Modifikationen von finanziellen Verbindlichkeiten - KPMG Deutschland
close
Share with your friends

Modifikationen von finanziellen Verbindlichkeiten in der Praxis

Modifikationen von finanziellen Verbindlichkeiten

Viele Unternehmen müssen in 2018 erstmalig die im IFRS 9 enthaltenen Regelungen zur Behandlung von nicht substantiellen Modifikationen anwenden.

Verwandte Inhalte

FTM Bildwelt: Snowboarder

Viele Unternehmen müssen in 2018 erstmalig die im IFRS 9 enthaltenen Regelungen zur Behandlung von nicht substantiellen Modifikationen anwenden. Und dies teilweise retrospektiv für schon länger zurückliegende Refinanzierungen. Im Folgenden sollen die quantitativen Auswirkungen für ausgewählte Beispiele im Detail dargestellt werden.

Obwohl die Regelungen für Modifikationen von finanziellen Verbindlichkeiten im IAS 39 und im IFRS 9 zunächst unverändert schienen, haben viele Verlautbarungen bereits in 2017 klargestellt, dass nicht substantielle Modifikationen in der Regel zu einem erfolgswirksamen Modifikationseffekt führen, da dieser Effekt im Gegensatz zur gängigen Praxis nach IAS 39 nun nicht mehr mit einem geänderten Effektivzins über die Laufzeit verteilt werden kann.

In den folgenden Beispielen möchten wir die Unterschiede der Behandlung von nicht substantiellen Modifikationen darstellen und darauf eingehen, wie diese im Rahmen der Transition auf IFRS 9 zu behandeln sind.

Beispiel 1: 

Ein Unternehmen hat Anfang 2015 ein endfälliges Darlehen in einer Höhe von 100 Mio. EUR und einer Laufzeit bis Ende 2019 aufgenommen. Der Zinssatz betrug 4%. Unter Berücksichtigung von Transaktionskosten in Höhe von 3 Mio. EUR hat sich bei Begebung ein Effektivzins von 4,7% und folgender Amortisationsplan ergeben:

Jahr Buchwert 1.1. Zins Amorti-sation Buchwert 31.12.
2015 97,0 4,0 0,5 97,5
2016 97,5 4,0 0,6 98,1
2017 98,1 4,0 0,6 98,7
2018 98,7 4,0 0,6 99,3
2019 99,3 4,0 0,7 100,0

Das Unternehmen hat nun Ende 2015 eine Refinanzierung durchgeführt. Dabei wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert, sowie eine Reduzierung des Zinssatzes auf 3% vorgenommen. Diese Modifikation wurde als nicht substantiell eingeschätzt und nach IAS 39 wurde die in der Praxis gängige Methode gewählt, basierend auf dem Anfangsbuchwert Ende 2015 in Höhe von 97,5 Mio. EUR einen neuen Effektivzins zur Verteilung der gesunkenen Zinsen auf eine längere Laufzeit zu ermitteln. Dieser beträgt 3,5%. Die Amortisation mittels des neuen Effektivzinssatzes führt nach IAS 39 zu einem Buchwert am 31.12.2017 in Höhe von 98,3 Mio. EUR.

Bei der Erstanwendung des IFRS 9 am 01.01.2018 muss das Unternehmen das bestehende Darlehen retrospektiv nach den Vorschriften des IFRS 9 bilanzieren. Es ermittelt daher den Modifikationseffekt zum Zeitpunkt der Refinanzierung unter Verwendung des ursprünglichen Effektivzinses von 4,7% über folgende Berechnung:

Jahr Buchwert 1.1 Zins Amorti-sation Buchwert 31.12.
2015 97,0 4,0 0,5 97,5
Modifika-tions-gewinn       -6,2
2016 91,4 3,0 1,3 92,6
2017 92,6 3,0 1,3 94,0
2018 94,0 3,0 1,4 95,4
2019 95,4 3,0 1,5 96,8
2020 96,8 3,0 1,5 98,4
2021 98,4 3,0 1,6 100,0

 

Die Zinsersparnis wird somit nicht über die Laufzeit verteilt, sondern zum Zeitpunkt der Refinanzierung ergebniswirksam in Höhe von 6,2 Mio. EUR erfasst. Der Modifikationsgewinn resultiert im Wesentlichen aus den ersparten Zinsen in Höhe von 4 Mio. EUR für die ursprüngliche Laufzeit, den im Vergleich zum Effektivzins um 1,7% niedrigeren Zinsen für die letzten zwei Jahre sowie einer geänderten Verteilung der ursprünglichen Transaktionskosten.

