Das internationale Unternehmenssteuerrecht befindet sich in einem fundamentalen Wandel

Im Rahmen Ihres Anti-Base Erosion and Profit Shifting („BEPS“) Maßnahmenkatalogs („BEPS 1.0“) initiierte die OECD bereits im Jahr 2015 zahlreiche Änderungen in der internationalen Besteuerungspraxis. Dabei wurden die steuerlichen Herausforderungen der Digitalisierung als eines der zentralen Themenfelder identifiziert. Konkrete Lösungsvorschläge blieb die OECD allerdings schuldig. Als unmittelbare Reaktion darauf führten zahlreiche Staaten unilaterale Digitalsteuern ein. Um einen „Flickenteppich“ nationaler Alleingänge zu vermeiden, hat die OECD zu Beginn des Jahres 2019 das BEPS 2.0-Projekt angestoßen. Im Oktober 2020 wurden von der OECD sogenannte Blueprints in diesem Zusammenhang veröffentlicht. Diese unterteilten die Lösungsansätze des BEPS 2.0-Projekts in zwei Säulen (auch „Pillars“ genannt).

Seither wurden weitreichende Schritte zur Umsetzung der BEPS2.0-Reform gemacht:

  • Im Juli 2021 veröffentlichte der Inclusive Framework („IF“) der OECD und der G20 eine gemeinsame Erklärung („IF-Juli-Statement“), die die Leitplanken der BEPS 2.0-Reform festsetzen und als Ausgangsbasis für die kommende Konsenslösung dienen wird.
  • Aktueller Höhepunkt sind die neuesten Veröffentlichungen des IF vom 8. Oktober 2021, die die kommende Konsenslösung weiter konkretisieren sowie den Zeitplan bis zur finalen Implementierung Ende 2023 festlegen.

Eine ausführliche Übersicht über die bisherige Historie und nächsten Schritte finden Sie hier.

Inzwischen haben sich 136 der 140 Mitglieder des IF dem Vorgehen angeschlossen.[1]

BEPS 2.0-Initiative

Das BEPS 2.0-Projekt der OECD hat zum Ziel, ein global abgestimmtes Besteuerungskonzept zu erarbeiten, das den Problemstellungen des digitalen Zeitalters gerecht wird. Gleichzeitig sollen mit Blick auf Compliance-Anforderungen und künftige Streitbeilegung Konzepte erarbeitet werden, um das Besteuerungsverfahren möglichst effizient zu gestalten. Die bislang erarbeiteten Konzepte sind dabei in zwei Pillars aufgeteilt:

Pillar I zielt auf eine teilweise Umverteilung von Besteuerungsrechten zwischen den beteiligten Staaten ab. Ein neuer steuerlicher Anknüpfungspunkt („Nexus“) soll den Quellen-/Marktstaaten zusätzliches Steuersubstrat sichern. Anders als zunächst angedacht, liegt der Fokus nicht mehr ausschließlich auf digitalen Geschäftsmodellen und „Consumer Facing Businesses“, sondern auf allen Unternehmensgruppen mit einem globalen Umsatz von 20 Mrd. Euro sowie einer Profitabilität vor Steuern von über 10 %, da diese laut Auslegung der OECD als „Gewinner der Globalisierung“ erachtet werden können. Der derzeitige Wortlaut legt zudem nahe, dass auch Unternehmensgruppen, die auf Konzernebene eine geringere Profitabilität aufweisen, betroffen sein könnten, soweit ein einzelnes Segment diese Kriterien erfüllt.

Pillar II soll eine effektive globale Mindestbesteuerung sicherstellen und potenziell verbleibende, von „BEPS 1.0“ nicht ausreichend geschlossene Risiken der unerwünschten Steuergestaltung ausschließen. Die Einführung einer Mindestbesteuerung soll die gleichmäßige Belastung von multinationalen Konzernen mit einem Jahresumsatz von mehr als 750 Mio. Euro sicherstellen. Der Fokus der OECD liegt dabei auf der Erhebung einer sogenannten „Top-Up Tax“, die nunmehr 15 % pro Jurisdiktion betragen soll.

Tax Bites – BEPS 2.0 Pillar II

BEPS 2.0 nimmt Fahrt auf: Mit dem Blueprint zu Pillar II und den Veröffentlichung des IF strebt die OECD eine effektive globale Mindestbesteuerung an. Was das für die Unternehmen bedeutet und welche Maßnahmen daraus abgeleitet werden können, erläutern unsere Steuerexperten Claus Jochimsen-von Gfug, Andreas Ball und Bogdan Hinz.

KPMG unterstützt Sie bei der Analyse möglicher Auswirkungen auf Ihr Unternehmen

KPMG hat zu Pillar I und II jeweils ein Quick Impact Tool („QuIT I“ und „QuIT II“) entwickelt. Die Tools unterstützen Sie bei einer ersten High-Level-Simulation der potenziellen Auswirkungen der BEPS 2.0-Reform auf Ihre Unternehmensgruppe. Mit Hilfe von Schiebereglern und Drop-Down-Feldern können Sie verschiedene Szenarien simulieren und so eine erste Indikation über das Ausmaß Ihrer „Betroffenheit“ ermitteln. Hier finden Sie Details zum QuIT I (Deutsch/Englisch) und QuIT II (Deutsch/Englisch).

Für die Erst-Analyse benötigen wir nur

  1. die Daten aus dem Country-by-Country Reporting als Excel-Datei sowie
  2. die Umsätze, die das Unternehmen in den jeweiligen Marktstaaten erwirtschaftet (lediglich für die Analyse zu Pillar I erforderlich).

Gerne stellen wir Ihnen die Tools vor. Sprechen Sie uns an.

[1] Stand: 8. Oktober. Lediglich Kenia, Nigeria, Pakistan und Sri Lanka sind der Erklärung noch nicht beigetreten.