessene und belastbare Informationen nicht verfügbar sind, lediglich weil die daraus resultierenden Auswirkungen in Modellen zur ECL-Ermittlung nur schwer berücksichtigt werden können. Die Herausforderung für die Unternehmen besteht daher nun darin, die zukunftsbezogenen Informationen über die wirtschaftlichen Folgen des Covid-19-Ausbruchs bei der ECL-Bestimmung ohne unangemessenen Kosten- oder Zeitaufwand einzubeziehen. 

Welche Auswirkungen kann Covid-19 auf die Berechnungsmodelle von ECL haben?

Der Covid-19-Ausbruch hat im Vergleich zum 31. Dezember 2019 bereits jetzt in vielen Regionen schwere wirtschaftliche Folgen. Die wirtschaftlichen Erschütterungen könnten sich verschärfen und auf andere Regionen ausbreiten. Viele Regierungen, Zentralbanken und Wirtschaftswissenschaftler haben ihre Prognosen revidiert, um die möglichen Auswirkungen der Covid-19-Pademie zu berücksichtigen. Die Prognosen bleiben jedoch höchst unsicher und können sich schnell ändern.

Die Unternehmen müssen grundsätzlich die Wirtschaftsprognosen, die zur ECL-Ermittlung verwendet werden, zu jedem Bilanzstichtag aktualisieren. Dabei sind alle zu diesem Zeitpunkt verfügbaren, angemessenen und belastbaren Informationen einzubeziehen. Der erforderliche Aufwand und die Komplexität hängen von den individuellen Unternehmensrisiken ab. 

Folgende Faktoren können bei der Berechnung von ECLs besonders relevant sein:

  • ECL-Modelle verwenden i.d.R. historische Erfahrungswerte zur Prognose der Zusammenhänge zwischen den Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und des Kundenverhaltens. Auch die Ermittlung von Ausfallraten bei der Verwendung einer Provision- Matrix basiert normalerweise auf historischen Erfahrungen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie können ggfs. historische Erfahrungswerte aber nicht ohne Weiteres als Grundlage für die Ermittlung von ECLs dienen. Daher werden wahrscheinlich in vielen Fällen Anpassungen der ECL-Berechnungen erforderlich sein, um die zum Bilanzstichtag verfügbaren Informationen angemessen bei der Ermittlung von ECLs zu verarbeiten.
  • Bestimmte Branchen, Kunden oder Regionen sind stärker als andere von den wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 betroffen. Die Unternehmen müssen überlegen, ob dies in ihren ECL-Ermittlungen angemessen berücksichtigt wird.
  • Regierungen und Zentralbanken leiten Maßnahmen ein, um die negativen Folgen von Covid-19 auf Unternehmen zu mindern. Die Unternehmen müssen diese Maßnahmen möglicherweise ebenfalls bei der ECL-Ermittlung berücksichtigen.
  • Erwartete Cashflows, die bei der ECL-Berechnung verwendet werden, können sich auch durch die vom Unternehmen geplanten Maßnahmen ändern (z.B. Vertragsänderungen, Stundungen, Erhöhung der Kreditlimits).

Welche Auswirkungen kann Covid-19 auf Anhangangaben haben?

Ein Unternehmen muss im Anhang Art und Ausmaß der mit Finanzinstrumenten verbundene Risiken, denen das Unternehmen ausgesetzt ist, und wie es mit diesen Risiken umgeht, darstellen. Daher muss das Unternehmen die wesentlichen Folgen von Covid-19 auf die mit den Finanzinstrumenten verbundenen Risiken sowie seinen Umgang damit grundsätzlich aufzeigen. Dabei ist im Einzelfall zu beurteilen, welche spezifischen Angaben in welchem Umfang jeweils erforderlich sind.

Beispiele für spezifische Angaben sind:

  • Informationen über die Kreditrisikomanagementpraktiken des Unternehmens und wie sie sich auf die ECL-Ermittlung auswirken. Ein Unternehmen kann seine Kreditrisikomanagementpraktiken als Reaktion auf Covid-19 geändert haben (z.B. durch die Erweiterung der Zahlungsziele oder durch neue gesetzliche Anforderungen).
  • Methoden, Annahmen und Informationen, die zur ECL-Ermittlung verwendet werden - z.B. muss das Unternehmen möglicherweise erläutern, wie es aktualisierte zukunftsbezogene Informationen bei der ECL-Bemessung berücksichtigt hat. 
  • Quantitative und qualitative Informationen, die die Höhe der ermittelten ECL erläutern, sowie möglicherweise Anpassungen oder Ergänzungen von Angaben in der Vergangenheit, um die Auswirkungen von Covid-19 zu verdeutlichen.
  • Informationen über Annahmen, die das Unternehmen in Bezug auf die Zukunft sowie andere Schätzunsicherheiten zum Berichtszeitpunkt getroffen hat, und welche erheblichen Risiken unterliegen, dass innerhalb des nächsten Geschäftsjahres wesentliche Anpassungen vorgenommen werden müssen.