Für die Erstellung der Eröffnungsbilanz wird zum 31.12.2017 die Differenz zwischen dem IAS 39 (siehe oben, 98,3 Mio. EUR) und dem IFRS 9 Buchwert (siehe Tabelle, 94 Mio. EUR) von 4,3 Mio. EUR erfolgsneutral erfasst. Diese Differenz spiegelt sich in einem entsprechend höheren Zinsaufwand in den Folgeperioden wider, der im Gegensatz zur Transitionbuchung am 01.01.2018 allerdings erfolgswirksam ist.

Beispiel 2:

Das obige Beispiel wird nun in der Form abgewandelt, dass zum Zeitpunkt der Refinanzierung zusätzlich eine Aufstockung des Darlehens um 50 Mio. EUR vereinbart wurde. Das Unternehmen betrachtet dabei die Aufstockung des Darlehens nicht als neues Darlehen. Der Modifikationsgewinn erhöht sich in diesem Fall auf 10,5 Mio. EUR. Dieser Betrag resultiert im Wesentlichen aus der oben beschriebenen Zinsersparnis, nun allerdings für 150% der Darlehenssumme. 

Jahr Buchwert 1.1. Zins Amorti-sation Buchwert 31.12.
2015 97,0 4,0 0,5 97,5
Modifika-tions-gewinn       -10,5
Auf-stockung       50,0
2016 137,0 4,5 1,9 138,9
2017 138,9 4,5 2,0 141,0
2018 141,0 4,5 2,1 143,1
2019 143,1 4,5 2,2 145,3
2020 145,3 4,5 2,3 147,6
2021 147,6 4,5 2,4 150,0

 

Fazit: Zum Zeitpunkt der Transition auf IFRS 9 bestand die wesentliche Herausforderung in der Bestimmung korrekter IFRS 9 Eröffnungsbilanzbuchwerte. Insbesondere bei mehrfachen Refinanzierungsevents in der Vergangenheit gestaltet sich die Buchwertbestimmung als kompliziert. Bedingt durch das in der Vergangenheit vorherrschende höhere Zinsniveau, konnten wesentliche Anpassungen der verwendeten Effektivzinsen beobachtet werden. Die damit verbundenen geänderten Buchwerte sowie die geänderten zukünftigen Zinsaufwendungen können insbesondere auch zu Unterschieden in den Unternehmenskennzahlen oder den vertraglichen Covenants führen, die daher in diesem Zusammenhang ebenfalls analysiert werden sollten.

Nicht immer führt jedoch eine nicht substantielle Modifikation zu den oben beschriebenen Effekten. Wird eine variabel verzinsliche Verbindlichkeit modifiziert, so erachten wir es als gegebenenfalls sachgerecht an unter Verweis auf IFRS 9B.5.4.5 nicht den ursprünglichen, sondern einen angepassten Effektivzinssatz für die Folgebilanzierung zu verwenden. Genau zu untersuchen ist hierbei, welche Vertragsparameter geändert wurden und ob die Änderung jeweils eine Anpassung an Marktkonditionen darstellt. Eine detaillierte Einzelfallanalyse ist hierbei unerlässlich, um eine sachgerechte Ermittlung des Bilanzansatzes sowie aber auch eines etwaigen Modifikationsgewinns/-verlustes bestimmen zu können.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 87, Dezember 2018

KPMG Corporate Treasury News

So kontaktieren Sie uns

 

Möchten Sie mit KPMG in Kontakt treten?

 

Angebotsanfrage (RFP)