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Was bedeutet Covid-19 für die Going Concern-Prämisse und den Lagebericht?

Ist die Going Concern-Prämisse noch angemessen?

Die Ausbreitung des Coronavirus zeigt erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf Unternehmen, bspw. aufgrund von Einschränkungen in der Produktion, im Handel oder aufgrund von Reisebeschränkungen. 

Bei stark betroffenen Unternehmen kann dies auch Auswirkungen auf die Beurteilung der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit (Going Concern-Prämisse) im Rahmen der Aufstellung von Abschlüssen haben. Kann nicht mehr von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit ausgegangen werden, ist der Abschluss unter Abkehr von der Going Concern-Prämisse aufzustellen. Ob eine Aufstellung unter Zugrundelegung der Going Concern-Prämisse vertretbar oder nicht mehr vertretbar ist, hängt stark von den Umständen des Einzelfalls ab.

Dabei ist zu beachten, dass für die Beurteilung der Angemessenheit der Going Concern-Prämisse eine Ausnahme vom Stichtagsprinzip gilt. Für die Beurteilung der Going Concern-Prämisse sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Aufstellung bzw. bis zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestätigungsvermerks und der Feststellung/Billigung maßgeblich. So ist der Abschluss auch dann unter Abkehr von der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufzustellen, wenn die Ursache für die Abkehr erst nach dem Abschlussstichtag eingetreten ist.

Die Beurteilung erstreckt sich zumindest auf die dem Abschlussstichtag folgenden 12 Monate. Wurden Ereignisse oder Gegebenheiten festgestellt, die bedeutsame Zweifel an der Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können, hat sich die Fortbestehensprognose nicht nur auf 12 Monate, sondern auf das laufende und das folgende Geschäftsjahr zu beziehen.

Anpassung von Budgets und Prognosen

In vielen Fällen sind die Budgets und die Prognosen, die 2019 erstellt wurden, angesichts der sich schnell verändernden wirtschaftlichen Umstände nur noch von begrenzter Relevanz. Sie müssen möglicherweise erheblich revidiert werden - z.B. in Bezug auf die prognostizierten Umsätze, Bruttomargen und Veränderungen des Working Capitals.

Es kann sinnvoll sein, dass das Management bei seiner Einschätzung der Going Concern-Prämisse verschiedene Szenarien untersucht, einschließlich eines ggf. nachvollziehbaren Abwärtsszenarios. Auf Basis der aktualisierten Prognosen hat das Management u.a. zu beurteilen, ob es erwartet, dass Covenants weiterhin eingehalten werden.

Von entscheidender Bedeutung wird sein, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die prognostizierten Cashflows abzuschätzen. Dabei besteht die Schlüsselfrage darin, ob ein Unternehmen über genügend Liquidität verfügen wird, um seinen Verpflichtungen bei Fälligkeit weiterhin nachzukommen.

Zum Beispiel muss das Management erwägen, ob:

  • es über genügend Barmittel und ungenutzte Kreditlinien/Anleihemöglichkeiten verfügt, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu decken; 
  • weitere Maßnahmen erforderlich sind, um das Unternehmen in die Lage zu versetzen, ausreichende Cashflows zu generieren und seinen Verpflichtungen bei Fälligkeit nachzukommen; 
  • es mit den Kreditgebern verhandeln muss, um die Kreditfazilitäten umzustrukturieren und/oder zu erhöhen;
  • es erforderlich ist, den Betrieb umzustrukturieren, um die Betriebskosten zu senken;
  • Investitionen verschoben werden sollten; oder
  • sich um finanzielle Unterstützung durch Aktionäre und/oder staatliche Programme zur Unterstützung von Unternehmen bemüht werden sollte.

Berücksichtigung von öffentlichen Stützungsmaßnahmen

Beabsichtigt das Unternehmen die Inanspruchnahme von staatlichen Stützungsmaßnahmen, handelt es sich um Maßnahmen, die bei der Einschätzung der Going Concern-Prämisse zu berücksichtigen sind. Sofern die konkreten Hilfen dem Unternehmen noch nicht verbindlich zugesagt wurden, muss das Management einschätzen, inwieweit die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Es ist daher nicht notwendig, dass der Bilanzierende den Antrag bereits gestellt hat oder dass die öffentliche Stelle den Antrag bereits genehmigt hat. Die Annahmen des Managements dürfen jedoch nicht im Widerspruch zum aktuellen Handeln oder aktuellen Verlautbarungen des Unternehmens stehen.

