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Umfrage: Brexit und Corona werden für Unternehmen zur Doppelbelastung

Brexit und Corona als Doppelbelastung für Unternehmen

Umfrage von KPMG und British Chamber of Commerce

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  • German British Business Outlook: Großteil der britischen und deutschen Unternehmen geht für 2020 von nachhaltig starken Umsatzrückgängen bei gleichzeitig steigenden Kosten aus
  • Fehlende Vorbereitung: Ein Viertel der befragten Unternehmen ist noch immer nicht auf den Brexit vorbereitet
  • Trübe Zukunftsaussichten: Überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen sieht mögliche Geschäftschancen nach dem Brexit kritisch
  • Sinkende Investitionsbereitschaft: Als Folge der Pandemie fahren fast 60 Prozent der befragten Unternehmen ihre Investitionen zurück

Berlin, 18. Dezember 2020

Für Unternehmen wird die Doppelbelastung durch die Corona-Pandemie und den Brexit immer herausfordernder: Über die Hälfte der befragten Unternehmen (54 Prozent) geht für dieses Jahr von sinkenden Umsätzen aus. 31 Prozent rechnen gar mit einem starken Rückgang. Das ist ein Kernergebnis des German British Business Outlook 2021 – die jährliche Umfrage der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) zu den Geschäftserwartungen deutscher und britischer Unternehmen. Bei der Befragung 2019 hatten lediglich 30 Prozent der Befragten brexitbedingte Umsatzrückgänge und nur fünf Prozent einen starken Rückgang erwartet. Damit hat sich das Bild im Jahresverlauf noch einmal deutlich verdüstert.

„Die Sicht der Unternehmen auf Umsatz und Investitionen hat sich noch einmal drastisch verschlechtert. Aufgrund der beiden bestehenden Herausforderungen – Corona-Pandemie und Brexit – wird es auch im kommenden Jahr zu massiven, bislang kaum vorstellbaren Einbrüchen kommen. Wir schlittern, trotz der Hilfsprogramme, geradewegs in eine deutlich über 2021 hinausgehende Krise hinein“, sagt Michael Schmidt, Präsident der BCCG. Schmidt rechnet mit erheblichen Bremsspuren im zuletzt noch fast 120 Milliarden Euro umfassenden Handelsvolumen beider Länder.

„Es ist nicht allzu überraschend, dass eine zunehmende Anzahl an Unternehmen gerade im Vergleich zum Jahr 2019 Umsatzrückgänge erwarten. Auffallend ist jedoch die große Steigerung auf 54 Prozent gegenüber 30 Prozent im Jahr 2019. Zugleich hat sich die Anzahl der Unternehmen versechsfacht, die starke Umsatzrückgänge erwarten – auch langfristig: Etwa ein Viertel der Befragungsteilnehmer rechnet auch in den kommenden drei bis fünf Jahren mit starken Umsatzrückgängen. Zum Vergleich: Eine Verbesserung in den kommenden zwölf Monaten erwarten lediglich 28 Prozent. Hinzu kommt, dass die meisten befragten Unternehmen von deutlich steigenden Kosten ausgehen“, sagt Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Hier nennen die befragten Unternehmen vor allem Kosten durch den zusätzlichen Verwaltungsaufwand (78 Prozent), steigende Logistikkosten (70 Prozent) und Zollaufwendungen (68 Prozent).

„New Reality“: Durch die Corona-Krise sinken die Investitionen

Hinzu kommen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie, die ebenfalls tiefe Spuren hinterlassen: Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer (58 Prozent) plant im kommenden Jahr mit sinkenden Investitionen. „Die starken Umsatzrückgänge der Unternehmen spiegeln sich auch in ihrer Investitionsbereitschaft wider. Unsere Umfrage zeigt, dass sich coronabedingte Investitionen an der neuen Normalität orientieren und auf Digitalisierung sowie Homeoffice-Möglichkeiten abzielen“, so Michael Schmidt.

