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KPMG-Analyse: Deutschland hinkt beim autonomen Fahren hinterher

Deutschland hinkt beim autonomen Fahren hinterher

Schwächen in Infrastruktur und Bevölkerungsakzeptanz, Stärken in den Bereichen Technologie und Innovation

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Berlin, den 7. Juli 2020

Deutschland gerät im internationalen Vergleich bei den Voraussetzungen für Autonomes Fahren in Rückstand. Der „Autonomous Vehicles Readiness Index“ von KPMG vergleicht die Voraussetzungen zur Einführung des autonomen Fahrens in 30 Ländern (im Vorjahr: 25). Die Bundesrepublik rutschte auch durch die Erweiterung des Index von Platz 8 im Vorjahr auf Platz 14 ab. Untersucht werden dabei die vier Bereiche Politik/Gesetzgebung, Technologie/Innovation, Infrastruktur und Bevölkerungsakzeptanz. In der Gesamtwertung belegt Singapur den ersten Platz vor den Niederlanden und Norwegen.

Am besten schneidet Deutschland in der Sparte Technologie/Innovation mit Platz 4 ab. Hierbei wirken sich Industriepartnerschaften, Patente und Investitionen in Unternehmen positiv aus, die im Bereich Autonomes Fahren unterwegs sind.

In der Kategorie Politik/Gesetzgebung rutscht Deutschland von Platz 6 auf 7. In Sachen Infrastruktur und Bevölkerungsakzeptanz liegt die Bundesrepublik auf Rang 19 und 21 und somit vergleichsweise weit hinten.

Dr. Moritz Püstow, Partner bei KPMG Law: „Deutschland war einer der Vorreiter bei der Entwicklung der Rahmenbedingungen für autonomes Fahren. Der Anfangsschwung hat jedoch nachgelassen. Der Wissenschaftsbeirat hat bereits 2017 die Intensivierung der Maßnahmen angemahnt. Heute gibt es zwar zunehmende Testfelder in den Kommunen. Es fehlt aber an einer ganzheitlichen Strategie, an Standardisierung, angemessener Infrastruktur und an einem klaren Umsetzungsplan vor allem auf Ebene der Kommunen. Der Förderalismus muss effizient bleiben. Es gilt zu vermeiden, dass Deutschland wie bei der digitalen Verwaltung durch mangelnde Standards international ins Hintertreffen gerät.

Dabei gibt es auf Ebene des Bundes schon seit 2015 eine Strategie für automatisiertes und vernetztes Fahren und auf der A9 ein Digitales Testfeld zur Erprobung von Technologien. 2017 hat die Ethik-Kommission Regeln für autonomes Fahren definiert und wurde das Straßenverkehrsgesetz so geändert, dass Deutschland als erster Staat der Welt die Rechte und Pflichten der Fahrzeugführenden bei der Nutzung automatisierter Fahrfunktionen geregelt hat. Auch auf Ebene der Kommunen gibt es eine Vielzahl von Testfeldern, die der Bund fördert. Es fehlt aber an einer Koordinierung bei der Schaffung der Rahmenbedingungen für automatisiertes Fahren, an einer klaren Vision und an der Etablierung von Standards. 

Die Skepsis der Bürger bleibt auch deswegen stark. Positiv ist, dass die Nationale Plattform Mobilität im Dezember 2019 Handlungsfelder für die Implementierung autonomer Mobilität definiert (u.a. Typengenehmigungsverfahren und Infrastrukturdaten) hat und eine konzertierte Zusammenarbeit zwischen Industrie, Politik, Zivilgesellschaft, Bund, Ländern und Kommunen anmahnt.

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