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Finanzinstrumente mit Eigenkapitalcharakter

Finanzinstrumente mit Eigenkapitalcharakter

Aktueller Diskussionsstand des IASB

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Mit dem Diskussionspapier zu „Financial Instruments with Characteristics of Equity“ hat das IASB im letzten Jahr eine grundlegend neue Systematik hinsichtlich der Klassifizierung in Eigenkapital und Fremdkapital vorgestellt, welche die bisherige Vorgehensweise unter IAS 32 ablösen soll. Ziel des neuen Ansatzes ist insbesondere die Erhöhung der Aussagekraft des Abschlusses hinsichtlich vorhandener Liquidität sowie Bilanzsolvabilität. Nach Ablauf der Kommentierungsfrist fand nun im Juni 2019 die Auswertung statt. Nachfolgend wird der vom IASB angestrebte Ansatz dargestellt und am Beispiel einer Wandelanleihe sowie eines eigenkapitalersetzenden Darlehens demonstriert.

Der „preferred approach“ des IASB

Der Anwendungsbereich der neuen Klassifizierungsvorschriften bleibt unverändert zu IAS 32. Das heißt die Definition von Finanzinstrumenten wird weiterhin auf vertragliche Rechte und Pflichten abstellen, welche zum Ansatz eines finanziellen Vermögenswertes bei einem Vertragspartner und einer finanziellen Verbindlichkeit bzw. einem Eigenkapitaltitel beim anderen Vertragspartner führen. Ebenso soll die binäre Unterscheidung zwischen Eigen- und Fremdkapital beibehalten werden. Es wird demnach keine weitere Klasse an Finanzinstrumenten in Form von Mezzaninkapital eingeführt, welche die Komplexität weiter erhöhen würde. 

Bei nicht-derivativen Finanzinstrumenten handelt es sich gemäß dem vom IASB präferierten Ansatz um eine finanzielle Verbindlichkeit, sofern mindestens eine der beiden nachfolgenden Bedingungen erfüllt ist:

  • Es besteht eine unvermeidbare vertragliche Verpflichtung zur Übertragung von ökonomischen Ressourcen zu einem anderen Zeitpunkt als zur Liquidation des Unternehmens (Timing Feature).
  •  Es besteht eine unvermeidbare vertragliche Verpflichtung zur Übertragung eines Betrags, der nicht von den vorhandenen ökonomischen Ressourcen des Unternehmens abhängt (Amount Feature).

Um die Besonderheiten von derivativen Finanzinstrumenten auf eigene Eigenkapitaltitel zu berücksichtigen, hat das IASB zur Anwendung des präferierten Ansatzes auf solche Finanzinstrumente separate Klassifizierungsvorschriften entwickelt. Demnach wird ein Derivat auf eigene Eigenkapitaltitel in seiner Gesamtheit als finanzieller Vermögenswert respektive finanzielle Verbindlichkeit klassifiziert, wenn:

  • Ein Net-Cash-Settlement besteht, das heißt eine unvermeidbare vertragliche Verpflichtung zur Übertragung von ökonomischen Ressourcen in Höhe des Nettobetrags des Derivats zu einem anderen Zeitpunkt als zur Liquidation des Unternehmens (Timing Feature).
  • Der Nettobetrag ist unabhängig von den verfügbaren ökonomischen Ressourcen des Unternehmens (Amount Feature).

Die vorgeschlagene Klassifizierung hängt somit in allen Fällen von einem zeitlichen und einem betraglichen Merkmal ab. Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Anwendung der beiden neuen Klassifizierungsprinzipien anhand von Beispielen.

Timing / Amount Feature Betrag unabhängig von verfügbaren ökonomischen Ressourcen Betrag nicht unabhängig von verfügbaren ökonomischen Ressourcen
Verpflichtung zur Ressourcenübertragung zu einem anderen Zeitpunkt als zur Liquidation Fremdkapital z.B. einfache Anleihen Fremdkapital z.B. zum Fair Value rückzahlbare Vorzugsaktien
Keine Verpflichtung zur Übertragung von Ressourcen zu einem anderen Zeitpunkt als zur Liquidation Fremdkapital z.B. Anleihen, die mit einer variablen Anzahl eigener Anteile, die einem festen Wert entsprechen, rückzahlbar sind Eigenkapital z.B. Stammaktien

 