Welche Überlegungen sollten jetzt vom Management im Hinblick auf die ECL-Berechnung, insbesondere auch bei Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, angestellt werden?

Folgende Punkte sollten Sie bei der ECL-Ermittlung in Erwägung ziehen:

  • Beurteilen Sie, ob Anpassungen der Ergebnisse aus der vorhandenen ECL-Berechnung erforderlich sind.
  • Überprüfen Sie, ob die ECL-Berechnung bestimmte Kundengruppen oder Regionen angemessen berücksichtigt, die von den wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 besonders stark betroffen sind.
  • Beurteilen Sie mögliche Auswirkungen von staatlichen Subventionen auf das Kreditrisiko der Kunden und mögliche Ausfälle.
  • Schätzen Sie die Auswirkungen Ihrer geplanten Maßnahmen (z.B. Vertragsänderungen, Stundungen, Erhöhung der Kreditlimits) auf die erwarteten Cashflows ein.

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Welche Folgen hat Covid-19 für das Hedge-Accounting?

Die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie können sich auf die Risikoposition eines Unternehmens und deren Management auswirken. Wenn ein Unternehmen die Vorschriften zum Hedge-Accounting nach IAS 39 Finanzinstrumente, Ansatz und Bewertung bzw. nach IFRS 9 Finanzinstrumente anwendet, ist ggfs. zu prüfen, ob:

  • die Voraussetzungen für das Hedge-Accounting weiterhin erfüllt sind;
  • Hedge-Ineffektivitäten im Gewinn oder Verlust zu erfassen sind; und 
  • in der Cashflow-Hedge-Rücklage angesammelte Beträge in den Gewinn oder Verlust umzugliedern sind.

Welche Auswirkungen ergeben sich bei der Absicherung von künftigen Transaktionen?

Unternehmen designieren oft künftige, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwartende Transaktionen als Grundgeschäfte im Rahmen von Cash-Flow-Hedges (z.B. Einkäufe und Verkäufe von Rohstoffen und anderen Vorräten). Die künftigen Transaktionen können nur dann als Grundgeschäft designiert werden, wenn sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden („highly probable“). Diese Voraussetzung muss zu jedem Stichtag erfüllt sein. Der Ausbruch von Covid-19 führt in vielen Regionen und Branchen zu einer Verringerung des tatsächlichen und prognostizierten Transaktionsvolumens (z.B. beim Einkauf von Treibstoffen). 

Wenn sich infolgedessen die Eintrittswahrscheinlichkeit einer als Grundgeschäft designierten künftigen Transaktion verringert oder sich der Zeitpunkt der Transaktion verschiebt, ist die Sicherungsbeziehung möglicherweise zu beenden bzw. eine höhere Ineffektivität zu berücksichtigen. Unter IFRS 9 führt die Reduzierung der geplanten Transaktionsvolumina ggfs. zu einem teilweisen Wegfall des Grundgeschäfts und entsprechend zu einer anteiligen Beendigung der Sicherungsbeziehung.

Wird eine Sicherungsbeziehung beendet, weil die abgesicherte künftige Transaktion nicht mehr mit hinreichend hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, muss das Unternehmen dennoch beurteilen, ob mit der Transaktion weiterhin zu rechnen ist. 

  • Wird die Transaktion weiterhin erwartet, verbleiben die in der Cash-Flow-Hedge-Rücklage angesammelten Gewinne oder Verluste des Sicherungsinstruments grundsätzlich so lange dort, bis sich die geplanten Cashflows des Grundgeschäfts auf den Gewinn oder Verlust auswirken. 
  • Wird die Transaktion dagegen nicht mehr erwartet, sind die in der Cash-Flow-Rücklage angesammelten Gewinne oder Verluste des Sicherungsinstruments sofort in den Gewinn oder Verlust umzugliedern.

Welche Auswirkungen können Vertragsänderungen haben, die als Folge des Covid-19-Ausbruchs vereinbart werden? 

