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Zunehmende Standardisierung und Transparenz ...

Zunehmende Standardisierung und Transparenz

... im Risikomanagement von Währungsrisiken

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Verschiedene Konzerne begreifen ihre Währungs(/FX)-Risiken auf unterschiedliche Weise. Das ist insofern überraschend, als sich Währungsmärkte für alle Marktteilnehmer auf ähnliche Weise darstellen. Es gibt zwar manchmal unternehmensspezifische Unterschiede in der Risikointerpretation oder der Ausgangslage, aber diese sind bei genauerer Betrachtung auch generalisierbar. Für die Besonderheit werden in der Regel entweder spezifische Kontexte des Unternehmens herangezogen oder die Komplexität der Realität wird an unterschiedlichen Stellen nicht weiterverfolgt. Die Reduktion der realen Komplexität macht in vielen Fällen Sinn, muss aber immer wieder kritisch hinterfragt werden.

Ein gutes Beispiel für den Kontext als zentrales Unterscheidungsmerkmal für FX-Risikomanagement stellt die Betrachtung von langfristigen (Des-)Investitionen in eine Gesellschaft mit abweichender funktionaler Währung dar. Investitionen erfolgen oft über Einlage in das Eigenkapital der Zielgesellschaft oder über eine Ausleihung, deren Rückzahlung vertraglich und ökonomisch nicht erwartet wird (Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb). Desinvestitionen könne abgestuft vorkommen: von der vollständigen Liquidation oder Verkäufen über weitreichende Dividendenbeschlüsse bis hin zu Kapitalentnahmen sind viele Möglichkeiten denkbar. Wenn Nettovermögenswerte eines Konzerns den ursprünglichen Währungsraum verlassen, dann entstehen aus solchen Vorfällen aber nahezu immer reale Währungsrisiken. Diese Fälle lassen sich daher über einzelne Unternehmen hinweg auch generalisieren. In der Regel deckt die Risikomanagement-Richtlinie eines Unternehmens diese Vorgänge aber nicht mit ab, so dass das Thema einzelfallbasiert aufbereitet und durch die Geschäftsführung entschieden wird.

Auch die Messung und Steuerung des operativen FX-Risikos folgt unterschiedlichen Philosophien. Während in vielen Fällen bereits geplante Zahlungsströme gesichert werden, erfolgt bei anderen Unternehmen eine Sicherung des FX-Risikos erst dann, wenn fest kontrahierter Verträge dieses Risiko fixieren. Bei der Messung und Steuerung des operativen Risikos hat in den letzten Jahren eine zunehmende Vereinheitlichung der Sichtweise stattgefunden. Mittlerweile werden relativ sichere Planungen in der Regel zum FX-Risiko gezählt, da die legal-rechtliche Option: „Produktion einstellen“ oder „mit der Sicherung abwarten“; entweder nicht wirklich existiert oder einem Vabanque-Spiel gleicht. 

Ein weiterer Punkt, der von den meisten Unternehmen zunehmend ähnlich gesehen wird, ist die (weitgehende) Abkehr von der Budgetperiode als Maß aller Dinge bei der Sicherungsentscheidung zu FX-Risiken. Während es bis vor ein paar Jahren noch eine Reihe von Unternehmen gab, die im 4. Quartal die Fremdwährungszahlungen des nächsten Jahres planten, diese über derivative Finanzinstrumente sicherten und danach nur noch bei Planungsänderungen reagierten, gestalten sich die Sicherungsentscheidungen mittlerweile doch deutlich dynamischer. Eine relativ leicht umzusetzende Vorgehensweise definiert einen Zeitraum in die Zukunft als Risikohorizont. Dieser Risikohorizont hängt im Wesentlichen von der Planungsgenauigkeit des Unternehmens in einer jeden Währung ab (beispielsweise sind 15 Monate gut planbar) und sichert rollierend (beispielsweise quartalsweise) die Änderungen im FX-Risiko (beispielsweise zu jedem Quartalsende für die folgenden 15 Monate). Auch in Fällen, in denen das Unternehmen grundsätzlich auf Basis von Jahresbudgets plant, kann diese Sichtweise verfolgt werden. Die Sicherungskurse gehen dann allerdings bis zu einem gewissen Grad als bereits feststehende Parameter in den Budgetprozess mit ein. In solchen Fällen sollte auch das Controlling und gegebenenfalls auch direkt die Geschäftsführung in die Sicherungsentscheidung involviert werden, da die durch die derivativen Finanzinstrumente realisierten bzw. am Markt überhaupt realisierbaren Sicherungskurse durchaus auch weitergehende Unternehmensentscheidungen beeinflussen können. Eine volatilitäts-basierte Risikosicht (value @risk) scheint sich für die meisten Treasury-Abteilungen nicht durchgesetzt zu haben. Die Ursachen sind nicht eindeutig bestimmbar, jedoch werden den volatilitäts-basierenden Verfahren basierend auf ihren Modellannahmen und -parametern, wie zum Beispiel Normalverteilungsfunktion, korrekte Interpretation des Konfidenzniveaus sowie des beta-Fehlers, eine gewisse Skepsis entgegengebracht und eine mangelnde Eignung für intuitiven Schlussfolgerungen nachgesagt. 

