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Das Ende des IBOR

Das Ende des IBOR

Auswirkungen auf die Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS

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Bilanzierung von Finanzinstrumenten

Die Reform der IBOR Zinssätze bedeutet im Wesentlichen, dass die Ermittlungsmethodik der IBOR-Zinssätze geändert wird. Die bisherigen IBOR-Zinssätze werden auf Basis der täglich gemeldeten Zinssätze von 11 bis 18 Großbanken - zu denen sie sich auf dem Londoner Interbankenmarkt Blankokredite handelsüblicher Größe zur Verfügung stellen würden - ermittelt. Aktueller Stand der IBOR-Reform ist, dass die Nachfolger der IBOR-Zinssätze nicht einheitlich ermittelt werden, sondern eine individuelle Festlegung der Ermittlungsmethodik durch die jeweiligen Zentralbanken erfolgt. Gemeinsam haben die zukünftigen Ansätze der Ermittlung jedoch, dass eine stärkere Verknüpfung mit realen Transaktionen bestehen soll. Durch diese Verbindung zu realen Transaktionen soll der Manipulationsfähigkeit der IBOR Zinssätze zukünftig besser begegnet werden. 

Mit der IBOR-Reform gehen relevante Auswirkungen auf die Treasury-, Finanz- und Accountingfunktionen beinahe aller Unternehmen einher. Offensichtlich sind die Auswirkungen in Bezug auf die Fair Value Bewertung von Finanzinstrumenten und dem hiermit in Verbindung stehenden Kurvenframework innerhalb der Treasury Management Systeme. Neben der Bewertung von Finanzinstrumenten wirkt sich die IBOR Reform auch auf die grundsätzliche Vertragsbasis im Treasury (beispielsweise Fremdkapitalfinanzierungen, Intercompany Finanzierungen, Cash Pools etc.) aus. Abschließend ist zu untersuchen, inwiefern die bilanzierungsrechtliche Abbildung gemäß IFRS von der IBOR-Reform betroffen wird. Eine frühzeitige und gesamtheitliche Auswirkungsanalyse im Treasury ist daher essentiell, um spätere Überraschungen zu vermeiden und ausreichende Kapazitäten für notwendige Anpassungsmaßnahmen vorzuhalten. Im folgenden Abschnitt gehen wir näher auf die Auswirkungen mit Blick auf die Bilanzierung ein.

Die Auswirkungen auf die Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS können vielfältig sein. Um diesen Unsicherheiten resultierend aus der IBOR-Reform zu begegnen hat das IASB das Projekt „IBOR Reform and ist Effects on Financial Reporting“ gestartet. Mit verabschiedeten Änderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 wurde die erste Phase dieses Projekts jetzt abgeschlossen. Diese befasst sich mit Regelungen zum Hedge Accounting, wohingegen die Klassifikation und Bewertung von Finanzinstrumenten die zweite Phase prägt.

Durch die IBOR-Reform hätte für zahlreiche Sicherungsbeziehungen das Risiko bestanden, dass diese unter den bestehenden Regelungen zum Hedge Accounting nicht fortgeführt werden können. Als mögliche Gründe sind die Nichterfüllung des Kriteriums der hohen Eintrittswahrscheinlichkeit gesicherter Zinscashflows auf Grund von Änderungen der Referenzzinssätze, unzureichende Effektivitätsnachweise oder die fehlende Identifizierbarkeit designierter Risikokomponenten zu nennen. Um Beendigungen von Sicherungsbeziehungen auf Grund der Änderung der Referenzzinssätze zu vermeiden, hat das IASB in der ersten Projektphase Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 vorgenommen, die für eine Übergangsperiode die Fortführung bestehender Sicherungsbeziehungen ermöglichen soll. 

Beispielsweise soll das Kriterium der hohen Eintrittswahrscheinlichkeit nicht von der IBOR-Reform betroffen sein, die Unternehmen dürfen annehmen, dass die Zinsbasis auf der die gesicherten Cashflows basieren nicht geändert wird. Somit sind bei der Beurteilung der hohen Eintrittswahrscheinlichkeit der gesicherten Cashflows weiterhin die identischen Cashflows zu Grunde zu legen wie sie ohne die Unsicherheit aus der IBOR-Reform verwendet worden wären. 

Ebenso ist bei der Beurteilung der wirtschaften Beziehung zwischen Grund- und Sicherungsgeschäft nach IFRS 9 anzunehmen, dass sich der der Sicherungsbeziehung zu Grunde liegende Referenzzinssatz durch die Reform nicht ändert. Wird Hedge Accounting weiterhin unter den Regelungen des IAS 39 angewendet, ist die Effektivitätsbandbreite von 80% - 125% im Rahmen der retrospektiven Effektivitätsmessung außer Kraft gesetzt, sofern das Über- oder Unterschreiten der Effektivitätsgrenzen durch Änderungen der Referenzzinssätze verursacht wird. Beendigungen von Sicherungsbeziehungen auf Grund prospektiver Ineffektivitäten (IFRS 9) oder retrospektiver Ineffektivitäten (IAS 39) resultierend durch Unsicherheiten bezüglich der Umstellung der Referenzzinsen werden somit unterbunden. 

Nur noch zu Beginn einer Sicherungsbeziehung ist die Beurteilung ob eine Risikokomponente separat identifizierbar ist vorzunehmen. Nicht mehr notwendig und zulässig ist eine spätere erneute Beurteilung der separaten Identifizierbarkeit. Dementsprechend sind Beendigungen bestehender Sicherungsbeziehungen auf Grund von erneuten Beurteilungen der separaten Identifizierbarkeit der designierten Risikokomponenten weder erforderlich noch zulässig.

Diese Änderungen sind, vorausgesetzt des EU Endorsments, für Berichtsperioden ab dem 01.01.2020 anzuwenden. Die Anwendung endet wenn die Unsicherheit hinsichtlich des Zeitpunkts oder der Höhe von auf Referenzzinsen basierenden Cashflows nicht mehr besteht oder die Sicherungsbeziehungen beendet werden. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass durch die Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 die Auswirkungen der IBOR-Reform auf die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen gering gehalten werden. Durch Anpassungen des IFRS 7 ist jedoch über die Auswirkungen der IBOR-Reform auf Sicherungsbeziehungen, die direkt von der Reform betroffen sind, zu berichten. Im Detail bedeutet dies, dass signifikante Referenzzinssätze zu nennen sind die Sicherungsbeziehungen beeinflussen und von der IBOR-Reform betroffen sind. Ergänzend sind das Ausmaß der durch IBOR betroffenen Exposures sowie die Nominalvolumina der betroffenen Sicherungsgeschäfte anzugeben. Abschließend ist zu berichten, wie die Umstellung auf die neuen Referenzzinsen umgesetzt werden soll, damit einher geht eine Beschreibung der dabei getroffenen signifikanten Annahmen und Beurteilungen. 

Diese Anforderungen an die Berichterstattung in den Anhangangaben verlangen die Identifikation der betroffenen Sicherungsbeziehungen und eine Analyse der Auswirkungen der IBOR-Reform auf die (gesicherten) Zinsexposures der Unternehmen. Diese Analyse der betroffenen Sicherungsbeziehung sollte essentieller Bestandteil der Auswirkungsanalyse der IBOR-Reform im Treasury sein. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 96, November 2019

KPMG Corporate Treasury News

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