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Basel IV: Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)

Basel IV: Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)

Neue Regularien zur Eigenkapitalunterlegung von Marktpreisrisiken im Handelsbuch.

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Im Januar 2016 veröffentlichte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) einen neuen Standard zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderung für Marktpreisrisiken. Aufgrund anhaltender Kritik an einigen Eckpunkten des Standards veröffentlichte das Basel Komitee im März 2018 – noch vor Inkrafttreten des Standards – ein Konsultationspapier mit selektiven Verbesserungsvorschlägen, die von der Industrie insgesamt wohlwollend aufgenommen wurden. Im Januar 2019 verabschiedete der Basler Ausschuss einen überarbeiteten Standard zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderung für Marktpreisrisiken und folgt dabei im Wesentlichen dem Konsultationspapier.

Auf europäischer Ebene wurden obige Vorgaben mit verschiedenen Anpassungen in die CRR 2, welche am 28. Juni 2019 in Kraft getreten ist, übernommen. Die Änderungen des kurz zuvor veröffentlichten BCBS-Standards sind allerdings noch nicht reflektiert. Diese sollen nachgelagert über delegierte Rechtsakte und technische Regulierungsstandards eingeführt werden.

Die neuen Regelungen im Rahmen des Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) beinhalten eine schärfere Trennung von Positionen zwischen dem Handels- und Anlagebuch, die Einführung eines neuen Standardansatzes für Marktpreisrisiken sowie überarbeitete Vorschriften zur Verwendung interner Modelle. Die verschärfte Abgrenzung zwischen Handels- und Anlagebuch soll Umwidmungen zwischen den beiden Büchern erschweren und damit regulatorische Kapitalarbitrage verhindern. Hierzu werden explizit benannte Finanzinstrumente sowie bestimmte gelistete Eigenkapitalinstrumente oder Optionen explizit dem Handelsbuch zugeordnet. Von dieser Zuordnung kann nur begründet und mit Zustimmung der Aufsicht abgewichen werden. Die vom Basel Komitee vorgeschlagenen Regeln zur Handels- und Anlagebuch-Abgrenzung wurden nicht in die CRR 2 übernommen. Die Vorgaben zur restriktiveren Umwidmung zwischen Handels- und Anlagebuch wurden hingegen übernommen und werden ab Mitte 2023 gelten.

Drei unabhängig zu ermittelnde Komponenten

Der neu entwickelte Standardansatz umfasst drei unabhängig zu ermittelnde Komponenten: ein sensitivitätsgestützter Varianz-Kovarianz-Ansatz zur Kapitalunterlegung „klassischer“ Marktpreisrisiken, ferner eine Ausfallrisiko-Komponente für Fremd- und Eigenkapitalpositionen sowie einen Zuschlag für Restrisiken, zum Beispiel für Finanzinstrumente mit exotischen oder sonstigen Basiswerten. Begleitet wird dieser Ansatz durch entsprechende Offenlegungsanforderungen.

Banken mit kleinen Handelsbüchern haben die Möglichkeit, einen vereinfachten Standardansatz zu verwenden, welcher als skalierte Variante des bestehenden Standardansatzes nach Basel II definiert ist. Je nach Risikoart wird dabei der Kapitalbedarf auf 120 % (für FX-Risiko) bis 350 % (für Aktienrisiko) des aktuellen Wertes skaliert.

Bei der Verwendung interner Modelle erfolgt die Genehmigung zukünftig nicht mehr auf Bank-, sondern auf Handelstischebene. Die Eigenmittelanforderungen wurden dabei verschärft – unter anderem durch Berücksichtigung von Risikofaktor-spezifischen Liquiditätshorizonten, Einführung sogenannter nicht-modellierbarer Risikofaktoren und Restriktionen bei Diversifikationsannahmen – und ergeben sich ähnlich wie der Standardansatz aus der Summe von drei Komponenten: einem Expected Shortfall zur Kapitalunterlegung „klassischer“ Marktpreisrisiken, einem konservativ ausgestalteten Maß für nicht-modellierbare Risikofaktoren und einer Ausfallrisiko-Komponente für Fremd- und Eigenkapitalpositionen. Ferner müssen Banken, die interne Modelle zur Messung von Marktrisiken verwenden, die Eigenkapitalunterlegung zusätzlich vergleichend mithilfe des Standardansatzes berechnen.

Schrittweise Einführung

Die CRR 2 sieht für Banken mit wesentlichen Marktrisiko-Positionen eine FRTB-Meldepflicht nach dem Standardansatz für Ende 2020 und eine Meldepflicht für die Ergebnisse des Internen-Modelle-Ansatzes nach FRTB für frühestens Anfang 2023 vor. Die Kapitalanforderungen nach FRTB sollen vier Jahre nach Inkrafttreten der CRR 2 gelten, das heißt Mitte 2023. Daraus ergeben sich für alle Institute erhebliche Implikationen und Handlungsbedarfe.

Abhängig vom individuellen Portfolio ist grundsätzlich auch infolge der Ausweitung der Handelsbuch-Zuordnung mit erhöhten Eigenkapitalanforderungen im Vergleich zum Status Quo zu rechnen. Darüber hinaus kann für kleine und mittlere Banken die veränderte Handels- und Anlagebuch-Zuordnung zu einer Überschreitung der Schwellenwerte für die vereinfachende Behandlung der Marktpreisrisiken führen. Zudem ergeben sich selbst im Standardansatz deutlich höhere Anforderungen an die Granularität der Daten sowie eine erhöhte Methodenkomplexität. Für interne Modelle steigt der organisatorische Aufwand zur Beantragung bzw. für den fortlaufenden Betrieb deutlich.

KPMG verfügt über umfangreiche Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Risikomessung, Aufsichtsrecht sowie Handel und IT. Unsere Beratungsleistungen umfassen die Durchführung von Simulationsrechnungen der zukünftigen Eigenkapitalanforderung sowie die Konzeption von Berechnungen gemäß der gewählten Kapitalansätze und deren Implementierung und Einbindung in das aufsichtsrechtliche Meldewesen.

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