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Green Finance

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Neuer Rekord am Markt und mehr Transparenz durch EU Initiative

Nils A. Bothe

Partner, Audit, Finanz- und Treasury Management, Finance Advisory

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Der Markt für grüne Finanzierungen (also Finanzierungen, die entweder nur für nachhaltige Projekte eingesetzt werden dürfen oder deren Zinsaufwand an Nachhaltigkeitskennzahlen des Unternehmens gekoppelt ist) steuert wie erwartet in diesem Jahr auf einen neuen Rekord zu. Prognosen gingen für das Jahr 2019 auf globaler Ebene allein bei „grünen Anleihen“, also ohne die Einbeziehung von Krediten mit Nachhaltigkeitskomponenten und grünen Schuldscheindarlehen, von einem Volumen von ca. 250 Milliarden USD aus. Auch wenn diese Zahl vermutlich nicht ganz zu erreichen sein wird, so steht dennoch weltweit eine Steigerung von etwa 20% zum Vorjahr für eine weiter wachsende Bedeutung von grünen Finanzierungen. Der Anteil der Corporates an dieser Finanzierungsform (gegenüber Finanzinstituten und staatlichen Einrichtungen) nähert sich immer weiter den 50 % an. Auch deutsche Corporates, die im Jahr 2018 noch eher inaktiv im angesprochenen Marktumfeld waren, machten in 2019 mit einigen Transaktionen von sich reden (zum Beispiel Porsche mit einem grünen Schuldschein, Voith mit einem grünen Kredit oder Baywa mit einer grünen Anleihe). 

Die reine Entwicklung der Zahlen zeigt neben aktuellen Umfragen deutlich, dass immer mehr Unternehmen in ihrer Finanzierungstätigkeit den ESG Faktoren (Environment, Social, Governance) steigende Bedeutung zuschreiben. Die veränderte Wahrnehmung eines Unternehmens spielt hierbei die entscheidende Rolle: Die Öffentlichkeit erwartet zunehmend, dass Unternehmen ihrer gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung (vor allem in Bezug auf die Klimaschutzziele) gerecht werden. Umfragen haben ergeben, dass ein Großteil der Unternehmen, die sich in grünen Finanzierungen engagieren, sich zu aller erst nicht nur unmittelbar einen monetären Vorteil aufgrund von besseren Konditionen versprechen. Hauptgrund sind erwartete Marketingvorteile durch Reputationsgewinne. Zweites entscheidendes Argument ist der Nachfrageüberhang auf Investorenseite, denn eine Vielzahl an Investoren lassen Nachhaltigkeitskomponenten in ihre Investmententscheidungen einfließen. Recherchen im Jahr 2019 haben ergeben, dass 78 % der institutionellen Investoren Nachhaltigkeitsfaktoren in ihren Anlageprozess miteinbeziehen (globaltreasurer.com). Dies ist eine Steigerung um fast 15 Prozentpunkte im Vergleich zum vorigen Jahr. Teilweise ist die Würdigung der ESG Kriterien keine rein unternehmensinterne Entscheidung aufgrund von Risiko- und Profitabilitätsgesichtspunkten mehr, sondern ist durch die Umsetzung von EU-weit geltendem Recht beeinflusst. So schreibt zum Beispiel die EbAV-II Richtlinie, eine europaweit umzusetzende Richtlinie zur Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (Pensionsfonds) vor, dass diese auskunftsfähig sind, inwieweit ESG-Aspekte in ihren Anlageentscheidungen betroffen sind. Neben dem Aspekt, dass auf der Investorenseite die Nachfrage nach grünen Anlagemöglichkeiten und damit Potential für grüne Finanzierungen bei Corporates an Bedeutung zunimmt, sollten sich Treasurer schon darauf vorbereiten, dass von regulatorischer Seite in Zukunft möglicherweise auch eine Analyse der Geldanlagen/Investitionen nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten verlangt werden kann. 

Die Entwicklung geht rapide voran, könnte jedoch sogar noch schneller sein. Seit dem Eintritt der ESG Kriterien in den Investment- und Finanzierungsprozess ist ein zentraler Pain-point, dass es noch wenige standardisierte Kriterien gibt, um grüne Finanzierungen (Anleihen, Schuldverschreibungen, Kredite) vergleichbar zu machen. ESG-Ratings von Agenturen wie MSCI, ISS Environmental & Social Quality Score, RepRisk und Sustainalytics sind ein guter Indikator, jedoch aufgrund unterschiedlicher Maßstäbe für den Begriff „Nachhaltigkeit“ nur bedingt vergleichbar. Ähnlich verhält es sich bei den Aufnahmekriterien der Nachhaltigkeitsindices zum Beispiel MSCI World ESG Index, Dow Jones Sustainability Index (DJSI) und dem FTSE4Good Index. Des Weiteren ist ein übergreifendes Problem, dass sowohl Ratings als auch Indizes nur für Unternehmen ab einer gewissen Größe relevant werden. 

