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Erweiterung der Möglichkeiten der Anwendung von Hedge Accounting...

Möglichkeiten der Anwendung von Hedge Accounting

...für die Risikoabsicherung durch IFRS 9 — ein Blick in die Praxis

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Für Corporates ist die Steuerung der finanziellen Risiken, welche vor allem die Marktpreisrisiken umfassen, von wesentlicher Bedeutung. Zur Steuerung dieser Risiken werden in der Regel Derivate verwendet. Um Derivate verursachungsgerecht bilanzieren zu können, sollten die Regelungen zum Hedge Accounting angewendet werden. Die weniger restriktiven Vorschriften zur Anwendung von Hedge Accounting unter IFRS 9 ermöglichen die bilanzielle Abbildung einer Vielzahl neuer Sicherungsbeziehungen, wobei das Hauptaugenmerk bisher auf den Sicherungsstrategien für Rohstoffpreisrisiken lag.

Neben der Absicherung gängiger Marktpreisrisiken wie Zins-, Währungs- und auch Rohstoffpreisrisiken lassen sich grundsätzlich jedoch auch Aktienpreisrisiken mit Hilfe von derivativen Finanzinstrumenten absichern. Aktienpreisrisiken können beispielsweise aus aktienbasierten Vergütungsmodellen wie share based payments oder stock option plans resultieren, die sich aufgrund der Verknüpfung von Bezahlung und Aktienentwicklung immer größer werdender Beliebtheit zur Incentivierung und Steuerung von Führungskräften in Schlüsselpositionen (key management personnel) erfreuen.

Damit sich aktienbasierte Vergütungspläne für die Anwendung von Hedge Accounting qualifizieren, sind die jeweiligen Anwendungsvoraussetzungen von Hedge Accounting zu erfüllen. Eine mögliche Ausgestaltungsform der Absicherung von Aktienpreisrisiken stellt dabei das Cashflow Hedge Accounting dar. Gegenstand der Absicherung ist hierbei das aus aktienbasierten Vergütungsplänen resultierende Risiko der Schwankungen zukünftiger Cashflows, die sich auf das Periodenergebnis auswirken (können). Als mögliches Grundgeschäft von Cashflow Hedges qualifizieren sich mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete Ansprüche des key management personnel, die sich aus aktienbasierten Vergütungsplänen ergeben können.

In Abhängigkeit der Erfüllung aktienbasierter Vergütungsmodelle lassen sich diese jeweils in „equity settled“ und „cash settled“ unterscheiden, woraus auch signifikante Unterschiede bzgl. der Bilanzierung gemäß IFRS 2 resultieren:

  • Aktienbasierte Vergütungspläne, die in eigenen Eigenkapitalinstrumenten erfüllt werden (equity settled), sind nach IFRS 2 jeweils (nur) zum Gewährungszeitpunkt zum Fair Value zu bilanzieren. Nachgelagert bedarf es keiner kontinuierlichen Fair Value Ermittlung über die erwartete Laufzeit zum jeweiligen Stichtag. Stattdessen erfolgt ausschließlich eine Beurteilung der Erreichung bestimmter Performancegrößen. Folglich resultieren über den Zeitablauf keine Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens, so dass die Anforderungen eines vorhandenen Grundgeschäfts zur Anwendung von (Cashflow) Hedge Accounting nicht erfüllt werden.
  • Für aktienbasierte Vergütungspläne, die in Zahlungsmitteln erfüllt werden (cash settled), sehen die Vorschriften gem. IFRS 2 demgegenüber eine Bilanzierung zum Fair Value zu dem jeweiligen Stichtag vor. Somit schlägt sich die Volatilität des Aktienpreises neben unter Umständen weiteren Auswirkungen durch Veränderungen von Performancegrößen in der Ergebnisrechnung nieder.

Das Grundgeschäft stellt somit einen erwarteten Anspruch dar, für den zu Beginn und während der Laufzeit der Nachweis einer hohen Eintrittswahrscheinlichkeit zu erbringen ist. Die Definition „hoch wahrscheinlich“ wird in den IFRS nicht eindeutig definiert, impliziert aber, dass eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 50% nicht ausreichend ist. In der Praxis wird eine Eintrittswahrscheinlichkeit von mindestens 90% als Referenzgröße herangezogen.

Aufgrund der Volatilität der erwarteten Cashflows bietet es sich an, im Rahmen der Definition der Absicherungsquote eine Designation der ersten Erdienung von Cashflows (bottom layer) zu sichern. Mit diesem Vorgehen wird möglichen Unsicherheiten in Bezug auf den Eintritt der zugrundeliegenden Cashflows Rechnung getragen. Sollte es zu einem unvorhergesehenen Wegfall einzelner Cashflows kommen, bilden die über die ersterdienten Cashflows hinaus verbleibenden Cashflows einen „Puffer“ ohne weitergehende Auswirkungen auf die Sicherungsbeziehung zu haben. IFRS 9 ermöglicht daneben ebenso auch die Designation sog. top layer, so dass theoretisch auch die letzterdienten Zahlungsströme gesichert werden können.

In Abhängigkeit der Ausgestaltung aktienbasierter Vergütungspläne (cash settled) kann sich auch die unter IFRS 9 erweiterte Möglichkeit der Absicherung einzelner Risikokomponenten anbieten. Insbesondere wenn der aktienbasierte Vergütungsplan (cash settled) von weiteren (Performance-) Faktoren abhängig ist, lassen sich hierdurch die Eintrittswahrscheinlichkeit sowie die Effektivitätsmessung verbessern. Als Voraussetzung sind die separate Identifizierbarkeit der Komponente(n) und eine verlässliche Bewertung der Veränderung der Cashflows des Grundgeschäfts nachzuweisen. In diesem Kontext kann auch nur eine einseitige Absicherung gegenüber Wertänderungen ober- oder unterhalb eines bestimmten Kurses (one-sided risk), wie dies bei Optionen der Fall ist, auf einzelne Risikokomponenten übertragen werden.