Das zeitliche Merkmal unterscheidet sich grundsätzlich nicht zur bisherigen Vorgehensweise unter IAS 32.16, welche hinsichtlich der Klassifizierung als Eigenkapital verlangte, dass es nicht zum Abfluss von Zahlungsmitteln vor dem Zeitpunkt der Liquidation kommen darf. Das betragliche Merkmal kann jedoch zu divergierenden Klassifizierungen führen und stellt die Bilanzierenden auch auf Grund des neuen Begriffs der Abhängigkeit von vorhandenen ökonomischen Ressourcen vor Herausforderungen. Andererseits entfällt durch die Einführung des Amount Feature die bisher notwendige Auslegung der Erfüllung des fixed-for-fixed Kriteriums des IAS 32.16(b)(ii). Das IASB erwartet dabei, dass die Anwendung des vorgeschlagenen präferierten Ansatzes grundsätzlich zur gleichen Klassifizierung wie bisher unter IAS 32 führen wird.

Beispiel 1: Wandelanleihen

Auf Grund des enthaltenen Wandlungsrechts stellen Wandelanleihen zusammengesetzte Finanzinstrumente dar, welche wie bisher unter IAS 32 als einzelne Komponenten klassifiziert werden sollen. Wie oben beschrieben, erwartet das IASB, dass die Anwendung des Amount Features anstelle des bisherigen fixed-for-fixed Kriteriums zu einer unveränderten Klassifizierung von Wandelanleihen führen wird. Die Anleihekomponente wird auf Grund des Timing Features regelmäßig als Fremdkapital zu klassifizieren sein, da eine Tilgung des Nominalbetrags vor dem Zeitpunkt der Liquidation erfolgt. Das Wandlungsrecht ist mittels des Amount Features zu untersuchen. Es darf demnach nicht von einer Variablen abhängen, welche unabhängig von den verfügbaren ökonomischen Ressourcen des Unternehmens ist. Folgende Variablen werden dabei vom IASB als in allen Fällen unabhängig angesehen und bedingen somit eine Klassifizierung als Fremdkapital:

  • Währungen, die nicht der funktionalen Währung entsprechen,
  • feste Anteile von finanziellen Vermögenswerten,
  • Variablen, die zwar von den verfügbaren ökonomischen Ressourcen des Unternehmens abhängen, jedoch bevor alle Ansprüche an die Gesellschaft bedient wurden (beispielsweise EBIT).

Ist beispielsweise der Ausübungspreis der Wandlungsoption in einer anderen Währung als der funktionalen Währung des emittierenden Unternehmens nominiert, hängt der Nettowert der Wandlungsoption von der Entwicklung des Wechselkurses der beiden Währungen ab. Diese Wechselkursentwicklung wiederum ist unabhängig von den verfügbaren ökonomischen Ressourcen des Unternehmens, sodass eine Klassifizierung als Fremdkapital auf Grund des Amount Features zu erfolgen hat.

Beispiel 2: eigenkapitalersetzende Darlehen

Eine Besonderheit und Abweichung zur bisherigen Bilanzierungspraxis ergäbe sich unter dem vom IASB präferierten Ansatz hinsichtlich gewisser eigenkapitalersetzender Darlehen – den sogenannten „Perpetuals“. Hierbei handelt es sich um Darlehen deren Tilgung inklusive Zinszahlungen im freien Ermessen des Schuldners unendlich weit in die Zukunft aufgeschoben werden können. Insbesondere in Teilkonzernabschlüssen werden diese Gestaltungen häufig eingesetzt, um Kapitaleinlagen zu vermeiden und gleichzeitig die gewünschte Eigenkapitalquote aufrecht zu erhalten. 

Bei diesen Perpetuals besteht keine Verpflichtung zur Abgabe von Zahlungsmitteln, sodass unter IAS 32 eine Klassifizierung als Eigenkapital möglich ist. Unter dem vom IASB präferierten Ansatz sind nun sowohl das Timing als auch das Amount Feature zu prüfen. Das Timing Feature kann als erfüllt betrachtet werden, da das Unternehmen die Übertragung ökonomischer Ressourcen bis zum Zeitpunkt der Liquidation aufschieben kann. Nichtsdestotrotz besteht die prinzipielle Verpflichtung zur Übertragung von ökonomischen Ressourcen in Form der Tilgung. Diese Tilgungszahlung stellt einen Betrag dar, der nicht von den verfügbaren ökonomischen Ressourcen des Unternehmens abhängt, sondern vielmehr durch das Nominal des Darlehens fixiert ist. Daher führt die Anwendung des vom IASB präferierten Ansatzes zur Klassifizierung als Fremdkapital und somit einer abweichenden Bilanzierung als unter der bisherigen Anwendungspraxis des IAS 32.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 93, Juli-August 2019

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