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Brexit-FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Brexit für deutsche Unternehmen

Brexit-FAQ

Wie beeinflusst der EU-Austritt von Großbritannien die deutsche Wirtschaft? Wir beantworten die drängendsten Fragen rund um den Brexit.

Ansprechpartner

Nikolaus Schadeck

Partner, Audit, UK Country Practice Leiter

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Brexit

1. Was bedeutet der Brexit für Transportwege, Waren- und Lieferketten?

Im ersten Schritt ist es wichtig, die durchgehenden Waren- und Lieferketten zu analysieren. So findet man heraus, ob Engpässe bei einem harten Brexit entstehen könnten. Auch eine engmaschige Abstimmung mit den wichtigsten (Vor)-Lieferanten, Kunden und Frachtdienstleistern ist ratsam. 

Zudem sollte man einen höheren Inventurbestand erwägen und sicherstellen, dass die Spediteure die erforderlichen Erlaubnisse und Registrierungen besitzen. Eventuell ist es auch ratsam, die Lieferketten umzustellen, denn durch den Ausschluss aus der EU wird Großbritannien ein sogenanntes Drittland. Waren von Deutschland nach Großbritannien werden also ab sofort als Ausfuhrlieferungen im Sinne des Umsatzsteuerrechtes betrachtet. 

Auch Anpassungen in IT-Systemen, Buchhaltung sowie auf Handelsdokumenten können erforderlich werden.
 

2. Welche Maßnahmen in Bezug auf Zölle und Umsatzsteuer sind anzuraten?

Unternehmen sollten sich mit bestehenden und zukünftigen UK- und EU-Zollbestimmungen vertraut machen. Dafür gilt es, die Zollprozesse und Zollwertmethoden zu analysieren.

Wichtige Maßnahmen sind darüber hinaus:

  • die Beantragung einer EORI-Nummer in UK und / oder der EU (falls erforderlich)
  • Analyse aller zusätzlichen, umsatzsteuerrechtlichen Registrierungsanforderungen 
  • die Ernennung eines Zollagenten /-dienstleisters und die Überlegung, wie Zollabgaben und Einfuhrumsatzsteuer bezahlt werden sollen

Es wird aber auch zu Vereinfachungen für Unternehmen kommen:

  • Unternehmen, die in UK ansässig sind, können sich für Einfuhren aus der EU für ein vereinfachtes Zollabwicklungsverfahren registrieren.
  • In einer Übergangsphase von bis zu 12 Monaten möchte Großbritannien auf die Erhebung von Einfuhrzöllen auf bestimmte Waren unabhängig von der Herkunft verzichten. Bislang liegen zu den Zollbefreiungen aber lediglich Entwürfe vor. 
  • Es wird auf Zollkontrollen und Einfuhrabgabenerhebung zwischen Irland und Nordirland verzichtet. 
     

3. Gibt es Optimierungsbedarf bei Zahlungen von Dividenden von und nach Großbritannien?

Nach dem Brexit greift die Mutter-/Tochter-Richtlinie nicht mehr. Etwaige Dividenden zwischen Kapitalgesellschaften würden somit im Grundsatz statt mit null Prozent mit fünf Prozent belastet werden. Es gilt, die gegenwärtige Kapitalertragssteuerposition der deutschen Tochtergesellschaften im Hinblick auf potentielle negative Veränderungen durch den Brexit zu analysieren. Des Weiteren ist es ggf. notwendig, die Gruppenstruktur umzustellen, um zu vermeiden, dass die Kapitalertragssteuer einbehalten wird oder kurzfristige Einmal-Maßnahmen vor dem Brexit veranlasst werden.

Bei Dividenden von Deutschland nach UK ist eine Deklaration als steuerfreue Einlagenrückgewähr eventuell aufgrund restriktiver Verwaltungsauffassung nicht mehr möglich. Es gilt zu analysieren, ob eine Ausschüttung noch vor dem Brexit erfolgen kann.
 

4. Was sollte bezüglich Umstrukturierungen mit Bezug zu Großbritannien beachtet werden?

Nach dem Brexit sind Einbringungen bspw. von Teilbetrieben englischer Mutter- in deutsche Tochtergesellschaften in bestimmten Konstellationen nicht mehr ertragssteuerneutral möglich. Unternehmen sollten analysieren, ob eine Umstrukturierung ggf. noch vor dem Brexit durchgeführt werden kann.

Vor dem Brexit erfolgte ertragssteuerneutrale Umstrukturierungen, die zu sogenannten sperrfirstbehafteten Anteilen geführt haben, sollten nicht zur rückwirkenden Aufdeckung der stillen Reserven führen. Denn: Der deutsche Gesetzgeber hat unter dem Steuerbegleitgesetz eine entsprechende Erleichterung für betroffene Steuerpflichtige geschaffen. 
 

5. Kann ich alle Ressourcen in bzw. aus UK unverändert nutzen (Gesellschaften, Personen und Assets)? 

Kapitalgesellschaften, die in UK gegründet wurden und den Verwaltungssitz in Deutschland haben, müssen bis zum Brexit in eine deutsche Rechtsform mit Haftungsbeschränkung umgewandelt werden. Andernfalls kommt es zu einer unbeschränkten persönlichen Haftung. 

Gemeinschaftsgeschmackmuster und Unionsrechtsmarken müssen über neue (nationale) britische Schutzrechte für das Gebiet von UK ersetzt werden.

Zum Austrittszeitpunkt sich freizügigkeitsberechtigt in Deutschland aufhaltende britische Arbeitnehmer sollen nach einem aktuellen Gesetzesentwurf auch weiterhin einen Aufenthaltstitel erhalten können. Deutsche Staatsangehörige sollen nach Angaben der britischen Regierung zumindest bis Ende 2020 visumsfrei weiterhin nach UK reisen können.
 

6. Muss ich Datennutzung und Datenaustausch neu organisieren?

Der Austausch personenbezogener Daten mit UK ist mit dem Brexit auf die Einhaltung eines angemessenen Datenschutzniveaus zu überprüfen.
 

7. Was gilt es beim Pricing beachten? 

Beim Export nach Großbritannien ist zu prüfen, ob die steigenden Kosten für Logistik, Zölle und administrative Aufwendungen sich in höheren Verkaufspreisen widerfinden sollten. Beim Import aus Großbritannien sollten Unternehmen schauen, ob steigende Kosten durch Lieferanten aus anderen (EU-)Ländern vermieden werden können. 
 

8. Bietet der Brexit auch Chancen? 

Der Brexit kann Unternehmen langfristig auch neue Möglichkeiten bieten. Durch die fortgesetzte Abwertung des britischen Pfunds können sich Chancen für Investitionen in einzelne Vermögensgegenstände ergeben. Zudem bieten sich neue Perspektiven durch strategische Partnerschaften mit britischen Unternehmen in Drittstaaten wie bspw. Indien und Afrika.  
 

Weiterführende Informationen:

Die aktuelle Checkliste der EU-Kommission mit Hinweisen zu künftigen Regeln, Genehmigungen, Zöllen, Steuern und Ähnlichem finden Sie hier

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