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Erneuter Anstieg der Geldwäscheverdachtsmeldungen im Jahr 2018

Anstieg der Geldwäscheverdachtsmeldungen im Jahr 2018

Auch Meldungen von Güterhändlern und Immobilienmaklern haben zugenommen.

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Barbara Scheben

Partner, Corporate Governance Services, Head of Forensic, Head of Data Protection

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Die Financial Intelligence Unit (FIU) hat in Köln ihren Jahresbericht 2018 vorgestellt. Mit einem erneuten Anstieg der Zahl der eingegangenen Geldwäscheverdachtsmeldungen setzt sich der Trend der Vorjahre fort. Von 59.845 Meldungen im Jahre 2017 stieg die Gesamtzahl der Verdachtsmeldungen im Jahre 2018 auf 77.252 an. Dies bedeutet eine Steigerung von 29 %.

Wie schon in den vorangegangenen Berichtszeiträumen ist die Zahl der Meldungen aus dem Nicht-Finanzsektor gering. Insgesamt 597 Meldungen, und damit weniger als 1 %, gingen aus der Gruppe dieser Verpflichteten bei der FIU ein. Dennoch zeigt der Trend auch hier insgesamt nach oben. Die Zahl der von Güterhändlern abgegebenen Meldungen stieg von 216 in 2017 auf 368 Verdachtsmeldungen in 2018. Immobilienmakler gaben ebenfalls mehr Meldungen ab als im Vorjahr. Hier stieg die Zahl von 21 in 2017 auf 31 Verdachtsmeldungen in 2018. Diejenigen Verpflichteten des Nicht-Finanzsektors, die Verdachtsmeldungen abgegeben haben, meldeten im Jahr 2018 im Durchschnitt 3 Fälle. Zum Vergleich: Im Finanzsektor liegt der Durchschnitt bei knapp 56 Meldungen pro Verpflichtetem. Der meldestärkste Verpflichtete des Nicht-Finanzsektors hat rund 50 Verdachtsmeldungen abgegeben. Unter den Güterhändlern haben 146 Verpflichtete Meldungen abgegeben, unter den Immobilienmaklern 20. 

Im Immobilienbereich hebt die FIU insbesondere den Erwerb von (Luxus-)Immobilien durch Finanzierungsmodelle unter Einbindung von Off-Shore-Standorten hervor. Als weitere Risikoindikatoren nennt sie den Einsatz von Barmitteln sowie die Über- oder Unterbewertung von Immobilien. Insgesamt hat die FIU rund 3.800 Verdachtsmeldungen mit dem Immobiliensektor in Verbindung gebracht. Dies macht knapp 5 % des Gesamtmeldeaufkommens aus.

Insgesamt 71 % der 146 aktiv meldenden Güterhändler sind der Kfz-Branche zuzuordnen. Diese Branche gab wiederum 60 % der Meldungen aus dem Güterhändlerbereich ab. Edelmetallhändler machen 5 % aus, Juweliere 3 %. Zu den 21 % „sonstigen“ Güterhändlern zählen laut FIU u. a Einzelhändler unterschiedlichster Ausrichtung, Großhändler, Möbelhäuser, aber auch Grundversorger sowie die Vertriebssparten großer Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe. Als häufige Meldegründe im Kfz-Bereich nennt die FIU die Einbeziehung Dritter bei Verkaufsgesprächen, Bezahlung oder Abholung des Fahrzeugs. Ebenso werden Probleme bei der Identifizierung des Käufers gemeldet, wobei auch gerade die gezielte Vermeidung des persönlichen Kontakts oftmals ein Meldegrund ist. Auch Barzahlungen und die Aufteilung des Kaufpreises spielen hier eine Rolle.

Das Thema Geldwäsche und deren Prävention ist und bleibt aktuell. Erst am 24.5.2019 hat das Bundesministerium der Finanzen seinen „Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Änderungsrichtlinie zur Vierten EU-Geldwäscherichtlinie [Richtlinie (EU) 2018/843]“ vorgelegt. Dieser beinhaltet weitgehende neue Anforderungen für die Verpflichteten, insbesondere für Güterhändler und Immobilienmakler. Unter anderem werden die Anforderungen an das geldwäschespezifische Risikomanagement und die Sorgfaltspflichten gegenüber Kunden erhöht.

Die EU-Mitgliedstaaten haben die Vorgaben der EU-Richtlinie, die Grundlage des vorgelegten Referentenentwurfs ist, bis zum 10. Januar 2020 umzusetzen. Unternehmen sollten sich daher einen Überblick über den erforderlichen Anpassungs- und Umsetzungsbedarf verschaffen und die entsprechenden Maßnahmen einleiten. Bereits die Nichtumsetzung der geforderten Maßnahmen birgt Bußgeldrisiken von bis zu einer Million Euro oder bis zum Zweifachen des aus dem Verstoß gezogenen wirtschaftlichen Vorteils, ohne dass es tatsächlich zu einem materiell-rechtlichen Geldwäscheverstoß gekommen sein muss. Unternehmensinterne Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sind daher nicht zu vernachlässigen.

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