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Anteilsbasierte Vergütungsprogramme

Anteilsbasierte Vergütungsprogramme

Kennen Sie die quantitativen Effekte?

Ralph Schilling

Partner, Finance Advisory, Head of Finanz- und Treasury Management

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Anteilsbasierte Vergütungsprogramme

Eigner und Investoren sehen in anteilsbasierten Vergütungsformen die Möglichkeit, die Interessen des Vorstandes/Managements mit den eigenen zu harmonisieren. Dabei hängen die ökonomische Sinnhaftigkeit und etwaige quantitativen Effekte auf Bilanz und GuV jedoch stark von der individuellen Ausgestaltung dieser Vergütungsmodelle ab. 

Welche Rolle spielt das Treasury?

Eine anteilsbasierte Vergütung im Sinne des IFRS 2 liegt immer dann vor, wenn der Ausgleich für erhaltene Waren oder Dienstleistungen mittels Unternehmensanteilen geleistet wird oder die Höhe einer etwaigen Barzahlung an die Wertentwicklung der Unternehmensanteile gekoppelt ist. Die Ausgestaltung eines variablen Vergütungsprogramms ermöglicht es, die Unternehmensführung hinsichtlich langfristiger Unternehmensziele zu incentivieren, leitenden Angestellte persönlich an das Unternehmen zu binden und zudem die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber mit finanziellen Anreizen zu steigern. Die vielfältigen Möglichkeiten zur Ausgestaltung derartiger Programme können jedoch zu sehr komplexen Vertragsstrukturen führen. So können beispielsweise Performancebedingungen wie Grenz- oder Schwellenwerte hinsichtlich der Aktienkursentwicklung signifikante Auswirkungen auf den Fair Value der an die Begünstigten ausgegebenen Instrumente haben. Für eine entsprechend sachgerechte Bewertung solcher Instrumente werden neben einem Marktdatenzugang häufig auch Kenntnisse zu Simulationsmethoden und der Anwendung von Optionspreismodellen (beispielsweise Black/Scholes, Cox/Ross/Rubinstein) benötigt, sodass diese Aufgabe regelmäßig durch das Unternehmenstreasury übernommen wird. Ferner ist es gegebenenfalls Aufgabe des Treasury, mögliche Hedging-Strategien für anteilsbasierte Vergütungsprogramme zu erarbeiten, etwaige Effekte aus derartigen Programmen auf die Unternehmensliquidität zu antizipieren und die notwendigen Mittel zeitkongruent vorzuhalten. 

Quantitative Einflüsse werden häufig unterschätzt

Eine KPMG-interne Auswertung des DAX30 zeigt, dass jeder dort vertretene Konzern Teile seiner Belegschaft mit mindestens einer Form der anteilsbasierten Vergütung entlohnt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden von den betrachteten Unternehmen mehr als 1,9 Mrd. Euro (Personal-)Aufwendungen für anteilsbasierte Vergütungsprogramme erfasst, wobei 0,8 Mrd. Euro auf in bar (sogenanntes cash settlement) und 1,1 Mrd. Euro auf mittels eigener Anteile beglichene (sogenanntes equity settlement) Programme entfielen. Auf Einzelunternehmensebene konnten dabei Ergebniseffekte beobachtet werden, die sich von Erträgen in Höhe von 270 Mio. Euro bis hin zu Aufwendungen von über 600 Mio. Euro erstreckten. 

Am häufigsten nutzen die Unternehmen des DAX30 derzeit anteilsbasierte Vergütungsprogramme in Form eines cash settlements (62%). Hierbei wird den Begünstigten eine vom Anteilswert abhängige Barzahlung in Aussicht gestellt. Die verstärkte Nutzung dieser Ausgestaltungsform ist nicht zuletzt auf den derzeit hohen Grad an freier Liquidität zurückzuführen. So ist es wenig verwunderlich, dass der Saldo für in bar beglichene, anteilsbasierte Vergütungsprogramme erfasste Rückstellungen zum Geschäftsjahresende 2018 ca. 2,6 Mrd. Euro betrug. 

Im Gegensatz zu einem equity settlement hat die Entscheidung für eine cash basierte Ausgestaltung jedoch zur Folge, dass der Fair Value der ausgegebenen Instrumente zu jedem Stichtag erneut zu bestimmen ist und somit eine potentiell größere Ergebnisvolatilität über die Totalperiode mit sich bringt. Ferner ist den Unternehmensangaben zu folge die am häufigsten verwendete Ausübungsbedingung eine sog. market condition (marktbasierte Ausübungsbedingung), welche gemäß den Vorgaben des IFRS 2 „Share based Payments“ direkt in der Fair Value- Modellierung zu berücksichtigen ist (44%). In der Regel sind derartige Bedingungen als relative Erfolgsziele ausgestaltet, sodass der unternehmenseigene Aktienkurs oder alternativ der Total Shareholder Return (TSR) über eine vordefinierte Periode besser performen muss, als eine eigens gewählte Peer Group von Konkurrenzunternehmen oder ein ausgewählter Aktienindex.

Graphik 1: Darstellung der Auswertung anteilsbasierter Vergütungen im DAX30

Grafik DAX30

Quelle: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Neben der Kopplung an market conditions besteht für Unternehmen ferner die Möglichkeit, über sogenannte non-market performance conditions (nicht marktbasierte Ausübungsbedingung) die Werthaltigkeit der ausgegebenen Instrumente an unternehmensspezifische Kennzahlen wie Umsatz, EBITDA oder auch qualitative Zielgrößen wie Nachhaltigkeitsindizes zu koppeln. Die Unternehmen des DAX30 nutzen diese Möglichkeit intensiv und integrieren bis zu vier derartige Kennzahlen pro Programm. 

Durch die Implementierung von anteilsbasierten Vergütungsprogrammen sollen konzernindividuelle Vorhaben und Strategien mithilfe des finanziellen Anreizes an die Belegschaft weitergegeben werden. Doch besonders das Ziel einer langfristigen Unternehmenswertsteigerung, welches aus Sicht der Anteilseigner als übergeordnet anzusehen ist, bietet viel Raum für ökonomische Fehlinterpretation. Zum Einen sind market conditions nur selten ökonomisch strukturiert. Immer häufiger ist zu beobachten, dass die Zielvorgaben nicht an die Kapitalkosten des Unternehmens geknüpft sind (die ausgegebenen Instrumente befinden sich bereits bei Ausgabe am oder sogar im Geld), sodass selbst eine negativen Unternehmensperformance dennoch zu einem Anspruch auf zusätzliche Kompensation für die Begünstigten führen kann.   

Wo rationale Eigentümer möglicherweise falsch gesetzte Anreize vermuten, kann die HR-Abteilung jedoch andere Ziele verfolgen. Hier steht die langfristige Bindung und Motivation der Mitarbeiter und deren Identifikation mit dem Unternehmen im Vordergrund. Umso wichtiger ist es für die beteiligten Interessensgruppen (insbesondere betroffene Unternehmensbereiche und Anteilseigner), sich bereits im Vorfeld mit den quantitativen Auswirkungen der angedachten Ausgestaltung auseinanderzusetzen, und so widersprüchliche Incentives zu vermeiden. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 96, November 2019

KPMG Corporate Treasury News

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