Angaben im Anhang und Lagebericht

Kann der Abschluss zwar zulässigerweise (noch) unter Zugrundelegung der Going Concern- Prämisse aufgestellt werden, bestehen aber ungeachtet dessen wesentliche Unsicherheiten im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten, die erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufgeworfen haben, muss der Bilanzierende im Anhang diese erheblichen Zweifel beschreiben.

Angaben im Abschluss sind auch dann notwendig, wenn zwar geschlussfolgert wird, dass letztlich keine erheblichen Zweifel an der Going Concern-Prämisse bestehen, diese Beurteilung durch das Management aber stark ermessensbehaftet ist.

Zudem ist im Falle der Aufstellung eines Lageberichts auch in diesem über Corona-bedingte Risiken zu berichten. Sollten sich gar bestandsgefährdende Risiken ergeben, sind diese als solche zu kennzeichnen. Siehe hierzu auch „Worüber ist im Lagebericht zu informieren?“

Welche Überlegungen sollten jetzt vom Management im Hinblick auf die Going Concern-Prämisse angestellt werden?

Zusammenfassend können bei der Beurteilung der Going Concern-Prämisse nun folgende Maßnahmen erforderlich werden:

  • Aktualisieren Sie Prognosen und Sensivitäten unter Berücksichtigung der einschlägigen Risikofaktoren und der denkbaren Szenarien. Dabei ist wichtig, Abwärtsszenarien in Betracht zu ziehen - z.B. Berücksichtigung der Auswirkungen eines andauernden "Lockdowns"; 
  • Überprüfen Sie die Einhaltung von Covenants in den verschiedenen Szenarien;
  • Prüfen Sie Maßnahmen zur Abmilderung von Ereignissen oder Bedingungen, die erhebliche Zweifel an der Going Concern-Prämisse aufwerfen könnten (z.B. Inanspruchnahme öffentlicher Stützungsmaßnahmen);
  • Erwägen Sie, ob weitere Anhangangaben zur Going Concern-Prämisse infolge des Ausbruchs von Covid-19 im Anhang und im Lagebericht erforderlich sind.  

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Worüber ist im Lagebericht zu informieren?

Die Entwicklung rund um das Coronavirus hat sich bereits bzw. wird sich in vielen Fällen in den (Konzern-) Lageberichten für am 31.12.2019 endende Geschäftsjahre niederschlagen. Darüber hinaus ergeben sich aber auch Implikationen für (Konzern-) Lageberichte in Folgeperioden, insbesondere dann, wenn Unternehmen auch (Konzern-)Zwischenlageberichte veröffentlichen. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenstellung der aus unserer Sicht bedeutsamsten Implikationen für den Wirtschaftsbericht, den Prognosebericht sowie den Chancen- und Risikobericht.

Wirtschaftsbericht

Auf wesentliche Auswirkungen des Coronavirus ist im Rahmen der Darstellung, Analyse und Beurteilung des Geschäftsverlaufs und der Lage des Unternehmens gesondert einzugehen (DRS 20.62, 64 und 66). Daneben sind auch wesentliche Auswirkungen auf die Auftragslage (insbesondere auf den Auftragsbestand und die Auftragsreichweite am Abschlussstichtag) darzustellen und zu analysieren (DRS 20.72 f.). Auch über wesentliche Auswirkungen, auf die Vermögens- und die Finanzlage ist zu berichten. Dabei ist insbesondere auf folgende Punkte einzugehen: 

  • geplante Finanzierungsvorhaben (DRS 20.83)
  • Änderungen von bedeutsamen Kreditkonditionen (DRS 20.85) 
  • Unsicherheit über die Fortführung bedeutender Investitionsvorhaben (DRS 20.87)
  • absehbare Liquiditätsengpässe (DRS 20.95) 
  • Bestimmungen z.B. in Kreditverträgen, deren Nichtbeachtung umfangreiche vorzeitige Rückzahlungsverpflichtungen auslösen können (DRS 20.96)