Grundsätzlich kann eine volatilitäts-basierte Risikosicht natürlich wertvolle Informationen liefern, oft ist der Mehrwert für die zusätzliche Komplexität den Anwendern allerdings nicht gewichtig genug. Dementgegen scheinen sich Szenario-Rechnungen (beispielsweise Sensitivitäten) für die Risikobewertung durchzusetzen. Szenario-Rechnungen sind zwar nicht frei von Fehlern und hängen sehr am gewählten Szenario selbst, die zugrunde liegenden Annahmen sind aber für jeden Entscheider relativ transparent und auch interpretierbar. Als Ergebnis der Risikobewertung sollte das Ausmaß des FX-Risikos vorliegen und auch eine Handlungsempfehlung abgeleitet werden können (beispielsweise „nicht sichern“ oder „sichern der Risiko-Position bis auf einen festen Wert“).

Nachdem das Risiko definiert, gemessen und bewertet wurde, steht in der Regel die Entscheidung an, wie Sicherungsmaßnahmen umgesetzt werden können. Für FX-Risiken werden in der Regel FX-Forwards oder FX-swaps abgeschlossen. Auch FX-Optionen und FX-Collar Strukturen (oft als risk reversal) können hier gute Dienste leisten. In der Vergangenheit haben sich stärker strukturierte Produkte bisweilen, im Vergleich zu Standardprodukten, als relativ teuer herausgestellt. Das gilt auch deshalb, weil gerade FX-Forwards sehr günstig über Transaktionsplattformen gehandelt werden können. 

Neben diesen, zu Recht, im Fokus stehenden ökonomischen Überlegungen, sind auch in der Bilanzierung einige Aspekte zu beachten. Während die Hedge-Philosophie und deren Umsetzung meist im Vorfeld abgestimmt werden, um eine bestimmtes ökonomisches Sicherungswirkung zu erreichen, stellen sich im Rechnungswesen daraus abgeleitete Fragestellungen häufig erst, wenn die Sicherung bereits umgesetzt ist und eine Buchung zwingend erfolgen muss. Dementgegen sollte ein Hedge Accounting unmittelbar mit der Festlegung der Sicherungsstrategie implementiert werden, sonst scheitert die Abbildung oft an den formalen Vorgaben. IFRS 9 hat hier in manchen Punkten Erleichterungen betreffend der Anwendbarkeit von Hedge Accounting gebracht, nach wie vor ist aber nicht jede Abbildung möglich, die sich ökonomisch als sinnvoll darstellt.

Gerade beim Thema Währungssicherung scheint es in den letzten Jahren eine Vereinheitlichung der Sichtweisen bei Corporate Unternehmen, zu geben. Diese Entwicklung ist als Standardisierung grundsätzlich zu begrüßen, da es die Diskussion deutlich versachlicht. Gleichzeitig sind die realisierbaren Sicherungskurse hochgradig interdependent zu anderen Unternehmensentscheidungen. Entscheider innerhalb und außerhalb des Unternehmens werden die, durch die Standardisierung zunehmend transparentere Darstellung von FX-Risiken und den Risikomanagementstrategien, immer selbstverständlicher von den internen Treasury Abteilungen erwarten. Die Darstellung zur Währungssicherung sollte daher sowohl im internen Controlling, als auch in der externen Kommunikation diese Entwicklungen berücksichtigen. Die Basis für diese Darstellung muss ein professionalisiertes Reporting und ein Fachkonzept sein, dass die derzeitigen Entwicklungen bei der Währungssicherung berücksichtigt.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 95, Oktober 2019

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