Als Sicherungsinstrumente (im Hedge Accounting) kommen regelmäßig Aktienforwards, Aktienswaps oder Aktienoptionen bzw. Optionskonstruktionen zur Anwendung. Der Vollständigkeit halber wird darauf hingewiesen, dass die jeweiligen Sicherungsinstrumente auch in Form eines cash settlements auszugestalten sind, um nicht möglicherweise als Eigenkapitalderivat gemäß IAS 32 zu gelten. Es empfiehlt sich der individuelle Abschluss der jeweiligen Sicherungsinstrumente (d.h. over-the-counter), so dass die spezifischen Charakteristika des Grundgeschäfts entsprechend auch im Sicherungsinstrument berücksichtigt werden können. Demgegenüber ist auch eine (ökonomische) Absicherung durch das Halten eigener Aktien denkbar, repräsentiert allerdings kein zulässiges Sicherungsinstrument zur Anwendung von Hedge Accounting.

Nachfolgend werden die Anwendungsvoraussetzungen sowie Umsetzungsherausforderungen zur Anwendung von Cash Flow Hedge Accounting auf aktienbasierte Vergütungsmodelle dargestellt.

Grundlegende Voraussetzung zur Anwendung von Hedge Accounting stellt die jeweilige Dokumentation und Designation der Sicherungsbeziehung dar. Neben einer Beschreibung der Risikomanagementstrategie und -zielsetzung, sind ebenso auch die Art des abgesicherten Risikos sowie das Grund- und Sicherungsinstrument zu beschreiben. Des Weiteren bedarf es einer Beschreibung der Effektivitätsmessung und der Quellen möglicher Ineffektivitäten (IFRS 9.6.4.1(b)). Als Möglichkeit zur Designation einer Sicherungsbeziehung kann entweder die Kassa-Komponente (spot-to-spot) oder der vollständige beizulegende Zeitwert (full fair value; forward-to-forward) designiert werden.

Als weitere Voraussetzung ist im Rahmen der Effektivitätsmessung (prospektiv) ein ökonomischer Zusammenhang zwischen Grund- und Sicherungsinstrument nachzuweisen, die Wertänderungen des Sicherungsinstruments dürfen nicht durch das Ausmaß des Kreditrisikos dominiert werden, sowie das Absicherungsverhältnis ist auf Basis des tatsächlich verwendeten Volumens zur Erreichung der Risikomanagementzielsetzung festzulegen (IFRS 9.6.4.1(c)). Der Nachweis der prospektiven Effektivität und die Berechnung etwaiger Ineffektivitäten erfolgt in der Praxis häufig mittels der hypothetischen Derivate-Methode, wobei die Wertänderungen des Sicherungsinstruments ins Verhältnis zu den Wertänderungen des Grundgeschäfts gebracht werden. Wichtig zu beachten ist, dass die Wertänderungen des Grundgeschäfts keinem Kreditrisiko unterliegen, da es sich lediglich um einen erwarteten, hoch wahrscheinlichen Anspruch handelt.

Im Rahmen der Effektivitätsmessung unter einer spot-to-spot Designation sind die Auswirkungen der Terminkomponente obsolet, da diese keinen Bestandteil der Sicherungsbeziehung darstellen. Die Terminkomponente kann wahlweise mittels dem Konzept der Kosten der Absicherung (cost of hedging) zeitanteilig erfolgsneutral im other comprehensive income (OCI) erfasst werden. Alternativ wird die Terminkomponente als Ineffektivität oder nicht designierter Bestandteil behandelt und folglich in der GuV erfasst. Wird demgegenüber eine forward-to-forward Designation gewählt, können mögliche Ineffektivitäten aus der Terminkomponente resultieren.

Wesentliche Herausforderung ist zusammen mit der Effektivitätsmessung die Implementierung einer entsprechenden Bilanzierungsroutine. Bei Anwendung von Cashflow Hedge Accounting wird die kompensierende Bilanzierung von Grund- und Sicherungsgeschäft durch die zwischenzeitliche Erfassung der Wertänderungen des Sicherungsinstruments im other comprehensive income (OCI) erreicht. Eine Reklassifizierung der im OCI erfassten Wertänderungen in den Personalaufwand wird für den effektiven Teil zeitsynchron mit dem Teil der aus dem Grundgeschäft ergebniswirksam erdienten Anteile (Anpassung der Zusage auf den aktuellen Aktienpreis) vorgenommen. Im gleichen Ausmaß, wie die Sicherungsbeziehung effektiv ist, entsteht so ein Personalaufwand zum Sicherungskurs. Die Wertänderungen die sich auf die noch nicht erdienten Anteile beziehen, sind im OCI zu belassen. In Summe ergibt sich ein Personalaufwand, der nicht von der Aktienpreisentwicklung abhängig ist.

Abschließend sind ebenso nicht die umfangreichen Angabepflichten zum Hedge Accounting im Anhang zu vernachlässigen, wobei unter anderem die Wertänderungen von Grund- und Sicherungsinstrument inklusive Kontraktmerkmale, Methoden und Berechnung der (In-)Effektivität sowie die jeweiligen Posten der Bilanz und Ergebnisrechnung offenzulegen sind (gem. IFRS 7.21A-24F).

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 90, April 2019

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