Zugleich betont der Präsident der BCCG: „Jede Krise bringt Gewinner hervor: Wer hätte vor einem Jahr geglaubt, dass wir einen solchen Digitalisierungsschub erleben und in Deutschland innerhalb von Monaten einen Impfstoff auf den Markt bringen? Ich rechne mit einem enormen Innovations- und Gründungsschub. Junge Unternehmer können Chancen ergreifen und für etablierte Unternehmen kommt es darauf an, wie flexibel sie reagieren. Das ist unsere Chance, die Krise abzukürzen.“

Von der Bundesregierung erwartet Schmidt mehr als finanzielle Unterstützung. „Hilfsprogramme sind gut und richtig, aber in dieser Situation nicht ausreichend. Die Politik muss endlich bürokratische Hemmnisse abbauen, vereinfachte praktikable Lösungen entwickeln und infrastrukturelle Investitionen sowie Digitalisierung massiv beschleunigen. Davon profitieren sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer. Und zwar nachhaltig.“ 

Viele Unternehmen sind weiterhin nicht auf Brexit vorbereitet

Auch wenn der Austrittstermin nun unmittelbar bevorsteht, gibt immer noch nur ein Drittel (32 Prozent) der Unternehmen zum Befragungszeitpunkt im Herbst 2020 an, die notwendigen Schritte zur Vorbereitung auf den Brexit unternommen zu haben. Weitere 43 Prozent haben vor, ihre Vorbereitung noch bis Ende dieses Jahres abzuschließen. „Es ist überraschend, dass ein Viertel der Unternehmen kurz vor dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU immer noch nicht auf den Brexit vorbereitet ist“, sagt Andreas Glunz. „Gleichzeitig weicht das gewünschte massiv vom erwarteten Austritts-Szenario ab.“ Während sich 87 Prozent der Befragten einen geregelten Ausstieg wünschen, glauben 67 Prozent, dass es gleichwohl zum „Hard Brexit“ kommt.

Auch die Reaktion auf den Brexit überrascht: „Die große Mehrheit der befragten Unternehmen plant weder kurzfristig noch langfristig eine Unternehmensverlagerung von Großbritannien nach Deutschland. Deutschland bleibt grundsätzlich gut positioniert und ist für die Unternehmen im Fall einer Standortverlagerung die erste Wahl“, so Andreas Glunz. In Zahlen: 61 Prozent geben an, in den kommenden fünf Jahren keine Standortverlagerung zu planen. Wenn dennoch Verlagerungen in die EU geplant sind, dann vorrangig nach Deutschland (14 Prozent wollen nach Deutschland verlagern, 17 Prozent in andere EU-Länder).

Trübe Zukunftsaussichten: Unternehmen sehen Chancen skeptisch

Zudem sind die befragten Unternehmen skeptisch, was neue Geschäftschancen angeht, die sich aus dem EU-Austritt Großbritanniens ergeben könnten. Mögliche neue Partnerschaften von Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals auf Drittmärkten erachten lediglich acht Prozent der Umfrageteilnehmer für eine sichere oder sehr wahrscheinliche Post-Brexit-Option. Noch deutlicher ist die Skepsis im Hinblick auf die Überlegungen, man könne an einem neuen US-amerikanisch-britischen Handelsabkommen partizipieren oder administrative Aspekte würden künftig einfacher als bisher (beides halten lediglich fünf Prozent für sicher oder wahrscheinlich).

„Dass Unternehmen die Chancen, die sich nach dem Brexit ergeben könnten, gar nicht erst erkunden, trübt die Zukunftsaussichten zusätzlich. Sie sehen nach dem vollzogenen Brexit vor allem Handelshemmnisse und hohe Kosten. Dabei könnten deutsche Unternehmen auch von den Marktzugängen britischer Unternehmen in angelsächsischen Ländern profitieren, beziehungsweise in den Ländern des Commonwealth“, sagt Andreas Glunz.

Über den German British Business Outlook 2021

Die Britische Handelskammer in Deutschland (BCCG) und KPMG haben für diese Umfrage sowohl deutsche Tochtergesellschaften mit Hauptsitz im Großbritannien als auch britische Tochtergesellschaften mit Hauptsitz in Deutschland befragt. Insgesamt 66 Unternehmen nahmen an der Umfrage teil, die zwischen dem 10. September und 23. Oktober 2020 durchgeführt wurde. Die Umfrage konzentriert sich auf den wirtschaftlichen Ausblick deutscher und britischer Unternehmen und die Herausforderungen, denen sie im Hinblick auf Wachstumschancen für ihre Unternehmen gegenüberstehen. Rund drei Viertel (73 Prozent) der befragten Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland und 27 Prozent im Vereinigten Königreich. Mehr Informationen dazu können Sie im Podcast der BCCG 5-Minuten Brexit nachhören (https://spoti.fi/37dNHtL) oder hier finden:  https://bit.ly/3813I5v .

Hinweis: Die gesamten Studienergebnisse finden Sie in der Studie zum Download.

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