Dieses Problem wurde vor einiger Zeit auch von der G20 und der europäischen Kommission erkannt und mit mehreren Initiativen und Expertengruppen angegangen. Ziele dieser Initiativen sind:

  • die Neuausrichtung von Kapitalflüssen hin zu nachhaltigen Investitionen, um nachhaltiges Wachstum zu schaffen,
  • das Management von finanziellen Risiken durch den Klimawandel, Umweltzerstörung und soziale Aspekte,
  • die Förderung der Transparenz von und der langfristigen Orientierung in finanzielle Aktivitäten.

Konkret wurde dies in folgenden Initiativen aufgegriffen und umgesetzt:

  • die Entwicklung eines EU-weit gültigen Klassifikationssystems – die sogenannte Taxonomie – um zu bestimmen, ob eine ökonomische Aktivität nachhaltig ist,
  • einen EU-Standard für grüne Anleihen,
  • Benchmarks für klimafreundliche Investmentstrategien,
  • Handlungsempfehlungen, um ESG-relevante Informationen in den Berichterstattungen der Unternehmen zu verbessern.

Insbesondere die Fortschritte bei den ersten beiden Aspekten sind hervorzuheben:

Taxonomie

Der im Juni veröffentlichte Report bildet die Basis einer zukünftig bindenden EU Gesetzgebung zur Klassifizierung von Aktivitäten in Unternehmen. Dieser enthält Kriterien, nach denen in den Sektoren Produktion, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Energie, Verkehrswesen, Wasserwirtschaft, Müllentsorgung, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Bauwesen untersucht werden kann, ob die unternehmerische Aktivität nachhaltig ist. Diese umfassende Betrachtung verschiedenster Sektoren in Verbindung mit der Anwendung von wissenschaftlichen Methoden zur Bestimmung der Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit ist zu diesem Zeitpunkt beispiellos; konkrete Use Cases eingeschlossen. Außerdem wird nicht nur bereits nachhaltiges Gewerbe unter die Lupe genommen, sondern auch darauf geschaut, in welchen Bereichen Investitionen zu einer Wandlung hin zu nachhaltiger Wirtschaft sinnvoll ist. 

EU-Standard für grüne Anleihen

Der sich entwickelnde EU Standard für grüne Anleihen geht Hand in Hand mit der oben beschriebenen Taxonomie. Die Erlöse müssen einem oder mehreren Zielen (zum Beispiel der Vermeidung von Umweltverschmutzung), die in der Taxonomie beschrieben sind, zugutekommen und dabei keinem anderen Ziel bedeutend schaden. Dabei müssen definierte Sozialstandards eingehalten werden. Des Weiteren muss ein Rahmenwerk veröffentlicht werden, in dem detailliert beschrieben wird wie das Unternehmen gedenkt die Erreichung jener Ziele sicherzustellen. Entscheidend wird die verpflichtende Berichterstattung über Verwendung der Erlöse (allocation report) und über die Auswirkungen auf die Umwelt (impact report) sein. Das Rahmenwerk und der allocation report sollen durch einen externen Gutachter verifiziert werden. Stand jetzt wird vermutlich nach einer noch zu organisierenden Übergangsphase die ESMA (European Securities and Markets Authority) hiermit betraut. Diese Anforderungen sind im Grunde nicht fundamental neu und schon heute zu großen Teilen Marktpraxis. Corporate Finance sollte sich aber mit den konkreten Kriterien der Taxonomie und einer Akkreditierung zum EU Green Bond befassen, um eventuellen Nachteilen am Markt aufgrund fehlender Zertifizierung entgegenzuwirken.

Corporate Finance Abteilungen und Treasurer, die den Trend der grünen Finanzierungen nicht für eine vorübergehende Modeerscheinung halten, sollten die Initiativen der EU zu mehr Vergleichbarkeit von grünen Finanzinstrumenten ernst nehmen. Befragungen von Asset Managern ergaben, dass sie die EU Taxonomie bei der Umsetzung von Investmentstrategien zu Rate ziehen werden. Die Taxonomie zielt zwar im Wesentlichen auf Anleihen ab, die Kriterien können aber ebenso von Banken bei der Kreditvergabe bei sogenannten „Green Loans“ verwendet werden. Noch ist die Taxonomie bei weitem nicht vollständig und vor allem auf das „E“ in ESG bezogen. Diese soll sich aber über mehrere Jahre weiterentwickeln, was eine konstante Beobachtung durch die Treasurer erfordert. Dass Treasurer sich bei Finanzierungsfragen in Zukunft verstärkt auf die Nachfrage nach und das Monitoring von ESG Faktoren einstellen müssen, ist schon seit einer Weile bekannt. Durch die Entwicklung der Taxonomie rücken die Standardisierung und damit möglicherweise die Definition aussagekräftiger, vergleichbarer ESG-KPI und Benchmarks einen Schritt näher. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 96, November 2019

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