IASB schlägt Änderungen zu IFRS 17 vor - KPMG Deutschland
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Standardsetzer erleichtert den Versicherern die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards

IASB schlägt Änderungen zu IFRS 17 vor

IASB schlägt Änderungen des neuen Rechnungslegungsstandards IFRS 17 Versicherungsverträge vor – Aufschub der Erstanwendung bis zum 1. Januar 2022

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Im Mai 2017, nach gut 20 Jahre andauernden Diskussionen, hatte das International Accounting Standards Board (IASB) den internationalen Rechnungslegungsstandard für Versicherungsverträge, IFRS 17, veröffentlicht. Seitdem hat das IASB die Versicherer bei der Umsetzung eng begleitet und zahlreiche Bedenken sowie Umsetzungsprobleme festgestellt. Um diesen Rechnung zu tragen und um die Umsetzung zu erleichtern, hat es jetzt Änderungen des IFRS 17 in sieben Bereichen vorgeschlagen, begleitet von einem Aufschub der Erstanwendung um ein Jahr bis zum 1. Januar 2022.

Mary Trussell, Partnerin bei KPMG und global für die Umsetzungsprojekte verantwortlich: „Mit den Vorschlägen des IASB zur Änderung des IFRS 17 haben wir nun ein vollständiges Bild, wie der anzuwendende Standard aussehen wird. Für alle Versicherer mit Projektmüdigkeit ist das ein Weckruf, den Projektfortschritt zu beurteilen und das Projekt wiederzubeleben. Die Änderungen helfen, aber die Umsetzung von IFRS 17 ist nach wie vor sehr komplex und erfordert substanzielle Anstrengungen.“

Die meisten Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, müssen seit 2018 Finanzinstrumente nach dem Standard IFRS 9 abbilden. Hiervon waren jedoch Versicherer unter bestimmten Voraussetzungen befreit; sie sollten die Bilanzierung von Kapitalanlagen – das sind weitestgehend Finanzinstrumente – und von versicherungstechnischen Rückstellungen gleichzeitig umstellen dürfen. Das IASB hat daher vorgeschlagen auch hier den Anwendungszeitpunkt auf 2022 zu verschieben. Nicht eingegangen ist das IASB auf das Petitum aus der Branche, auf die Anpassung der Vergleichszahlen für das Vorjahr zu verzichten; den Versicherern könnten dadurch signifikante Umstellungsaufwendungen erspart bleiben.

Joachim Kölschbach, Partner bei KPMG und für die Anwendung der IFRS bei Versicherern zuständig, erklärt: „Die Vorschläge dürften die Versicherer insgesamt erfreuen. Das zusätzliche Jahr gibt ihnen die notwendige Zeit um ihre Umsetzungsprojekte abzuschließen und die Änderungen lösen zahlreiche  Probleme in der Praxis. Dazu gehören die Verteilung von Abschlusskosten auf die erwartete Laufzeit von Verträgen und die Möglichkeit, Gewinne aus Rückversicherungsverträgen zu zeigen, wenn sie Verluste aus dem Bruttogeschäft ausgleichen. Das bildet die wirtschaftlichen Zusammenhänge besser ab.“

IFRS 17 und seine Änderungen wirken sich nicht nur auf die Rechnungslegung aus, sondern betreffen auch das Datenmanagement und IT-Systeme. „Die Änderungen erlauben es teilweise, auf rückwirkende Analysen von Daten der Vergangenheit zu verzichten, aber nur teilweise. Insbesondere bleibt die Notwendigkeit, die Bestände für Zwecke der Rechnungslegung in Jahresscheiben zu teilen. Das ist mit hohem administrativem Aufwand verbunden und wird sicherlich ein kritischer Punkt in der Kommentierung werden. Es könnte hier helfen, die Regel durch eine prinzipielle Anforderung zu ersetzen“, meint Kölschbach.

Frank Ellenbürger, Bereichsvorstand Versicherungen bei KPMG, ergänzt: „Es ist entscheidend, dass die Versicherer sich dessen bewusst sind, dass IFRS 17 trotz der Änderungen hohe Anforderungen an die Datenerfassung, Systeme, Prozesse und Kontrollen stellt. Die Auswirkungen werden über das Rechnungswesen hinaus spürbar sein: in Aktuariat, IT, Risikomanagement, Investor Relations bis in HR.“

IFRS 17 wird IFRS 4 ersetzen; dieser erlaubte Versicherern weitgehend vorherige Bilanzierungspraktiken fortzusetzen. Damit wird künftig ein wesentlicher Makel behoben, nämlich die fehlende Vergleichbarkeit der Versicherer aus unterschiedlichen Jurisdiktionen, selbst innerhalb der EU. „Analysten und Investoren fordern jetzt endlich eine wirklich vergleichbare und transparente Rechnungslegung der Versicherer. Das, was die Versicherer derzeit zusätzlich unter IFRS und Solvency II berichten, ist für eine Performancemessung unzureichend. Es ist deshalb wichtig, dass der Standard zum jetzt vorgeschlagenen Zeitpunkt 2022 auch wirklich zur Anwendung kommen kann“, erläutert Ellenbürger.

Das IASB fordert die Versicherer und anderen Beteiligten auf, Kommentare bis zum 25. September 2019 abzugeben und beabsichtigt die Veröffentlichung der endgültigen Änderung Mitte 2020.

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