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Analytics as a Service?

Analytics as a Service?

Zukunft oder Spielerei?

Börries Többens

Partner, Audit, Finanz- und Treasury Management, Finance Advisory

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Analytics

In den vergangenen Wochen hat COVID-19 das Home Office und die dezentrale Kollaboration zur Regel gemacht. In dieser Situation werden Herausforderungen in der digitalen Zusammenarbeit schnell deutlich. Auch das Treasury Reporting ist davon nicht ausgenommen.

Treasury-Reporting bietet heutzutage auf Knopfdruck eine Vielzahl an Möglichkeiten. So zum Beispiel das Erstellen eines Echtzeit-Finanzstatus, unternehmensweite Liquiditätsberichte mit Plan-/Ist Vergleichen oder integrierte Simulationen von Risiko-Szenarien. Dabei lassen sich unterschiedliche Ansätze verfolgen. Viele Unternehmen nutzen dabei die im Treasury Management System (TMS) integrierten Reporting-Lösungen. Dies bietet häufig eine integrierte, aber in ihren Funktionen limitierte, Lösung. Der Blick über den Tellerrand bestehender Reports ist nicht immer bequem, aber durchaus lohnend. Einige Unternehmen gehen einen Schritt weiter und integrieren ein Business Intelligence-Tool in die Systemlandschaft und überwinden damit aufwändige Abstimmungen zwischen einer Vielzahl von Systemen und Datenquellen. Andere Unternehmen befinden sich bei der Nutzung von Treasury-Daten und -Insights noch in der Findungsphase und verwenden neben dem TMS-Reporting eine historisch gewachsene Excel-Lösung. Ungeachtet der Tools und Ausbaustufen ist das Thema Treasury Analytics für die Mehrheit der Treasurer und CFOs ein stetig an Relevanz gewinnendes Thema, dass es in der nahen Zukunft weiter auszubauen gilt.

Doch bei der Realisierung eines zielgerichteten Treasury Reporting lauern einige Herausforderungen auf die Unternehmen. Häufig sind sowohl Anforderungen als auch verfügbare Daten und deren Quelle nicht ausreichend definiert oder bekannt. Zahlreiche Reports und Kennzahlen greifen auf verschiedene Datenquellen zu, die Anreicherung und Anpassung von Daten ist meist zeitintensiver und die Datenbereinigung und -konsolidierung oft fehleranfällig. Diese fehlende Automatisierung „der letzten Meile im Reporting“ resultiert nicht selten in einem Rückfall zu einer Excel-basierten Berichtserstellung.

Analytics as a Service

Einen Befreiungsschlag scheinen hierbei cloudbasierte Analytics Lösungen darzustellen. Analytics as a Service Tools, wie die SAP Analytics Cloud oder Microsoft Power BI, ermöglichen eine hohe Bandbreite von Analyse- und Berichtsfunktionalitäten. Doch auch darüber hinaus erlauben sie eine einheitliche Plattform zum unternehmensweiten Dialog auf Basis einheitlicher Daten und bieten häufig eine hervorragende Integration in verwendete Systeme.

Abzugrenzen ist der Ansatz Analytics as a Service von dem Ansatz einer Reporting Factory. Eine Reporting Factory bezeichnet eine spezialisierte Einheit, die für die teilweise manuelle Erstellung von Reports verantwortlich ist und den fachlichen Entscheidern bereitstellt. Durch den Einsatz von Analytics as a Service-Instrumenten kann auf diese Instanz verzichtet werden.

Die SAP Analytics Cloud bietet hier unter anderem den Vorteil, dass sie sich nahtlos in die bereits bestehende SAP ERP-Systemlandschaft integrieren lässt. Nutzt man bereits die Möglichkeiten des SAP Treasury reduziert sich der Aufwand zum Aufbau einer aktuellen Treasury Reporting-Lösung.

Viele Unternehmen sind schon mit dem Konzept Software as a Service im Bereich des TMS vertraut. Analytics as a Service beschreibt eine cloudbasierte BI-Lösung, in der die User alle Schritte, von der Datenbeschaffung bis zur Reporterstellung und der Analyse komplexer Daten als Dienstleistung, nach Bedarf nutzen können. Die Software stellt dabei alle Funktionalitäten und die notwendige IT-Infrastruktur als „Service“ zur Verfügung. Das heißt, User können Standort- und Systemunabhängig durch wenige Klicks über eine Weboberfläche Zugang zu einem weiten Spektrum an Analytics-Funktionalitäten, von Datenbeschaffung bis hin zur Best Practice Reporting Lösung und einer Vielzahl von Ad-hoc-Analysemöglichkeiten erhalten.

Doch nicht nur die Vereinheitlichung der Reporting-Prozesse und ein hoher Funktionsumfang machen den Einsatz cloudbasierter BI-Lösungen attraktiv. Auch aus Sicht der IT-Infrastruktur betrachtet hat eine SaaS-BI Lösung Vorteile für ein Unternehmen. So profitieren viele Unternehmen von einer Reduzierung des Investitionsrisikos bei Server, Lizenzen und Projektressourcen; einem skalierbaren, modularen Einsatz; sowie einer hohen Kostentransparenz, stets aktueller Software Versionen und der Verringerung der IT- und Prozess- Komplexität.