Angesichts der Corona-Pandemie können sich die Vertragsparteien darauf einigen, die Vertragsbedingungen eines Finanzinstruments anzupassen. Dies kann sich auf die Eignung des Finanzinstruments als Grundgeschäft im Rahmen des Hedge-Accounting auswirken. So kann z.B. eine Termineinlage als Grundgeschäft in einem Fair-Value-Hedge designiert sein, deren Vertragsbedingungen signifikante Vertragsstrafen bei vorzeitiger Auflösung der Einlage vorsehen. Wenn die Bank auf ihr Recht auf Vertragsstrafen verzichtet, um dem Kunden eine vorzeitige Auflösung der Einlage zu ermöglichen, könnte das Finanzinstrument als Sichteinlage und damit als sofort fällig einzustufen sein. Dies könnte bedeuten, dass die Sicherungsbeziehung zu beenden ist, weil das (angepasste) Finanzinstrument einem Fair-Value-Risiko nicht mehr unterliegt.

Welche Auswirkungen können sich auf die (In-)Effektivität einer Sicherungsbeziehung ergeben?

Bei der Beurteilung der Effektivität einer Sicherungsbeziehung bzw. bei der Bestimmung ihrer Ineffektivität sind sowohl Veränderungen des Kreditrisikos der Gegenpartei als auch die des eigenen Kreditrisikos zu berücksichtigen. Die Erhöhung des Kreditrisikos als Folge der Corona-Krise kann daher sowohl die Beurteilung der Hedge-Effektivität als auch die Bestimmung der Ineffektivität beeinflussen. 

Wird z.B. ein bislang als Grundgeschäft designierter finanzieller Vermögenswert infolge der Krise als finanzieller Vermögenswert mit beeinträchtigter Bonität („credit-impaired financial asset“) eingestuft und ist die Sicherungsbeziehung dadurch nicht mehr effektiv, ist diese zu beenden.

Erhöht sich das Kreditrisiko eines Sicherungsinstruments, werden seine dadurch bedingten Fair-Value-Änderungen im Regelfall nicht durch entsprechende Fair-Value-Änderungen des Grundgeschäfts kompensiert. Dies kann ebenfalls zu einer höheren Ineffektivität bzw. im Extremfall zur Beendigung der Sicherungsbeziehung aufgrund fehlender Effektivität führen.

Welche Auswirkungen können sich auf die in der Cash-Flow-Hedge-Rücklage angesammelten Verluste ergeben?

Bei in der Cash-Flow-Hedge-Rücklage angesammelten Verlusten hat das Unternehmen zu beurteilen, ob diese Verluste in zukünftigen Perioden ganz oder teilweise ausgeglichen werden können. Ist davon nicht mehr auszugehen, ist der angesammelte Betrag sofort in den Gewinn oder Verlust umzugliedern. Dies ist z.B. in folgenden Szenarien denkbar: 

  • Ein Unternehmen sichert den künftigen Einkauf von Vorräten ab und geht nicht mehr davon aus, dass der in der Cash-Flow-Hedge-Rücklage angesammelte Verlust durch künftige Gewinne aus dem Verkauf dieser Vorräte kompensiert werden kann.
  • Ein Unternehmen hat den Kauf eines festverzinslichen finanziellen Vermögenswertes als Grundgeschäft designiert und geht nun nicht mehr davon aus, dass der in der Cash-Flow-Hedge-Rücklage angesammelte Verlust noch durch künftige Erträge ausgeglichen werden kann, da die Bonität des Emittenten des festverzinslichen Vermögenswerts  infolge der Krise beeinträchtigt ist. 

Welche Auswirkungen gibt es auf die Anhangangaben?

Wenn ein Unternehmen die Vorschriften zum Hedge-Accounting nach IAS 39 bzw. IFRS 9 anwendet, hat es seine Risikomanagementstrategie sowie die Art und Weise darzustellen, wie diese zur Steuerung von Risiken angewandt wird. Ferner hat es die Auswirkungen der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen auf seine Vermögens-, Finanz- und Ertragslage einschließlich seiner künftigen Cashflows darzustellen. Es ist wahrscheinlich, dass Covid-19 sich auf diese Angaben auswirkt. Dabei liegt es im Ermessen des Unternehmens zu beurteilen, welche spezifischen Angaben relevant und notwendig sind, um die Abschlussadressaten angemessen zu informieren. 

Spezifische Angaben könnten z.B. erfolgen zu:

  • Änderungen der Methoden, wie das Unternehmen mit Risiken umgeht;
  • Auswirkungen auf die Ineffektivität von Sicherungsbeziehungen;
  • Erwarteten zukünftigen Transaktionen, die im Rahmen des Hedge-Accountings bilanziert wurden, deren Eintritt aber nicht mehr als hoch wahrscheinlich angesehen wird; und
  • Umgliederungen von uneinbringlichen Verlusten aus der Cashflow-Hedge-Rücklage in den Gewinn oder Verlust. 

