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Sustainable Finance

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Neue Herausforderungen in der Unternehmensfinanzierung

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Immer mehr große Kapitalgeber, Versicherungen und Investmentfonds berücksichtigen bei ihren Kredit- und Investitionsentscheidungen die Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards durch die Unternehmen. Im Dezember 2016 veröffentlichte die im Auftrag der G20 vom Finanzstabilitätsrat gegründete „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ eine Empfehlung zur Veröffentlichung von Informationen zu klimabezogenen Risiken von Unternehmen. Im vergangenen Jahr hat die „High Level Expert Group“ der EU-Kommission Gesetzesvorschläge zur Integration von Nachhaltigkeitsthemen in den regulatorischen und finanzpolitischen Rahmen der EU und in die Unternehmensberichterstattung vorgelegt. Hierdurch sollen unter anderem einheitliche Standards zur Beurteilung der Erfüllung der ESG-Faktoren (Environmental, Social, Governance) definiert werden.

Zielsetzung dieser Regulierungsinitiativen ist die Förderung der Investitionen in den Klimaschutz zur Erreichung der Ziele für 2030 des Pariser Klimaschutzabkommens. Die Europäische Kommission sieht demgemäß eine zentrale Rolle beim Finanzsystem bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie. Dabei sollen nicht nur direkte Investitionen für nachhaltige Projekte erhöht werden, sondern auch eine indirekte Wirkung erzielt werden, indem die Einhaltung der ESG-Faktoren durch den Kreditnehmer bei Finanzierungsentscheidungen berücksichtigt wird. Die Regulierung zielt auch auf eine umfassende Nachhaltigkeit ab, „Greenwashing“ von Investmentprodukten oder einzelnen Investitionsmaßnahmen soll verhindert werden.

Aktuelle Umfragen zeigen, dass 66 % der Investoren davon überzeugt sind, dass die Beachtung von ESG-Faktoren dabei helfen kann, Risiken zu identifizieren und zu verringern, 56 % gaben an, ESG Informationen dem Geschäftsbericht von Unternehmen zu entnehmen und in ihre Entscheidungen bzw. Investitionsstrategien mit einfließen lassen. Anfang Februar 2019 etwa gab die HSBC bekannt, das CO2-Volumen ihres Kreditportfolios zu berechnen und einen signifikanten Teil ihrer Kreditvergabe für nachhaltige Projekte zur Verfügung zu stellen. Die Union Investment hat angekündigt, dass in fünf Jahren nachhaltige Kriterien in der Geldanlage für das gesamte verwaltete Vermögen gelten sollen. Auch andere große Teilnehmer der Finanzindustrie wie der Norwegische Staatsfonds, die Allianz, Münchner Rück, BNP, Blackrock, DZ-Bank und Deka haben erklärt, Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Geschäftsentscheidungen zu integrieren.

Die Regulierung zielt unter anderem darauf ab, die entsprechenden Informationen in die Unternehmensberichterstattung zu integrieren. Für Corporate Finance ist daher absehbar, dass Fragen von Investoren zur Einhaltung von ESG-Kriterien künftig beantwortet werden müssen. Diesbezügliche Aspekte sind unter anderem

  • ­Investitionen in erneuerbare Energien
  • ­Verringerung der CO2-Emmissionen
  • ­Effizienter Umgang mit Energie, Rohstoffen und Wasser
  • ­Umweltverträgliche Produktion
  • ­Arbeitsbedingungen inkl. Vermeidung von Zwangs- und Kinderarbeit
  • ­Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit
  • ­Hohe Standards bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • ­Faire Bedingungen am Arbeitsplatz, angemessene Entlohnung, Aus- und Weiterbildungschancen und Nicht-Diskriminierung
  • ­Verknüpfung der Managergehälter mit dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen
  • ­Maßnahmen zur Verhinderung von Bestechung und Korruption
  • Faire Steuerstrategie
  • ­Maßnahmen zur Erhöhung der Cybersecurity

Darüber hinaus sollte ein Unternehmen auch darlegen können, wie es vom Klimawandel betroffen ist, welche finanziellen Auswirkungen dadurch hervorgerufen werden und welche Strategie es dagegen entwickelt.

Der Gesetzesvorschlag der EU-Kommission vom Mai 2018 sieht vor, dass ökonomische Tätigkeiten als umweltfreundlich bzw. nachhaltig eingestuft werden, sobald mindestens eins der sechs EU Umweltziele verfolgt wird:

  1. Klimaschutz
  2. Klimawandel-Anpassung
  3. Nachhaltige Nutzung sowie Schutz des Wassers und der Meeresressourcen
  4. Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfall-Reduzierung und Recycling
  5. Vermeidung/ Verminderung von Umweltverschmutzung
  6. Schutz eines gesunden Ökosystems

Hierfür soll eine Taxonomie festgelegt werden, die Kriterien für eine entsprechende Beurteilung definiert und damit eine einheitliche Klassifizierung der Kapitalanlagen ermöglicht. Diese wird für Mitte 2020 erwartet, ebeso ein Ökosiegel für Finanzprodukte, das dann ein Merkmal von Schuldverschreibungen, Schuldscheindarlehen und andere Finanzierungsinstrumenten bilden wird.

Um zwecks Sicherstellung der Finanzierungsmöglichkeiten diese Aspekte im Unternehmen angemessen zu berücksichtigen und die Fragen von Investoren beantworten zu können wird es für den Treasurer künftig noch mehr erforderlich sein, sich bei den diesbezüglichen Entscheidungen und Prozessen einzubringen. Investitionen, Auswahl von Lieferanten und Kunden, Produktionsverfahren, Personalpolitik, IT-Sicherheit und internes Kontrollsystem sind Aufgabenbereiche, mit denen der Treasurer die von den Investoren erwarteten Standards abstimmen muss.

Treasurer die sich fragen, welche Aufgaben sie in Anbetracht der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung künftig noch wahrnehmen sollen, zeigt auch diese Entwicklung, dass ihre Tätigkeit sich zwar wandeln aber weiterhin wichtig für das Unternehmen sein wird.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 88, Januar-Februar 2019

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