Auch im Treasury- und Finanzumfeld bietet der Einsatz von SaaS-BI Lösung klare Vorteile: So lässt sich in der Praxis häufig feststellen, dass der größte Support und Automatisierungsbedarf innerhalb der Treasury- und Finanzabteilung bei der Vorbereitung und Analyse von Kennzahlen und Reports liegt. Diese bergen häufig die Herausforderungen zahlreiche Prozessschnittstellen und Ansprechpartnern diverser Abteilungen. Anders als monolithische Systeme oder On-Premises BI Lösung, bei denen externe Zugriffe oder die Konsolidierung verschiedener Datenquellen häufig aufwändig sind, bietet eine SaaS Lösung die Flexibilität, für alle Stakeholder, unabhängig von Ort und Zeit zugänglich zu sein und ist somit die perfekte Plattform für Kollaboration und Zusammenarbeit.

Von Daten über Informationen zu Entscheidungen

Das oberste Ziel von Analytics sollte immer die Bereitstellung relevanter Informationen als Werkzeug zur Entscheidungsfindung sein. Dabei unterstützen moderne cloudbasierte BI-Lösungen im Treasury Reporting durch vereinfachte und harmonisierte Datenerhebung, starke analytische Funktionalitäten und Rechenpower On-Demand.

Viele der führenden Anbieter cloudbasierter BI-Lösungen setzen zusätzlich zu herkömmlichen Reporting Tools immer mehr auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Erkennung komplexer Zusammenhänge oder der Bewältigung großer, scheinbar wenig strukturierter Datenmengen. So werden die Datentransformation und Datenanalyse benutzerfreundlich und leicht gemacht. Anhand statistischer Verfahren können dabei ungeahnte Einblicke in Datenmengen ermöglicht werden. Möglich sind hier beispielsweise heutzutage makro- oder mikroökonomische Marktsignale und Brancheninformationen aus internationalen Märkten auf die Liquiditätsentwicklung anzuwenden und somit in schlagartigen Marktveränderungen reagieren zu können.

Doch auch funktionsorientierte Workflows von der Dateneingabe bis zum fertigen Musterdashboard sind keine Frage von langwierigen Aufbereitungszyklen. Tools wie die SAP Analytics Cloud, in Verbindung mit dem zugehörigen Treasury Executive Dashboard ermöglichen ein weitestgehend automatisiertes Treasury Reporting. Produktive Daten aus dem SAP Treasury, wie zum Beispiel Cash and Liquidity Management, Treasury und Risk Management sowie die Finanzbuchhaltung, werden ohne Datenreplikation gelesen und anhand einer Vielzahl an Best Practice Analyse Diagrammen auf die geeignetste Weise dargestellt. So lassen sich in Echtzeit Einblicke in Treasury-Vorgänge gewinnen und auch zur vereinheitlichten Übersicht in klassischen KPIs zu Liquidität, Tagesfinanzstatus und Fremdfinanzierungsvolumen aufführen. Hier ist es dann zum Beispiel möglich eine Abweichung zwischen dem erwarteten Zinsergebnis und dem tatsächlichen Zinsergebnis unter Einbeziehung von Zinsinstrumenten zu analysieren. 

Darüber hinaus ist es aber auch möglich über Standardextraktoren anderer Anbieter von Analytics-Plattformen, wie zum Beispiel Microsoft, Google oder Tableau, die relevanten Daten für das Treasury zu exportieren und für das Reporting aufzubereiten.

Zusätzlich zur Standard-Plug-and-Play-Lösung ist die Self-Service-Berichterstellung sehr benutzerfreundlich dargestellt. Mit allen klassischen BI-Funktionen wie Drag & Drop von Dimensionen und Kennzahlen sowie empfohlenen Diagrammen basierend auf der vorhandenen Datenbeziehung kann der Benutzer mit minimalem Aufwand eine Ad-hoc-Analyse erstellen. Über die webbasierten Plattformen können diese dann den Empfängern direkt bereitgestellt und unternehmensweit auf einheitlicher Basis analysiert und besprochen werden. Hiermit schließen die Anbieter die Informationslücke im Dialog zwischen Entscheidern und bieten eine konsistente Plattform für zahlengestützte Beschlussfindungen.

Die nächsten Schritte zum Intelligent Treasury

Immer mehr Unternehmen stehen vor der Herausforderung neue Schritte in der Entwicklung ihres Treasury Reporting zu wagen, um den steigenden Informationsanforderungen global organisierter Unternehmen, mit der nötigen Agilität gerecht zu werden.

Cloudbasierte Reporting Lösungen sind somit auch im Treasury der Zukunft, dem Intelligent Treasury, auf dem Vormarsch. Diese versprechen, neben Erleichterungen in der bisher ressourcenraubenden Datenbeschaffung, auch erhebliche Erkenntnisgewinne durch den Einsatz neuster Tools und Technologien.

Doch bleibt bei allen Visionen einer automatisierten und vollständig integrierten Reportinglandschaft stets die Notwendigkeit Anforderungen an das Treasury Reporting so zu definieren, dass die Technologie bedarfsorientiert und vor allem passgenau unterstützen kann. Im ständigen Rennen der Anbieter ist für ein Unternehmen daher nicht die Frage „was ist das beste Tool“, sondern viel mehr „welches Tool passt am besten zu uns“ im Zentrum der Auswahl.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 100, April 2020

KPMG Corporate Treasury News

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