Welche Überlegungen sollten jetzt vom Management im Hinblick auf das Hedge-Accounting angestellt werden?

  • Beurteilen Sie, ob erwartete Transaktionen, die als Grundgeschäfte im Rahmen des Hedge-Accounting designiert wurden, weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden. Wenn eine Transaktion nicht mehr als hoch wahrscheinlich einzustufen ist, ist zu prüfen, ob sie weiterhin zu erwarten ist.
  • Überprüfen Sie, ob Vertragsänderungen des Grundgeschäfts infolge der Covid-19-Verbreitung dazu führen, dass die Voraussetzungen für eine Qualifizierung als Grundgeschäft nicht mehr gegeben sind.
  • Beurteilen Sie, ob Änderungen des Kreditrisikos in Sicherungsinstrumenten und/oder Grundgeschäften die Effektivität von Sicherungsbeziehungen und/oder die Bestimmung von Hedge-Ineffektivitäten beeinflussen.
  • Analysieren Sie, ob die in der Cash-Flow-Hedge-Rücklage angesammelten Verluste in Zukunft noch ausgeglichen werden können.

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Welche Auswirkungen hat Covid-19 auf die Anwendbarkeit der „own use exemption“?

Ein Vertrag über den Kauf oder Verkauf eines nicht-finanziellen Postens (z.B. Rohstoffe wie Rohöl oder Metalle) ist nach IFRS 9 Finanzinstrumente grundsätzlich als Derivat zum beizulegenden Zeitwert zu bilanzieren, wenn eine Erfüllung durch Nettoausgleich in bar oder mit einem anderen Finanzinstrument vorgesehen ist. Ausgenommen sind Verträge, die zwecks Empfang oder Lieferung nicht finanzieller Posten geschlossen wurden, um den erwarteten Einkaufs-, Verkaufs- oder Nutzungsbedarf des Unternehmens zu decken, und zu diesem Zweck weiter gehalten werden („own use exemption“). Durch die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19 -Pandemie könnten Verträge, die ursprünglich die Voraussetzungen dieser „own use exemption“ erfüllt haben, nunmehr diese Voraussetzungen nicht mehr erfüllen.

Die weitere Anwendung der „own use exemption“ setzt voraus, dass der ursprünglich abgeschlossene Vertrag über den Kauf oder Verkauf eines nicht-finanziellen Vermögenswerts weiterhin gehalten wird, um den zugrunde liegenden nicht-finanziellen Vermögenswert dem erwarteten Bedarf entsprechend zu erhalten oder zu liefern. Wurden in der Vergangenheit allerdings ähnliche Verträge im Rahmen eines Nettoausgleichs in bar erfüllt, ist dies schädlich für die Anwendung der „own use exemption“.

Der Ausbreitung von Covid-19 kann dazu führen:

  • dass die Geschäftsaktivitäten und in der Folge der erwartete Kauf-, Verkaufs- oder Nutzungsbedarf eines Unternehmens zurückgehen; 
  • dass Unterbrechungen der Lieferketten die Fähigkeit des Unternehmens bzw. der Gegenpartei zur physischen Erfüllung beeinträchtigen; und 
  • dass wegen plötzlicher Nachfragerückgänge (oder Angebotsrückgänge) Verträge durch einen Nettoausgleich in bar (d.h. ohne physische Lieferung) erfüllt werden.

Diese Umstände können die Anwendbarkeit der „own use exemption“ gefährden:

  • im Hinblick auf einen bestimmten Vertrag: wenn das Halten des Vertrags nicht mehr mit dem infolge der Krise nunmehr in reduziertem Umfang erwarteten Bedarf übereinstimmt (z.B., wenn ein Nettoausgleich in bar und keine physische Lieferung erwartet wird); und
  • im Hinblick auf eine Gruppe ähnlicher Verträge: wenn das Unternehmen einige von diesen Verträgen durch einen Nettoausgleich in bar erfüllt hat. 

Die Beurteilung, ob das Unternehmen in der Vergangenheit Verträge „gewöhnlich“ durch Nettoausgleich in bar erfüllt hat, ist ermessensbehaftet. Für die Anwendbarkeit der „own use exemption“ könnte es unschädlich sein, wenn ein Nettoausgleich in bar selten ist und auf Ereignisse zurückzuführen ist, die bei Vertragsabschluss nicht vorhersehbar waren. Darüber hinaus hat das Unternehmen zu definieren, was im Kontext seiner jeweiligen Geschäftstätigkeit unter „ähnlichen Verträgen" zu verstehen ist. Auch diese Entscheidung ist ermessensbehaftet.

