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IFRS 9: Erkenntnisse aus der ersten Jahresabschlussprüfung

Erkenntnisse aus der ersten Jahresabschlussprüfung

Der erste Jahresabschluss nach IFRS 9 ist für die meisten Industrieunternehmen erfolgt.

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Dieser Artikel fasst die wesentlichen Erkenntnisse daraus zusammen und welche Themengebiete die größten Herausforderungen bereiteten.

Mit Veröffentlichung der Verordnung (EG) Nr. 2016/2067 vom 22. November 2016 wurde der Standard IFRS 9 für die Anwendung in Europa durch die EU-Kommission übernommen. Der Erstanwendungszeitpunkt in der EU folgte der Vorgabe des IASB, wodurch seit dem 1. Januar 2018 (Transition) der Standard verpflichtend anzuwenden ist und damit für viele Unternehmen erstmalig zum 31.12.2018 in den Jahresabschluss einging. Wie zu erwarten war stellte der IFRS 9 die Unternehmen vor große Herausforderungen, was nachfolgend entlang der Phasen Classification & Measurement, Impairment, Hedge Accounting sowie der Notes einmal beispielhaft dargestellt werden soll.

Classification & Measurement:

Phase 1 des IFRS 9 definiert sich in Bezug auf die Folgebewertung von finanziellen Vermögenswerten insbesondere durch die Bestimmung des „Business Model“ sowie die Analyse des „SPPI-Kriteriums“ (Solely Payments of Pricipal and Interest). Im Zuge der Festlegung des Geschäftsmodells als auch der Analyse von Zahlungsströmen, die ausschließlich aus Zinsen und Tilgungen bestehen dürfen, bedarf es einer angemessenen und korrekten Dokumentation. Gleichermaßen sind diese Inhalte in den konzernweiten Prozessen eines Unternehmens zu verankern, um nachhaltig und fortlaufend die damit einhergehenden Anforderungen zu erfüllen. Unumgänglich ist damit, dezentrale Führungskräfte zu diesen Themen zu sensibilisieren sowie darüber hinaus ein konzernweites Vertragsmanagement zu etablieren, um zum Beispiel auf Basis einer Vertragsdatenbank den Anforderungen des SPPI-Kriteriums Herr zu werden. 

In der Praxis findet man Situationen vor, wonach diese Themen oftmals nicht ganzheitlich im Konzernverbund umgesetzt worden sind. So werden zwar zentral Geschäftsmodelle vorgegeben und dokumentiert, jedoch dezentral nur bedingt gelebt. Noch defizitärer verhält es sich bei der Analyse des SPPI-Kriteriums. So werden Verträge verstärkt auf zentraler Ebene – vorzugsweise im Treasury – gewürdigt. Ein nachhaltiger, konzernweiter und dokumentierter Prozess ist oftmals nicht oder nur eingeschränkt etabliert. Dies wäre aber nicht zuletzt auch deswegen sinnvoll und ratsam, da gleichermaßen andere Standards (IFRS 15,16) oder auch der IFRS 9 an anderer Stelle (Embedded Derivatives) ein ganzheitliches Vertragsmanagement erfordern. 

Impairment:

Das neue Wertberichtigungsmodell stellte die Unternehmen wahrscheinlich vor die größte Herausforderung. Zu den wesentlichen Umsetzungsanforderungen zählten sicherlich die Modellierung, die Bereitstellung von (historischen) Daten, die IT-Konfiguration als auch die Automatisierung der Prozesse und Verantwortlichkeiten. 

In der praktischen Umsetzung sind die Themen Modellierung und Bereitstellung von Daten am weitesten fortgeschritten, wobei insbesondere die Qualität der verfügbaren Daten des Debitorenmanagements oftmals optimierungsbedürftig sind. Vor diesem Hintergrund wird in Zukunft die IT-Konfiguration sowie die Automatisierung der Prozesse an Bedeutung und Wichtigkeit gewinnen, um auf diese Weise eine effiziente und fehlerfreie Ermittlung des Impairments sicherzustellen. Gepaart mit Wesentlichkeitsentscheidungen, die im ersten Jahr der Umsetzung des IFRS 9 getroffen worden sind, oder auch fehlender Konzepte zum Backtesting, wird es in den kommenden Jahren sicherlich noch vermehrt Handlungsbedarf bei der Umsetzung des neuen Impairment-Modells geben.

Hedge Accounting:

Die durch den IFRS 9 angepassten Anforderungen an das Hedge Accounting sollten – gegenüber IAS 39 – zu einer Vereinfachung bei der Designation und bilanziellen Umsetzung von Sicherungsbeziehungen führen. Gleichermaßen sollte erreicht werden, mehr operative Geschäfte ins Hedge Accounting zu bekommen, so zum Bespiel durch die Komponentendesignation, die gerade im Commodity Hedge Accounting eine Vereinfachung darstellt.

Es lässt sich festhalten, dass sich die Komplexität in der operativen Umsetzung nicht reduziert hat. So führte beispielsweise die Separierung der Währungsbasis regelmäßig zu operativen Schwierigkeiten, die sich gleichermaßen in der systemseitigen Umsetzung widerspiegelten. So zeigte sich, dass die Treasury Management Systeme gegenwärtig kaum in der Lage sind, automatisiert einzelne Komponenten derivativer Finanzinstrumente im Einklang mit den Anforderungen des IFRS 9 zu verarbeiten und unter anderem eine sachgerechte Auflösung der Cash Flow Hedge Reserve als auch der Cost of Hedging Reserve sicherzustellen. Auch eine Zunahme an designierten Sicherungsbeziehungen war im ersten Jahr nicht zu erkennen. 

Notes:

Die wohl neben dem Impairment größten Herausfor-derungen bei der operativen Umsetzung traten bei der Generierung der Notes auf. Zu nennen sind hier unter anderem

  • die Überleitung des OCI im Rahmen des Hedge Accounting, getrennt nach Risikokategorien, designiertem Teil und Cost of Hedging,
  • die Ermittlung von Durchschnittskursen im Zuge der designierten Sicherungsbeziehungen,
  • die Wertberichtigungssätze bzw. Ratings im Rahmen der Wertberichtigungsmatrizen oder 
  • der Detaillierungsrad bei der qualitativen Darstellung spezieller Impairment-Annahmen (zum Beispiel Default Event, Significant Increase in Credit Risk, etc.). 

Auch zu den Notes lässt sich festhalten, dass im Rahmen der technischen und prozessualen Umsetzung Anpassungsbedarf besteht, um eine effiziente und richtige Generierung der Daten sicherzustellen.

Die Unternehmen sollten sich bei der weiteren Umsetzung bzw. Standardisierung des IFRS 9 insbesondere mit der technischen Konfiguration sowie einer Automatisierung der Prozesse beschäftigen und diesbezüglich Lösungen entwickeln. Andernfalls führt der IFRS 9 in Zukunft weiterhin zu einem hohen manuellen Anpassungsbedarf und wiederkehrendem Arbeitsaufwand, der nicht zuletzt eine Fehleranfälligkeit als auch eine Verzögerung bei der Jahresabschlusserstellung bedingen kann.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 91, Mai 2019

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