Prognosebericht

Komparative Prognosen und/oder Darstellung von Zukunftsszenarien 

Grundsätzlich sind in den (Konzern-)Lagebericht Prognosen aufzunehmen, die entweder als Punkt-, Intervall- oder qualifiziert-komparativen Prognose ausgestaltet sind (DRS 20.130). Nach DRS 20.133 brauchen Unternehmen ausnahmsweise, wenn

„besondere Umstände dazu führen, dass in Bezug auf die zukünftige Entwicklung aufgrund gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen außergewöhnlich hohe Unsicherheit besteht und daher die Prognosefähigkeit der Unternehmen wesentlich beeinträchtigt ist, […] stattdessen komparative Prognosen oder die Darstellung der voraussichtlichen Entwicklung der zur internen Steuerung verwendeten finanziellen und nichtfinanziellen Leistungsindikatoren in verschiedenen Zukunftsszenarien unter Angabe ihrer jeweiligen Annahmen“  

zu berichten. Auch nach Auffassung des Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) seien für Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit wesentlich von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen ist bzw. nach vernünftiger Erwartung betroffen werden sein dürfte, derzeit die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme dieser Erleichterung erfüllt (siehe fachlicher Hinweis vom 4. März 2020, Seite 4, abrufbar unter folgendem Link). Ein vollständiger Verzicht auf eine Prognoseberichterstattung ist dagegen unzulässig.

Fortlaufende Aktualisierung der Prognose

Wenn sich in Folge der Geschehnisse die Erwartungen des Managements ändern, ist dies in entsprechender Weise in der Prognoseberichterstattung zu verarbeiten. Dabei sind nicht nur Geschehnisse bis zum Abschlussstichtag zu berücksichtigen, sondern auch solche, die zwischen Abschlussstichtag und Aufstellungszeitpunkt liegen.

Eine Aktualisierung der Prognose wird vielfach auch in (Konzern-)Zwischenlageberichten zwingend vorzunehmen sein. Immer dann, wenn neue Erkenntnisse darüber bestehen, dass sich die im letzten Konzernlagebericht bzw. im letzten Zwischenlagebericht abgegebenen wesentlichen Prognosen und sonstigen Aussagen zur voraussichtlichen Entwicklung des Unternehmens für das Geschäftsjahr wesentlich verändert haben, ist hierüber in entsprechender Form zu berichten (DRS 16.43 und 47). 

Soll-Ist-Abgleiche in Folgeperioden

Nach DRS 20.57 sind die in der Vorperiode berichteten Prognosen mit der tatsächlichen Geschäftsentwicklung zu vergleichen. Dabei sind mindestens die im letzten Lagebericht zum Jahresende abgegebenen Prognosen heranzuziehen. Unterjährige Anpassungen können zusätzlich herangezogen werden. Neben dem Vergleich der ehemals abgegebenen Prognose mit dem tatsächlich erreichten Ist-Wert, halten wir es für zulässig, zusätzlich einen Vergleich der Prognose mit dem um Corona-bedingte Effekte angepassten Wert durchzuführen, sofern dies klar kenntlich gemacht wird. 

Risikobericht

Eine Berichtspflicht im Risikobericht besteht grundsätzlich, wenn die möglichen weiteren Entwicklungen zu negativen Abweichungen von Prognosen oder Zielen des Unternehmens führen können, es sich dabei um ein wesentliches Einzelrisiko handelt und andernfalls kein zutreffendes Bild von der Risikolage des Unternehmens vermittelt wird (vgl. DRS 20.11 und 20.146 ff.). Dabei ist auch über Risiken zu berichten, die sich erst nach dem Abschlussstichtag ergeben (DRS 20.155). Insbesondere ist über bestandsgefährdende Risiken zu berichten (DRS 20.148), ggfs. durch Bezugnahme auf die entsprechenden Angaben im Abschluss. Das Risiko ist einzeln mit den zu erwartenden Konsequenzen so darzustellen, dass seine Bedeutung erkennbar wird (DRS 20.149 f.). Das Risiko ist zu quantifizieren, wenn dies auch zur internen Steuerung erfolgt und die quantitativen Angaben für den verständigen Adressaten wesentlich sind (DRS 20.152). Über getroffene Risikobegrenzungsmaßnahmen ist ebenfalls zu berichten (DRS 20.157).

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