Welche Überlegungen sollten jetzt vom Management im Hinblick auf die Anwendbarkeit der „own use exemption“ angestellt werden?

Überprüfen Sie, ob eine Derivatebilanzierung für Kauf- und Verkaufsverträge erforderlich ist, weil die „own use exemption“ nicht mehr anwendbar ist als Folge von:

  • einem Rückgang der erwarteten Verkäufe, Käufe oder Nutzung;
  • erwarteten Fällen, in denen Verträge, als Folge von Unterbrechungen in den Lieferketten, netto in bar ausgeglichen werden; oder
  • tatsächlichen Fällen, in denen Verträge netto in bar ausgeglichen werden.

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Was ist bei der Klassifizierung von finanziellen Verbindlichkeiten als lang- oder kurzfristig zu beachten?

Sollten Unternehmen aufgrund der Krise nicht mehr in der Lage sein, Zins- und/oder Tilgungszahlungen aus finanziellen Verbindlichkeiten vollumfänglich zu leisten oder können die im Kreditvertrag vereinbarten Covenants nicht mehr eingehalten werden, ist insbesondere auch die Klassifizierung der betroffenen finanziellen Verbindlichkeit als lang- oder kurzfristig zu überprüfen. 

Sofern der Kreditgeber aufgrund einer Vertragsverletzung (vor dem Bilanzstichtag) und/oder eines Covenants-Bruchs (welcher auf Basis von Wertverhältnissen vor oder am Bilanzstichtag zu beurteilen ist) das Recht besitzt, die finanzielle Verbindlichkeit innerhalb von 12 Monaten nach dem Bilanzstichtag fällig zu stellen, ist diese gem. IAS 1 Darstellung des Abschlusses zum Abschlussstichtag als kurzfristig zu klassifizieren. Nach IAS 1.74 gilt das selbst dann, wenn der Kreditgeber im Wertaufhellungszeitraum auf sein Recht auf Rückzahlung des Kredites verzichten sollte. Die Verbindlichkeit wird nur dann nicht reklassifiziert, wenn der Kreditgeber den Verzicht vor dem Stichtag für einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten ab Stichtag ausspricht, IAS 1.75.

Welche Überlegungen sollten jetzt vom Management im Hinblick auf die Klassifizierung von finanziellen Verbindlichkeiten als lang- oder kurzfristig angestellt werden?

Prüfen Sie regelmäßig, ob finanzielle Verbindlichkeiten vollumfänglich bedient und die vereinbarten Covenants eingehalten werden können. 

Falls nicht, treten Sie rechtzeitig (vor dem Abschlussstichtag) mit den Kreditgebern in Verhandlung, um eine drohende kurzfristige Rückzahlung und damit auch die Klassifizierung als „kurzfristig“ abzuwenden. 

Was ist bei Klassifizierung von Anteilen an Geldmarktfonds als Zahlungsmitteläquivalente in der Kapitalflussrechnung zu beachten?

Anteile an Geldmarktfonds werden für Zwecke der Kapitalflussrechnung unter bestimmten Voraussetzungen als Zahlungsmitteläquivalente und somit als Teil des Finanzmittelbestands ausgewiesen. Voraussetzung zur Klassifizierung als Zahlungsmitteläquivalente war und ist, dass die Fondsanteile keinem signifikanten Wertänderungsrisiko unterliegen und kurzfristig abrufbar sind (IAS 7.7). In Abhängigkeit von den Auswirkungen der aktuellen Krise auf die Finanzmarktsituation ist diese Voraussetzung kritisch zu überprüfen. Sind danach Anteile an Geldmarktfonds aufgrund ihrer Wertschwankungen oder aufgrund einer eingeschränkten Abrufbarkeit nicht mehr den Zahlungsmitteläquivalenten zuzuordnen, wären die Beträge aus dem Finanzmittelbestand herauszunehmen.

Welche Überlegungen sollten jetzt vom Management im Hinblick auf die Werthaltigkeit der aktiven latenten Steuern angestellt werden?

  • Überprüfen Sie, ob sich das Wertänderungsrisiko der von Ihnen gehaltenen Geldmarktfonds durch Covid-19 verändert hat und sie weiterhin kurzfristig abrufbar sind.
  • Beurteilen Sie die Auswirkung einer Änderung auf die Kapitalflussrechnung und den Finanzmittelbestand.

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