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Nutzung der Fair Value Option

Nutzung der Fair Value Option

Accounting Missmatch bei Energieversorgern

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Fair Value Option

Beschaffungsstrategie im Energiehandel

Der Vertrieb und die Beschaffung von Terminkontrakten für Energie und Rohstoffe sowie Fahrplänen erfolgt bei den meisten Energieversorgungsunternehmen über den liquiden Zeitraum von bis zu drei Jahren vor der eigentlichen physischen Belieferung. Eine der wichtigsten Kennzahlen und Steuerungsgröße für die in diesem Zeitraum bestehenden offenen Handelsmengen ist der „Profit and Loss“ (P&L) bzw. der Zeitwert/Fair Value eines Vertrages oder eines Portfolios, also die Wertveränderung zu einem bestimmten Zeitpunkt im Vergleich zum Handelszeitpunkt in Abhängigkeit der Wertänderung eines oder mehrerer Basiswerte (Underlyings). 

Sofern diese Verträge die Kriterien für Derivate1 im Sinne des IFRS, aber gleichzeitig die Kriterien der Own Use Exemption2 erfüllen, werden sie entgegen der üblichen Bilanzierung für Derivate und der Steuerungsgröße des Handels nicht zum Fair Value bilanziert. Sie werden erst bei Erfüllung bzw. Abwicklung bilanziell erfasst. Gemäß IFRS 9 und IDW RS HFA 48 erfüllen diejenigen Verträge die Own Use Exemption, die „zum Zweck des Empfangs oder der Lieferung von nicht-finanziellen Posten gemäß dem erwarteten Einkaufs-, Verkaufs- oder Nutzungsbedarf des Unternehmens geschlossen wurden und diese Verträge zu diesem Zweck weiterhin gehalten werden“.

Auswirkungen der Own Use Exemption in der Praxis

Da der überwiegende Teil von Verträgen bei einem Energieversorgungsunternehmen Beschaffungs-, Vertriebs- oder Produktionsgeschäfte darstellen, erfüllen diese Verträge die Own Use Kriterien. Dadurch finden sich in der Regel die Steuerungsgrößen aus dem Handel bzw. dem Kerngeschäft des Unternehmens nicht mehr direkt in den bilanziell erfassten Werten wieder – so wird bei einem erfolgreichen Unternehmen eine durchgehend hohe P&L im Handel aufgrund der Own Use Exemption nicht im Abschluss wiedergespiegelt. Own Use Verträge müssen bei Abschluss als solche gekennzeichnet und einem eigenen Buch der Portfoliostruktur zugeordnet werden. Hieraus ergibt sich im Handel meist eine zweigeteilte Buchstruktur aus Fair Value- und Own Use Büchern. Die Zuordnung von Geschäften nach dieser Struktur birgt eine operative Einschränkung des Handels. Beispielsweise dürfen Geschäfte in einem Own Use Buch dem Grunde nach nur aus Käufen oder Verkäufen bestehen. Geschäfte in die Gegenrichtung sind ohne Verletzung der Durchhalteabsicht (und damit der Verletzung der Own Use Exemption) nicht ohne weiteres möglich. Dadurch verliert das Unternehmen für seine Own Use Bücher die Möglichkeit, die Bücher in Abhängigkeit aktueller oder erwarteter Marktpreise zu bewirtschaften und zu steuern (zum Beispiel Positionsabbau durch Nettoausgleich in bar).

Anwendung der Fair Value Option im Falle eines Accounting Missmatch

Seit 2018 besteht nach IFRS 9 die Möglichkeit, die Fair Value Option auf bisher als Own Use klassifizierte Geschäfte anzuwenden. Durch diese Option wird ein Unternehmen in die Lage versetzt, seine Own Use Kontrakte (im besten Fall können darunter auch Fahrpläne fallen) bei Vertragsbeginn erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu designieren. Allerdings sind vor der Anwendung der Fair Value Option einige Voraussetzungen zu prüfen. Insbesondere muss sichergestellt sein, dass die betrachteten Verträge die grundsätzlichen Kriterien für Derivate im Sinne des IFRS erfüllen und dass durch eine Own Use Bilanzierung ein sogenannter „Accounting Missmatch“3 vorliegt. Dies wäre beispielsweise dann der Fall, wenn Beschaffungsgeschäfte zum Fair Value auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen werden, gleichzeitig etwaige positive Marktwerte aus Vertriebsgeschäften, die durch die Anwendung der Own Use Exemption, nicht auf der Aktivseite zum Fair Value gezeigt werden. 

Ob die Voraussetzungen für die Anwendung der Fair Value Option erfüllt sind, kann nur durch eine Einzelfallprüfung der vorliegenden Verträge und Bücher festgestellt werden. Abschließend sollte eine Abstimmung der Vorgehensweise mit dem externen Wirtschaftsprüfer erfolgen.

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IFRS 9 (2.4. ff)
2 IDW RS HFA 48, IFRS 9.2.4
3 gem. IFRS 9.2.5

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 98, Januar/Februar 2020

KPMG Corporate Treasury News

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